Zürcher Bildhauer
Präsidentin Dominique Vigne: «Wir sind auf neue Partnerschaften angewiesen»

Zwei Generationen von Bildhauern, ein Verein – Gründer der Arbeitsgemeinschaft Heinz Niederer und deren aktuelle Präsidentin Dominique Vigne über das Erreichte und die Herausforderungen.

Alex Rudolf
Merken
Drucken
Teilen
Dominique Vigne und Heinz Niederer. Alex Spichale

Dominique Vigne und Heinz Niederer. Alex Spichale

Alex Spichale

Eigentlich wäre auf der Verkehrsinsel vor dem neuen Soyana-Gebäude an der Zürcherstrasse ab September Kunst installiert worden. Passend zum vorherrschenden Verkehrsfluss hätte ein Boot, in welchem Ananas und Aprikose wie Passagiere sitzen, mit dem Titel «Fruchtexpress Zürich – Schlieren» ausgestellt werden sollen.

Das Konzept des Künstlertrios Mickry 3 für die Reihe «Kunst in Schlieren», im Rahmen derer Kunstschaffende der Arbeitsgemeinschaft Zürcher Bildhauer (AZB) Werke im öffentlichen Raum platzieren, kommt jedoch nicht zustande. «Weil die Stadtbahn bald gebaut wird, ist dieser Standort nicht möglich und wir suchen nun nach Alternativen», sagt Dominique Vigne. Das 36-jährige Mickry3-Mitglied steht als Präsidentin der AZB einem Verein vor, der ein Jahr jünger ist als sie selbst.

Gemeinsam mit elf Plastikern gründete Heinz Niederer im Jahr 1982 die Arbeitsgemeinschaft. Besonders zwei Gründe führten zu diesem Schritt. So gab es in der Stadt Zürich zu wenig Platz und der vorhandene Freiraum war hart umkämpft. Zudem waren die Stadtbewohner äusserst sensibel auf den Lärm der Kunstschaffenden. Probleme, die in Schlieren keine waren.

Die aktuell 32 AZB-Mitglieder sind heute stark mit der Stadt verbunden. So zeigen ausgewählte Künstler – so wie Mickry3 – ihre Werke seit 2006 im öffentlichen Raum. Die neuste Auflage dieser Ausstellungen unter freiem Himmel startet im kommenden September mit den Werken von vier Plastikern. Damit verschönert die AZB nicht nur das Stadtbild, nein, sie bleibt auch im Gespräch. «Der Austausch mit den Schlieremern ist sehr wichtig für uns und wir freuen uns mit unseren Werken einen Beitrag zur Lebensqualität zu leisten», sagt Vigne.

Vor etwa elf Jahren trat Vigne dem Verein bei und ist noch immer eine der Jüngsten: «Die Altersdurchmischung ist grossartig. Man kann gegenseitig viel voneinander lernen», sagt sie. Früher habe noch ein raueres Klima geherrscht. Damals war von einer Gruppe Einzelgänger die Rede, die nahe der Limmat nebeneinander arbeiten. «Heute entwickeln sich auch Freundschaften, die einem helfen, das Künstlerleben zu meistern.»

Dem pflichtet auch Heinz Niederer bei, der sein Atelier direkt neben jenem von Mickry 3 hat und in regem Austausch mit den drei Frauen steht. Der 75-jährige AZB-Gründer ist sich bewusst, dass die Zeiten andere sind und dass auch die AZB anders ist als früher. «Die junge Generation hat das Ruder übernommen, und das ist gut so.» Gefragt nach einem Highlight der vergangenen Jahre, will er sich nicht so recht entscheiden: «Herrje, dass es die AZB nach über 35 Jahren überhaupt noch gibt, ist mein Höhepunkt.»

Gäste sind eine Bereicherung

Die Artists in Residence, von denen jährlich zwei für fünf Monate im Gaszählergebäude leben und arbeiten, seien eine Bereicherung. «Sie profitieren von uns und wir von ihnen», sagt Vigne. Finanziert werden die Gastkünstler massgeblich von Stadt und Kanton Zürich. Wie Lilian Hasler, welche die Gastkünstler betreut, erklärt, endet die 13-jährige Kooperation mit der Stadt Zürich auf Ende 2017. «Die Stadt verlagert ihren Unterstützungsschwerpunkt auf die AZB-Kunstkammer. Wir sind also auf eine neue Partnerschaft angewiesen», sagt sie. Die Stadt Schlieren wäre hierfür optimal, fügt sie an.

Und wie gefällt den Künstlern die Wohnform? Vigne und Niederer sind sich einig, dass die Reaktionen auf das Atelier-Loft so unterschiedlich sind wie die Künstler selbst. «Manche wollen nur noch so wohnen, andere können nicht schnell genug wegkommen. Es ist schon speziell», sagt Niederer. Und Vigne: «Hier können sich die Künstler vollkommen auf ihre Arbeiten fokussieren. Sie müssen sich nicht mit dem Verdienen des Lebensunterhalts oder mit anderen Dingen beschäftigen.»

Dies werde noch einfacher aufgrund der idyllischen Lage des Gaswerks, welches gesäumt wird von historischen Bauten und der Limmat. Zudem: «Wir von der AZB lassen die Gastkünstler nicht blauäugig hierher ziehen. Sie werden darüber informiert, dass sie in sehr bescheidenen Verhältnissen leben werden», fügt Niederer an.