Uitikon
Präsident der Holzkorporation Hans Gut: «Lothar machte den Wald stärker»

Die bald 180-jährige Holzkorporation Uitikon, welcher rund 75 Hektaren Wald angehören, fusioniert mit ihrer Nachbarin aus Ringlikon – Präsident Hans Gut erklärt die Vorteile und weshalb er es als Jahrhunderereignis bezeichnet.

Alex Rudolf
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Im Mai 2000 waren die vom Sturm "Lothar" auch im Wald bei Uitikon verursachten Schäden noch unübersehbar. (Archiv)

Im Mai 2000 waren die vom Sturm "Lothar" auch im Wald bei Uitikon verursachten Schäden noch unübersehbar. (Archiv)

KEYSTONE

Viel neues im Uitiker Wald. 1840 wurde die Holzkorporation, der heute rund 75 Hektaren Wald auf Gemeindegebiet gehören, gegründet. Dieses Jahr fusionierte sie mit ihrer Schwesterkorporation Ringlikon, die über 25 Hektaren verfügt. Präsident Hans Gut nennt dies ein Jahrhundertereignis für die Korporation, aber auch für die Gemeinde. Denn rund 90 Prozent des Waldes in Uitikon sind nun im Besitz einer Korporation.

Herr Gut, warum fusionieren die beiden Holzkorporationen gerade jetzt?

Hans Gut: Sie wurden unabhängig voneinander gegründet und funktionieren gut. Hin und wieder wurden Fusionsbestrebungen unternommen, doch diese scheiterten. So kam die Uitiker Korporation durch Landverkäufe zu grossem Vermögen, jene aus Ringlikon hingegen nicht. Vor einem Jahr dann kam von der Korporation Ringlikon wieder die Idee einer Fusion auf, da sie so besser für die Zukunft aufgestellt wäre. Doch die unterschiedlichen Verhältnisse in Sachen Waldbestand, Grösse der Parzellen und finanzielles Polster stellten zuerst ein Problem dar.

Wie lösten Sie dieses?

Es kristallisierte sich eine simple Lösung heraus. Bei der Korporation Ringlikon tauschten die Teilhaber ihre Teilrechte so ab, dass diese gleich viel Fläche wie jene aus Uitikon hatten. Die Korporation Uitikon brachte daraufhin denselben Wert in die neue Korporation Uitikon ein wie jene aus Ringlikon. Die Differenz wird ausbezahlt. Die wirtschaftlichen Vorteile dieser Fusion sind immens.

Das heisst?

Es braucht nicht mehr zwei Verwaltungen. Nun können diese verschmelzen. Da wir keine Festangestellten beschäftigen, kommt es zu keinen Entlassungen. Den Wald unterhalten unser Forstbetrieb sowie professionelle Unternehmen in unserem Auftrag. Auch hier lässt sich durch Synergien Geld sparen.

Sind hier weitere Fusionen mit umliegenden Waldbesitzern geplant?

Die Zusammenarbeit mit den Korporationen von Schlieren, Birmensdorf, Urdorf und Aesch ist bereits heute sehr eng. Wir betreiben etwa einen gemeinsamen Forstbetrieb. Ich glaube jedoch nicht, dass es in naher Zukunft zu Fusionen von Korporationen über die Gemeindegrenze hinaus kommen wird.

Hans Gut blättert im Grundbuch der Holzkorporation.

Hans Gut blättert im Grundbuch der Holzkorporation.

Alex Rudolf

Bald werden auf der Stadtzürcher Seite des Üetlibergs 2100 Bäume gefällt. Zahlreiche Menschen haben kein Verständnis dafür.

Dazu kann ich folgendes sagen: Das Waldbild der vergangenen Jahrzehnte hat sich grundlegend geändert. Als ich ein Kind war, bestand er vornehmlich in Form einer Monokultur. Was für die Widerstandskraft natürlich nicht gut ist. Starke Stürme wie Lothar 1999, bei denen zahlreiche Bäume aus dem Boden gerissen wurden, machten den Wald rückblickend stärker. Da mehr Licht bis zum Boden vordringen konnte, war auch dort wieder mehr Lebensraum vorhanden. Zurück zu ihrer Frage: Es ist richtig, dass die Bäume gefällt werden.

Auch die Nutzung des Waldes zur Erholung ist ein aktuelles Thema. Nicht nur am Üetliberg kommen Biker und Fussgänger kaum aneinander vorbei. Auch in Schlieren wollte man einen Seilpark und einen Bike-Trail errichten. Wie stehen Sie dazu?

Den Wunsch der Bevölkerung, den Wald als Erholungsgebiet zu nutzen, ist immens gross. Und das soll sie auch. Für uns macht dies die Sache nicht unbedingt einfacher, da zahlreiche Interessen aufeinandertreffen. Man darf niemandem verbieten in den Wald zu gehen und sich dort zu erholen. Wir verzichten jedoch bewusst auf eine Attraktion wie einen Seilpark oder einen Bikepark. Wir finden, das verträgt der Uitiker Wald, der bereits einen Vita-Parcours beherbergt, nicht.