Aesch

Posthalter-Ehepaar hört nach fast 50 Jahren auf: «Ich habe diesen Beruf geliebt»

Das Ehepaar Heidi und Martin Keller aus Aesch führte die letzten 16 Jahre die Postfiliale in Weiningen. Nun geniesst es den Ruhestand.

Das Ehepaar Heidi und Martin Keller aus Aesch führte die letzten 16 Jahre die Postfiliale in Weiningen. Nun geniesst es den Ruhestand.

Das Posthalter-Ehepaar Heidi und Martin Keller aus Aesch hört nach fast 50 Jahren auf – zuletzt war es in Weiningen tätig. Die Poststelle wurde Mitte März geschlossen.

Weiningen ist ihnen ans Herz gewachsen. Während 16 Jahren leiteten Heidi und Martin Keller die dortige Poststelle. Damit ist nun Schluss. Die Post hat ihre Filiale im Weindorf kürzlich geschlossen. Postgeschäfte können nun in der Agentur im Spar-Supermarkt erledigt werden. Derweil geniesst das Ehepaar Keller in Aesch seine ersten Tage im Ruhestand.

Martin Keller begann im Jahr 1969, bei der Post zu arbeiten. Während Heidi Keller eine Lehre als Betriebsassistentin absolvierte, hatte er als Briefträger in Weinfelden angefangen und dann 23 Jahre lang für die Post in Unterengstringen gearbeitet. Danach entschied er sich, Posthalter zu werden. «Ein besonderer Moment für mich war, als ich vom Postboten zum Posthalter geworden bin», sagt Martin Keller. Er blicke gerne auf dieses Ereignis zurück.

Ein eingespieltes Team

Mit ihrem Wissen aus der Lehre und der langjährigen Erfahrung am Postschalter konnte Heidi Keller ihren Ehemann unterstützen. «Heidi hat mir geholfen und mir diesen Beruf beigebracht, weil ich diese Ausbildung nicht gemacht habe», sagt Martin Keller stolz über seine Frau. Heidi Keller arbeitete bei der Weininger Post in einer Teilzeitstelle. Sie habe ihm bis zum Schluss geholfen. «Wenn sie nicht da war und ich ihre Hilfe brauchte, haben wir einfach telefoniert», erzählt Martin Keller.

Anfangs wurden sie von zwei Briefträgern und einer weiteren Angestellten am Schalter unterstützt. Es gab noch keine Computer oder elektronische Hilfsmittel, die das Arbeiten erleichterten. Die Buchhaltung wurde früher von Hand geführt. Jeden Morgen fanden sie sich pünktlich um sechs Uhr in der Filiale ein, begannen das Postfach einzufächern, um dann die Kunden eine Stunde später empfangen zu können. «Weil wir damals die einzige Post im Limmattal waren, die so früh ihre Schalter öffnete, kamen viele Leute meistens vor Arbeitsbeginn zu uns», sagt Heidi Keller.

Beide genossen den persönlichen Austausch mit den Kundinnen und Kunden. «Wir haben uns Zeit für jeden genommen», sagt Heidi Keller. Mit der zunehmenden Digitalisierung hätten sich alle Berufe verändert. So auch der Posthalterberuf, sagt Martin Keller. Während sie zu Beginn ausschliesslich für Zahlungen, Briefe und Pakete zuständig waren, mussten sie heute immer mehr auch andere Produkte und Dienstleistungen anbieten. «Plötzlich verkauften wir Süssigkeiten, Bücher oder Mobiltelefone», sagt Martin Keller. Die Post habe einfach mit der Zeit gehen und sich umstellen müssen.

Der Beruf veränderte sich

Die Digitalisierung und Umwälzung der Berufe habe zu Leistungsdruck geführt, sagt Heidi Keller. Es gehe heute nicht mehr darum, Dienstleistungen anzubieten und den Kunden zufrieden zu machen, sondern darum, auch Gewinn zu generieren.

Durch die Digitalisierung hätten sie immer weniger Kontakt mit den Kunden gehabt. «Heute geht es nur noch darum, zu verkaufen», sagt Heidi Keller. «So macht es weniger Spass», fügt Martin Keller nickend hinzu. Aus Spargründen wurden auch Angestellte entlassen. Am Ende war nur noch das Posthalter-Ehepaar da. «Früher ging man zusammen mit den Arbeitskollegen in den Feierabend, ging essen oder feierte zusammen einen Geburtstag», sagt Heidi Keller. Die Teams seien auseinandergefallen.

Jedoch gäbe es mehr positive als negative Erinnerungen an den Beruf. «Wir haben alle Dienstleistungen angeboten, haben die Kunden bedient und ihnen zugehört», sagt Heidi Keller zufrieden. Weil sie viele Dienstleistungen anboten, seien viele Leute gerne zu ihnen gegangen. So hätten etwa Kunden aus anderen Orten ihre Filiale aufgesucht. Jeder kannte sich in Weiningen. Es sei auch viel persönlicher gewesen als in anderen Filialen, wo alles einfach schnell gehen müsse, so Heidi Keller. Sei bei der Arbeit einmal ein Fehler unterlaufen, wurde dieser von allen schnell verziehen, fügt Martin Keller an.

«Unser Abschiedsapéro war traurig, aber auch einer der schönsten Momente. Wir konnten die Wertschätzung, die wir die Jahre über bekommen haben, nochmals spüren», sagt Heidi Keller. Nach beinahe 50 Jahren Arbeit bei der Post verabschiedete sich das Posthalter-Ehepaar zufrieden von seinem Beruf. «Ich habe diesen Beruf geliebt», sagt Heidi Keller.

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