Limmattal
Pollenfreie Blumenfelder sind den Imkern ein Dorn im Auge

Allergiker der Region freuen sich über das Angebot, während die Bienen Nahrungsquellen verlieren.

Anina Gepp
Merken
Drucken
Teilen
Bienen erkennen nicht, ob es sich bei einer Blume um eine mit oder ohne Pollen handelt. Sie fliegen sie an, um dann vielleicht enttäuscht zu werden.

Bienen erkennen nicht, ob es sich bei einer Blume um eine mit oder ohne Pollen handelt. Sie fliegen sie an, um dann vielleicht enttäuscht zu werden.

keystone

Wer von der Fahrweid oder Geroldswil her nach Weiningen einbiegt, kann rechterhand das Blumenfeld zum Selberpflücken kaum übersehen. Wer sich mit ein paar der Blüten die eigenen vier Wände verschönern möchte, kann sich hier selbst bedienen und einen Batzen in die Kasse werfen. Neuerdings werden sogar Sonnenblumen angeboten, die keine Pollen enthalten. Somit verlieren sie auch nach ein paar Tagen in der Vase keinen Blütenstaub und sind erst noch allergikerfreundlich. Ein tolles Angebot, zumindest auf den ersten Blick.

Zur Verfügung gestellt

Ernst Karbe aus Unterengstringen sind solche Blumenfelder nämlich ein Dorn im Auge. «Die Bienen haben von solchen Sonnenblumen nichts. Sie fliegen sie an und merken dann, dass es weder Pollen noch Nektar zu holen gibt», sagt der Imker. Das sei nur schwer mitanzusehen, zumal Wild- und Honig-Bienen entscheidend zum Erhalt vieler Pflanzen beitragen würden. «Diese wiederum werden von anderen Tieren als Lebensraum oder Nahrungsquelle genutzt», so Karbe. Auch für den Menschen ist die Bestäubung von grosser Bedeutung: So können die meisten Nutzpflanzen, etwa Äpfel, nur dann Früchte tragen, wenn ihre Blüten zuvor bestäubt wurden.

«Wildbienen werden verhungern»

Schnittblumen ohne Pollen zu züchten sei gegen die Natur, so Karbe. Gerade im Juli sei es wichtig, dass es richtige Sonnenblumen gibt, die die Bienenvölker mit Nahrung versorgten. Denn im Sommer gebe es ohnehin schon weniger Blüten als im Frühling. Ein zweites solches Feld, auf welchem ebenfalls pollenfreie Sonnenblumen zu pflücken sind, befindet sich in Schlieren nach der grossen Ampel in Richtung Unterengstringen. Auch hier konnte Karbe schon beobachten, wie Bienen die Blüten angesteuert haben, um dann enttäuscht zu werden.

615

Arten von Wildbienen gibt es in der Schweiz. Laut Schweizer Bienenschutzverein «Wildbee» sind bereits 45 Prozent der Bienen in der Schweiz auf der Roten Liste. 60 ehemals auffindbare Arten sind bereits ausgestorben. Gründe für das Bienensterben sind der Einsatz von Pflanzenschutzgiften, Monokulturen, verschwindende Wildblumenwiesen und allzu aufgeräumte Gärten ohne Blumen.

«Die Wildbienen werden wohl irgendwann verhungern», vermutet er. Für den Hobbyzüchter sind Bienen ganz besondere Tiere. Es gehe ihm bei der Zucht nicht primär um den Honig. Vielmehr wolle er verstehen, wie die Insekten ticken. «Es ist einfach nur faszinierend», sagt er.
Auch Matthias Schmid vom Kantonalverband Zürcher Imkervereine fällt auf, dass immer mehr pollenfreie Blumen angeboten werden. «Leider ist es heute so, dass nicht mehr gerne Blütenstaub aufgewischt wird. Pollenfreie Blumen kommen vor allem den Bequemen recht», sagt er.

Das Angebot im Limmattal sei ähnlich wie im ganzen Mittelland. Im Frühling gebe es einen Überfluss an Futter für die Bienen durch den Raps und anschliessend nichts mehr. «Es fehlen die grossflächigen Blumenwiesen. Darum ist jede einzelne Bienenpflanze wichtig», so Schmid.
Karbe hat aus diesem Grund in seinem Garten auch Sonnenblumen angepflanzt, allerdings mit Pollen. «Das ist mein Beitrag an die Naturerhaltung», sagt er.