Schlieren
Polizisten-Opfer fordert von der Stadt 8 Millionen Schadensersatz

Wegen eines Beamten, der seinen Fahrausweis abgeben musste, gerät die Stadtpolizei erneut in die Schlagzeilen. Doch dieser Fall ist nicht der erste seiner Art, im Dezember verprügelten zwei Stadtpolizisten einen Schrebergärtner.

Florian Niedermann
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Die Schlieremer Polizei steht unter Druck. (Symbolbild)

Die Schlieremer Polizei steht unter Druck. (Symbolbild)

Limmattaler Zeitung

Die Stadt Schlieren gerät wegen ihres Polizeikorps massiv unter Druck: Wie Stadtpräsident Toni Brühlmann-Jecklin (SP) heute bestätigte, fordert der Schrebergärtner, der von zwei Stadtpolizisten verprügelt und beraubt worden ist, in einer Staatshaftungsklage acht Millionen Franken Schadenersatz.

Die beiden Polizisten wurden Mitte Dezember vom Bezirksgericht Dietikon zu 16 Monaten bedingt verurteilt. Die Schadenersatzforderung von acht Millionen habe der Kläger aber an die Stadt Schlieren zu richten, erklärte das Gericht damals. Dieser reichte nun Ende Dezember eine entsprechende Staatshaftungsklage ein, wie Brühlmann sagt: «Unser weiteres Vorgehen werden wir beraten, sobald das schriftliche Urteil des Bezirksgerichts gegen die beiden Polizisten eingegangen ist.» Dieses werde in den nächsten Tagen erwartet.

Vorgestern sorgte das städtische Polizeikorps erneut für Wirbel: Im vergangenen Jahr stellte die Stadt einen Beamten ein, obwohl er wegen eines Verkehrsdelikts seinen Fahrausweis für ein Jahr abgeben musste. Dies bestätigte der Schlieremer Sicherheitsvorstand Markus Bärtschiger (SP) gegenüber «20 Minuten». Um die Tat des Polizisten wussten sowohl er als auch Polizeichef Marco Weissenbrunner. Man habe dem Mann eine Chance geben wollen, begründet der Sicherheitsvorstand auf Anfrage den Entscheid, den Polizisten dennoch anzustellen. Über den Grund für den Fahrausweisentzug will er aus personalrechtlichen Gründen keine Auskunft geben.

Art des Delikts bleibt im Dunkeln

Klar ist, dass es sich um das erste derart schwere Verkehrsdelikt des Polizisten handelt. Alkohol am Steuer schliesst Bärtschiger aus. Dass der Beamte gerast ist, will er nicht bestätigen. Zu schweren oder mittelschweren Widerhandlungen, die zu einem derart langen Billett-Entzug führen können, zählen auch Fahrerflucht oder das Führen eines Fahrzeugs ohne Führerschein.

Der fehlbare Schlieremer Polizist bleibt bis August 2014 im Innendienst. Dann wird er seinen Führerschein zurückbekommen. Was würde aber passieren, wenn er erneut gegen Verkehrsregeln verstösst? Der Beamte, um den der gegenwärtige Wirbel entstand, könne sich nichts mehr erlauben, so Bärtschiger: «Das wissen alle Beteiligten.»

Einstellungsgespräch überzeugte

Die Möglichkeit, trotz seines Verkehrsdelikts in Schlieren arbeiten zu können, erhielt der Ordnungshüter aufgrund seiner guten Zeugnisse und des guten Eindrucks beim Einstellungsgespräch. «Wir waren überzeugt, dass er ein guter Polizist ist», erklärt der Sicherheitsvorstand. Mitunter habe man sich für ihn aber auch mangels Alternativen entschieden: «Es ist schwierig, gute Polizisten zu finden. Klar haben sie eine Vorbildfunktion, die sie ernst nehmen müssen. Aber es handelt sich um Menschen, die auch Fehler machen», so Bärtschiger.

Beim letzten Mal, als die Schlieremer Polizei ihren Beamten im Zusammenhang mit Straftaten Vertrauen entgegenbrachte, erwies sich dies im Nachhinein als Fehler. Einer der beiden prügelnden Polizisten, die verurteilt wurden, kündigte noch vor der Verurteilung. Den anderen aber beliess die Stadtpolizei bis zur Urteilverkündung im Dienst. Die Verantwortlichen vertrauten seiner Version, wonach die Vorwürfe des Klägers unbegründet seien. Dies sollte sich im Nachhinein als Fehler erweisen.

Schenkt die Stadt Schlieren ihren Ordnungshütern zu viel Vertrauen? «Klar machen wir uns auch solche Gedanken. Unsere Polizei kann sich nicht mehr viel leisten», räumt Sicherheitsvorstand Markus Bärtschiger (SP) ein.

Ein Bewerber, dem der Führerschein entzogen wurde, hätte heute deshalb schlechte Aussichten auf einen Posten bei der Polizei: «In der gleichen Situation würden wir jemanden ohne weisse Weste heute nicht mehr einstellen», sagt Bärtschiger. Nach den Negativschlagzeilen gelte es, das Vertrauen der Bevölkerung wiederzugewinnen.