Der 16. Juni war ein guter Tag für Falschparkierer. Sie blieben von einer Busse verschont, als sie im Rahmen eines kulturellen Fests in der Dietiker Freizeitanlage Chrüzacher ihr Gefährt verbotenerweise auf Fussgängerstreifen und Trottoir parkierten. Dies, obwohl eine Polizeipatrouille herbeigerufen wurde. Wie der Dietiker Stadtrat nun erklärt, hat dies einen einfachen Grund: Die aufgebotene Patrouille hatte zum Zeitpunkt Wichtigeres zu tun.

Nicht «vor Aufwand gescheut»

Eine Stellungnahme des Stadtrats forderte SVP-Gemeinderat Werner Lips. Dieser wollte wissen, wieso die Parksünder die Zufahrten der angrenzenden Liegenschaften blockieren und Trottoirs sowie Fussgängerstreifen unpassierbar machen können, ohne dafür einen Denkzettel zu bekommen. Lips vermutete dahinter ein Zuständigkeitsproblem, da an diesem Sonntag ein Patrouillenwagen der Stadtpolizei Schlieren am Schauplatz in Dietikon auftauchte.

Bei den Polizisten handelte es sich aber um eine sogenannte Regionalpatrouille - lediglich das Gefährt, mit dem sie auffuhren, gehörte der Schlieremer Stadtpolizei. Die Regionalpatrouille, so der Stadtrat, ist für Dietikon, Schlieren und Urdorf gleichermassen zuständig, wäre also durchaus befugt gewesen, Parkbussen zu verteilen.

Lips' Frage, ob die Patrouille schlicht «den Aufwand für die vielen Bussen gescheut hat», wird hingegen verneint. Vielmehr hätten sich die Polizisten um einen «anderweitig dringenden Einsatz» kümmern müssen. Lips schrieb in seiner Anfrage noch, die Polizisten hätten das Unterlassen der Bussenerteilung damit begründet, «dass es dann zu viele Rekurse geben würde». Darauf geht der Stadtrat jedoch nicht ein.

Wie aus der Antwort der Exekutive weiter hervorgeht, wären Schlieremer Polizisten aber auch alleine - also dann, wenn sie nicht Teil einer Regionalpatrouille sind - berechtigt, in Dietikon Bussen verteilen. Möglich macht dies ein Zusammenarbeitsvertrag zwischen den Schlieremer und Dietiker Stadtpolizeien.

Erträge fliessen in Dietiker Kasse

In diesem Fall würden die Schlieremer Polizisten Ordnungsbussenblöcke der Stadt Dietikon verwenden. Die Einnahmen fliessen somit in die Dietiker Stadtkasse. Lips' Frage, ob die Stapo Schlieren in Dietikon Bussen erteilen müsse, bleibt damit aber unbeantwortet.