Birmensdorf
Politische Sprechstunde: Gemeindepräsident lädt Bürger zum Gespräch

Gemeindepräsident Werner Steiner will nicht mehr in der Metzgerei politisieren und bietet deshalb eine neue Dienstleistung an: Einmal monatlich sollen Birmensdorfer ab Oktober persönlich in einer Sprechstunde bei ihm vorstellig werden können.

Florian Niedermann
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Werner Steiner setzt sich künftig mit Bürgern an einen Tisch. SKE

Werner Steiner setzt sich künftig mit Bürgern an einen Tisch. SKE

Die Gemeinde Birmensdorf geht mit der Bevölkerung auf Tuchfühlung. Gemeindepräsident Werner Steiner (SVP) bietet künftig eine neue Dienstleistung an: Einmal monatlich sollen Birmensdorferinnen und Birmensdorfer ab Oktober persönlich in einer Sprechstunde bei ihm vorstellig werden können, um ihre Anliegen mit ihm zu besprechen.

Der Grund dafür ist, dass Steiner nicht mehr länger auf der Strasse und in seiner Metzgerei politisieren will. «Ich bin ein Ur-Birmensdorfer. Jeder kennt mich. Da geschieht es oft, dass mich Leute in meinem Geschäft auf politische und strategische Belange der Gemeinde ansprechen», sagt er. Mit der Sprechstunde wolle man nun einen niederschwelligen Zugang mit einem offiziellen Rahmen schaffen.

«Wir wollen damit auch eine Art Pendant zum Gästebuch auf der Website anbieten, das wir letztes Jahr von der Website der Gemeinde nahmen», so Steiner. Diese Form biete den Vorteil, dass sich Interessenten erst überlegen müssten, was ihr Ziel ist, und welche Argumente sie dafür anführen wollen. Die Einrichtung einer solchen Sprechstunde war eines der Legislaturziele, welche die Gemeinde für die Amtszeit 2010 bis 2014 definiert hat.

An den Gesprächen teilnehmen wird auch Gemeindeschreiber Angelo Umberg. Damit will man gewährleisten, dass auch die Verwaltung über den Inhalt der Gespräche Bescheid weiss. «Wenn ein Thema besprochen wird, wofür die Gemeinde zuständig ist, werden wir eine Aktennotiz schreiben», sagt Umberg. Er rät Birmensdorfern, die sich für eine Sprechstunde anmelden, gleich das Thema anzumerken, um das sich das Gespräch drehen soll: «So können wir die Zuständigkeit schon im Vorfeld klären, uns vorbereiten und verhindern, dass es zu Leerläufen kommt.»

Bisher sind bei der Gemeinde noch keine Anmeldungen eingegangen. Auf der Website wird das neue Angebot seit gestern angepriesen. Anmeldungen für Sprechstunden erfolgen telefonisch. Für Umberg ist aber klar, dass man die Sprechstunden auch weiterhin anbieten würde, wenn die Nachfrage danach zunächst ausbleibt: «Es würde mich nicht erstaunen, wenn sich die Sprechstunden erst etablieren müssen, und wir nicht von Beginn weg viele Anfragen erhalten», sagt er.

Die ersten Sprechstunden finden am 21. Oktober und am 18. November jeweils von 16.30 Uhr bis 18.30 Uhr statt. Im Dezember werden Sprechstunden «nach Vereinbarung» geführt. «Ich habe dann in der Metzgerei so viel zu tun, dass ich keine Zeit habe, um zwei Stunden abwesend zu sein», erklärt Steiner. In dringenden Fällen werde er aber auch dann ein kurzes Treffen unterbringen können.

In Uitikon bereits seit 30 Jahren

In Uitikon existieren Sprechstunden der Gemeindepräsidenten bereits seit 30 Jahren. An zehn Abenden pro Jahr suchen dort laut Gemeindeschreiber Bruno Bauder durchschnittlich ein bis zwei Personen das Gespräch mit dem Exekutivchef. Meist handle es sich um Verwaltungsangelegenheiten, bau- oder steuerrechtliche Fragen sowie Bedenken und Anregungen, die dabei zur Sprache kämen. «Wir haben mit dieser Kommunikationsform bisher nur gute Erfahrungen gemacht», sagt Bauder. Der Vorteil dieses Austauschs sei, dass den Einwohnern keine Verwaltungsangestellten gegenübersässen, sondern eine neutrale Ansprechperson, die sie auf eine andere Art anhöre und ernst nehme.