«Mehr Schlieremer Kinder sollten den Zugang zum Gymnasium erhalten. Aktuell wird das Potenzial, das in ihnen schlummert, nicht ausgeschöpft», sagt Silvia Meier. Die SP-Gemeinderätin bezieht sich dabei auf die stadträtliche Antwort auf eine kleine Anfrage, in der sie sich nach Vorbereitungskursen für die Gymi-Prüfung erkundigte.

Aus dieser Antwort geht hervor, dass von der Stadt maximal 24 Plätze für Kinder aus der sechsten Klasse der Primarschule und jeweils 12 Plätze für Schülerinnen und Schüler der zweiten und dritten Sekundarschule zur Verfügung gestellt werden. Um aber einen dieser Plätze zu erhalten, müssen die Schüler einiges mitbringen. Primarschüler absolvieren jeweils im Juni einen Vortest, den es zu bestehen gilt. Zu diesem zugelassen ist jedoch nur, wer in Deutsch und Mathematik mindestens die Note 5 mitbringt. «Der Wunsch nach einem solchen Test kam aus den Reihen der Mittelstufen-Lehrpersonen, die sich oft einem gewissen Erwartungsdruck ausgesetzt sehen», schreibt der Stadtrat in seiner Antwort. Dies, und um spätere Enttäuschung zu vermeiden sowie einen effizienten Kursbetrieb zu gewährleisten, seien die Gründe, weshalb der Vorkurs vor einigen Jahren eingeführt wurde. Er findet jeweils an 22 Terminen zwischen August und Anfang März statt, dauert zwei Stunden und beinhaltet auch Hausaufgaben.

Auch Schüler der zweiten und dritten Sekundarschule haben die Möglichkeit für einen solchen Kurs. Sie müssen zwar keinen Test bestehen, aber mindestens die Durchschnittsnote 5 in den Hauptfächern mitbringen, um zugelassen zu werden.

Kanton macht keine Vorgaben

Für die Durchführung von Gymi-Vorbereitungskursen lässt der Kanton den Gemeinden grossen Spielraum. Lediglich auf einem A4-Blatt vermerkt die Bildungsdirektion, dass die Schülerinnen und Schüler, die einen Übertritt ins Gymnasium beabsichtigen, im Rahmen des obligatorischen Unterrichts darauf vorbereitet werden sollen. Grundsätzlich empfehle man den Schulgemeinden, interessierten Schülerinnen und Schülern der 6. Klasse und der 2. Sekundarklasse Vorbereitungskurse anzubieten. «Über Ausgestaltung, Durchführung, Organisation und Entschädigungen entscheiden die Schulgemeinden», heisst es weiter. Über Zahlen, wie viele Schulgemeinden Kurse für wie viele Schüler anbieten, verfügt das Volksschulamt nicht, wie eine Nachfrage ergab.

Im Sinne einer grösseren Chancengleichheit zwischen den Schülern wollte der Regierungsrat die Gemeinden dazu verpflichten, Gratiskurse für die Aufnahmeprüfung ans Gymnasium anzubieten. Die Kosten, welche die Schulgemeinden hätten übernehmen müssen, wurden auf mehrere 100 000 Franken geschätzt. 2016 sagte der Kantonsrat Nein dazu.

Was wird für die Chancengleichheit getan? Denn Fakt ist: Die Quote von Schülern, die den Eintritt ins Gymnasium schaffen, ist dort am höchsten, wo auch am meisten gut situierte und am wenigsten Ausländer und Sozialhilfebezüger wohnen. So kommen im Goldküsten-Bezirk Meilen rund 23 Gymnasiasten auf 1000 Einwohner, im Bezirk Dietikon sind es lediglich deren 9. Doch auch in der Region gibt es von Gemeinde zu Gemeinde grosse Unterschiede. Im Bezirkshauptort Dietikon besuchen laut Angaben des statistischen Amtes etwa 5,1 Schüler pro 1000 Einwohner die Mittelschule, in Schlieren sind es mit 4,7 noch weniger. Uitikon hingegen kommt auf eine stolze Quote von 34 Gymnasiasten.

Welche Rolle spielen die Kurskosten dabei? Aus der Antwort des Schlieremer Stadtrates geht hervor, dass lediglich ein minimales Kursgeld, das insbesondere die Materialkosten deckt, verlangt werde. «Somit bieten die Kurse Chancengleichheit, da talentierten Kindern aus finanziell weniger begüterten Verhältnissen ebenfalls eine gezielte Vorbereitung ermöglicht wird.»

Wie die Vorbereitungskurse in Schlieren gehandhabt würden, findet Silvia Meier sehr gut. So sei es in der Tat nicht sinnvoll, Kinder auf die Gymiprüfung vorzubereiten, für die ein Bestehen aussichtslos sei. «Doch wäre es wünschenswert, wenn man mit einer gezielten Förderung der Schüler die Quote an Gymnasiasten erhöhen könnte», sagt sie. Sie hält sich offen, weitere politische Massnahmen zu ergreifen.