Poetry-Slam

Poetry-Slam: «Die Lehrer sind dieHooligans der Kleinkunstszene»

Eigentlich sind sie Gegner, für heute jedoch einmal vereint: Gabriel Vetter (l) und Kilian Ziegler.

Eigentlich sind sie Gegner, für heute jedoch einmal vereint: Gabriel Vetter (l) und Kilian Ziegler.

Die Poetry-Slam-Künstler Gabriel Vetter und Kilian Ziegler beglückten Uitikon mit ihren Halbweisheiten. Das Publikum amüsierte sich köstlich ob der Wortgewandtheit und des Witzes der beiden Ausnahmetalente.

Das Kulturpublikum auf dem Land ist oft um ein Vielfaches offener als das in der Stadt», sagt Gabriel Vetter, Slampoet aus dem Kanton Schaffhausen. Warum dies so ist, könne er nicht sagen. «Vielleicht liegt es daran, dass das Kulturprogramm auf dem Land viel eingeschränkter ist als in der Stadt und die Leute deshalb offener sind für jene wenigen Veranstaltungen, die es gibt», meint Vetter und zieht genüsslich die frische Uitiker Abendluft durch einen Glimmstängel.

Poetryslam ist mittlerweile im gesamten deutschsprachigen Raum zu einer festen Grösse in der Kulturszene geworden. Dabei geht es bei der ursprünglichen Idee um ein poetisches Kräftemessen zwischen verschiedenen so genannten Slamern.

Mit dem Publikum als Jury bekommt jeder Kandidat während meist fünf Minuten die Gelegenheit, seinen Text möglichst attraktiv vorzutragen. Es geht um Literatur, Poesie und in den meisten Fällen um eine Flasche besten Whiskey. Bei Gabriel Vetter und Kilian Ziegler zu Hause stehen schon Hunderte Whiskeys herum. Die beiden sind richtige Stars in der Szene und immer mehr auch darüber hinaus.

Wasserdichte Hunde und Polo Hofer

In Uitikon ging es aber für einmal nicht um das schottische Nationalgetränk. Die beiden Künstler traten nicht gegeneinander an, sondern miteinander auf und lasen abwechslungsweise aus ihrem breiten Repertoire an Texten vor. Da ging es um wasserdichte Hunde, die Erlebnisse eines Grossvaters in der Tierkadaververbrennungsanlage Hallau oder um die Verbindung zwischen den Beatles, Polo Hofer und der Schweizer Tradition von Apéros.

So stellte sich heraus, dass die Schweizer Vorliebe dafür, bei jedem noch so geringen Anlass gleich einen Apéro zu organisieren, von einer impliziten Gehirnwäsche herrührt. Genau wie die Beatles, die in ihrem Song «Lucy in the Sky with Diamonds» den Drogennamen LSD versteckt hatten, hat Polo Hofer dasselbe mit «Alperose» gemacht. Denkt man bei Alperose das L und den letzten Buchstaben weg, entsteht Aperos.

«Lehrer sind für mich die Hooligans der Kleinkunstszene», hält Gabriel Vetter während seines Auftritts fest. Es gebe keinen Kleinkunstanlass, an dem nicht mindestens fünf Lehrer seien. «Man könnte in einem abgelegenen Wald ein Loch graben mit einem Schild ‹Kleinkunst› und es wären im Nu fünfzig Lehrer und zehn Liegevelos dort.»

Publikum war begeistert

Das Publikum amüsierte sich köstlich ob der Wortgewandtheit und des Witzes der beiden Ausnahmetalente. Obwohl nur die wenigsten je von ihnen gehört hatten. «Ich kannte Slampoetry bis heute höchstens aus dem Fernsehen», meinte Paul Gross aus Uitikon. Er sei höchst positiv überrascht worden. Dies sah auch der vierzehnjährige Yanic Fürling so. «Meine Lehrerin hat mir gesagt ich soll heute Abend an diesen Anlass kommen. Es war sehr lustig und hat sich mega gelohnt», erzählte der Schüler.

«Ich bin es gewohnt, in kleinen Bars und dunklen Kellergewölben vor einem eher jungen Publikum zu lesen», sagte Kilian Ziegler. Er mache nun aber immer mehr auch solche Lesungen und es gefalle ihm beides gleich gut. Das sah auch Gabriel Vetter so. «Das hier in Uitikon ist richtige, schöne Kleinkunst, so wie sie zu sein hat».

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