Oetwil
Podiumsdiskussion zur Energiewende: «Strompreise sind immer politisch»

An guten Ideen für die Gegenwart mangelte es den Teilnehmern eines Energie-Podiums nicht. Am Dienstagabend in der Gemeindescheune in Oetwil lud die ortsansässige FDP zum Podium. Der optimistische Titel lautete «Energiewende: Wie schaffen wir das?».

David Hunziker
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Diskutierten über die Energiewende: Jakob Richi (Weininger Unternehmer), Stefan Meyre (EKZ), Georg Klingler (Greenpeace), Jürg Krebs (Moderator Limmattaler Zeitung), Pankraz Freitag (FDP-Ständerat), Balthasar Glättli (Grüne-Nationalrat) und Franz Baumgartner (Fotovoltaik-Experte).

Diskutierten über die Energiewende: Jakob Richi (Weininger Unternehmer), Stefan Meyre (EKZ), Georg Klingler (Greenpeace), Jürg Krebs (Moderator Limmattaler Zeitung), Pankraz Freitag (FDP-Ständerat), Balthasar Glättli (Grüne-Nationalrat) und Franz Baumgartner (Fotovoltaik-Experte).

David Hunziker

Zwei Grundsätze gehen der derzeitigen Diskussion zur Energiepolitik voraus: Nach Fukushima soll die Atomenergie risikobedingt durch andere Energieformen ersetzt werden und die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen ist zu umgehen. Darüber aber, wie diese Grundsätze umzusetzen sind, wird heftig debattiert. Mit der «Energiestrategie 2050» hat der Bundesrat einen Entwurf vorgelegt, an dem sich die Debatte nun orientiert. So geschehen auch am Dienstagabend in der Gemeindescheune Oetwil, wohin die ortsansässige FDP unter dem optimistischen Titel «Energiewende: Wie schaffen wir das?» zum Podium geladen hatte.

Zu Kompromissen bereit

Auch die Vertreter auf dem Podium gaben Grund zur Hoffnung: Von Greenpeace bis FDP ist man scheinbar zu Kompromissen bereit. Trotzdem sind die verschiedenen Parteien darum bemüht, die nahende Weichenstellung in der Energiepolitik in die gewünschte Richtung zu lenken.

Zwei unterschiedliche Stossrichtungen zeigten da bereits die zwei Eröffnungsreferate. Für Pankraz Freitag, Glarner FDP-Ständerat und Verwaltungsratspräsident der Nagra, sieht das Energie-Papier des Bundesrats zu starke Eingriffe in den Markt vor. Auch warnte er vor überstürzten Subventionen von Staatsseite. «Warten wir doch erst einmal ab, welche Technologien noch entwickelt werden», bremst er die Euphorie.

«Kernkraft wird immer teurer»

Franz Baumgartner, Dozent für erneuerbare Energien an der ZHAW, warb in seinem Referat für die Vorzüge der Photovoltaik. Dabei argumentierte er in erster Linie ökonomisch: «Seit 1976 ist die Photovoltaik hundert Mal günstiger geworden, die Kernkraft dagegen wird immer teurer.» Auch könne die Wertschöpfung in der Schweiz etwa über die Entwicklung oder die Installation auf diesem Weg erhalten werden.

Daher kritisierte auch Baumgartner das Papier des Bundesrates. Dieses enthält nämlich eine Obergrenze für die Förderung der Photovoltaik. Ebenfalls gehe es zu wenig weit: «Bis ins Jahr 2035 soll ein Anteil von fünf Prozent an erneuerbaren Energien erreicht werden, was Deutschland heute schon geschafft hat.»

Liberalisieren oder Konsum ändern?

Zu detaillierten Zukunftsvisionen liessen sich die weiteren Podiumsteilnehmer nicht hinreissen: Für den Weininger Unternehmer Jakob Richi ist für den Erfolg der Energiewende vor allem der konkrete Alltag in den Betrieben entscheidend: «Nicht allen Unternehmen fällt der Umstieg gleich leicht», betont Richi, der auch ein Biomassekraftwerk betreibt.

Auch für Stefan Meyre von den Elektrizitätswerken des Kantons Zürich (EKZ) kann letztlich nur der Markt die nötigen Kräfte mobilisieren. Daher bezog er klar Stellung: «Ich bin für die totale Liberalisierung des Strommarkts.» Für ihn sei vor allem erstaunlich, wie stark die Konsumenten auf den Preis reagierten. «Für 0,1 Rappen wechseln unsere Kunden bereits den Anbieter», erzählte er.

Auch für Georg Klingler, Experte für erneuerbare Energien bei Greenpeace, ist der Preis der Energie entscheidend. Wie Hochschullehrer Baumgartner kam er dagegen zum Schluss, dass die Liberalisierung längerfristig zu höheren Preisen führt. Zudem sei zu bedenken, dass Atomstrom heute nur darum so günstig sei, weil er nicht auf dem Markt versichert werden müsse. Sein Vorschlag: Auch beim Verbrauchsverhalten noch einmal über die Bücher zu gehen. «Wir müssen auch über den Konsum nachdenken. Brauchen wir wirklich 50 Quadratmeter Wohnfläche pro Person?», so Klinger.

Sparpotenzial in der Industrie

Ähnlich wie Klinger denkt der Zürcher Nationalrat Balthasar Glättli (Grüne). Energieeffizienz sei wichtig und gerade in der Industrie bestehe da noch grosses Potenzial. Doch: «Wenn wir dabei auch mehr verbrauchen, stimmt die Rechnung am Schluss trotzdem nicht.» Glättli betont weiter, dass Strompreise immer politisch seien. «Ich bin auch für den Markt, doch wir brauchen intelligente Instrumente, um ihn in die richtige Richtung zu lenken.»