Schlieren
Platzmangel an der Universität Zürich wird zum Glücksfall für das Wagi-Areal

Schlieren wird zur Universitätsstadt – zumindest ein bisschen. Ab Ende 2013 werden bis zu 200 Mitarbeitende am neuen Life-Sciences-Standort im Bio-Technopark forschen. In Schlieren freut man sich über die Neuzuzüger.

Sandro Zimmerli
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Die Uni Zürich will sich in Schlieren in neue Labors einmieten, um Raumengpässe zu überbrücken.Archiv/Niz

Die Uni Zürich will sich in Schlieren in neue Labors einmieten, um Raumengpässe zu überbrücken.Archiv/Niz

Wegen akuter Raumnot wird die Universität Zürich im Bio-Technopark einen neuen Life-Sciences-Standort schaffen. Bis zu 200 Mitarbeitende der Uni, des Universitätsspitals und der Psychiatrischen Universitätsklinik werden ab Ende 2013 dort arbeiten und forschen, teilt die Universität mit.

Das Wagi-Areal verdankt seinen Namen der Wagons- und Aufzügefabrik Schlieren (Bild um 1925).
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Die Wagi (Bild um 1970) war von 1895 bis 1985 in Betrieb
Die Belegschaft in Schlieren umfasste einstmals 2000 Personen
Der Schliessungsbeschluss sorgte 1983 für eine Grossdemo in Schlieren
Heute wird auf dem Wagi-Areal am Bio-Technopark gebaut

Das Wagi-Areal verdankt seinen Namen der Wagons- und Aufzügefabrik Schlieren (Bild um 1925).

zvg

Grund für die Raumengpässe bei den Life-Science-Fächern sind gekündigte Mietverträge, steigende Studentenzahlen, neue Professuren und mehr Projekte, schreibt die Uni. Zudem würden Rochadeflächen für Erneuerungen und Erweiterungen im Zentrum benötigt. Gesamthaft fehlen der Uni zurzeit mehr als 5000 Quadratmeter für Labors und rund 1750 Quadratmeter für Tierzucht und Tierhaltung.

Bio-Technopark: Ein Magnet für «Life-Science»-Firmen

Der Förderverein Bio-Technopark und der Grund- und Immobilienbesitzer Gewerbe- und Handelszentrum Schlieren AG bieten «Life-Science»-Firmen erschwingliche Infrastruktur an. Davon profitieren auch Start-ups, die meist von Abgängern der ETH oder der Universität Zürich gegründet werden. Zudem bietet der Förderverein den Jungunternehmern Support bei der Gründung und dem Aufbau ihrer Firmen. Er hilft ihnen, Kontakte zur Industrie oder zu Investoren zu knüpfen. 2003 wurde das Biotech Center Zurich eröffnet, das 2010 infolge einer Kooperation mit dem Technopark Zürich in «Bio-Technopark Schlieren-Zürich» umbenannt wurde. Heute sind 26 Firmen und über 10 Forschungsgruppen auf dem ehemaligen Wagi-Areal angesiedelt, die zusammen mehr als 600 Mitarbeitende beschäftigen. (zim).

Aufenthalt von 10 bis 15 Jahren

Die Uni wird im zehngeschossigen Laborgebäude, das derzeit an der Wagistrasse 12 gebaut wird, sieben Etagen beziehen. Bis Ende 2014 will sie an der Wagistrasse 13 A weitere drei Geschosse eines Neubaus für die Tierhaltung und -zucht mieten. Der Aufenthalt in Schlieren soll 10 bis 15 Jahre dauern. Danach ist eine Rückkehr in neue und sanierte Bauten auf dem Campus Irchel und im Universitäts-Zentrum vorgesehen.

In Schlieren freut man sich über die Neuzuzüger. «Das ist genial», sagt Mario Jenni, Geschäftsführer des Fördervereins Bio-Technopark. Der Zuzug der Universität sei sehr gut für den Austausch zwischen den akademischen Forschungsgruppen und den im Bio-Technopark angesiedelten Start-up-Firmen.

«Viele dieser Start-ups sind aus der Uni oder der ETH hervorgegangen. Durch die Mitarbeiter der Universität entwickelt sich das Gebiet allmählich zu einem kleinen Science-Park», so Jenni.

Der Umzug der Universität nach Schlieren ist auch ein Glücksfall für das Gewerbe- und Handelszentrum Schlieren AG (GHZ), den Grund- und Immobilienbesitzer im Bio-Technopark. Bereits Anfang Jahr hat die Firma ESBA Tech bekannt gegeben, dass sie im November drei Stockwerke im neuen Hochhaus beziehen werde. «Durch den Zuzug der Universität ist das Hochhaus nun ganz vermietet», sagt Jenni. Die Vorplanungen für das zweite Hochhaus seien bereits im Gang. Im Gestaltungsplan sind deren vier vorgesehen. Das GHZ beginnt mit dem Bau eines weiteren Komplexes jeweils erst, wenn das Bedürfnis danach besteht.

Die Bedeutung wird steigen

«Durch die Erweiterungsbauten wird die Bedeutung des gesamten Wagi-Areals steigen», ist Jenni überzeugt. Da in die Höhe gebaut werde, entstehe zwischen den Gebäuden mehr Platz, den die Mitarbeiter im Bio-Technopark in ihren Pausen nutzen könnten. «Zudem entsteht im Erdgeschoss des neuen Hochhauses mit dem Selbstbedienungsrestaurant und der Cafeteria ein neuer Treffpunkt.»