Ganz geheuer war ihm nicht. Stadtpräsident Hans Frei (SP) hatte mehr Widerstand erwartet. Der Gemeinderat sprach sich deutlich für die Kredite in der Höhe von insgesamt 28,3 Millionen Franken für das Stadthaus, das zusätzliche Parkgeschoss und das Feuerwehrgebäude aus. «Vorlagen, die so glatt über die Bühne zu gehen scheinen, sind gefährlich. Wenn keine offene Auseinandersetzung stattfindet, kann das am Abstimmungstag zu bösen Überraschungen führen», sagte Frei zum damaligen Stadtschreiber Thomas Furger.

Er sollte sich irren. Knapp drei Monate nach dem Votum der Dietiker Parlamentarier sagte am 7. Februar 1988 auch das Stimmvolk Ja zu den drei Krediten. Das Stadthaus konnte gebaut und schliesslich im Frühjahr 1992 mit einem zweitägigen Fest eingeweiht werden. Kommenden Samstag wird wieder gefeiert. Der 25. Geburtstag des Stadthauses steht an. An einem Tag der offenen Tür wird der Bevölkerung ein Blick hinter die Kulissen der Verwaltung gewährt.

Einer Verwaltung, die Jahrzehnte lang über die ganze Stadt verstreut, in vornehmlich älteren Gebäuden, untergebracht war. Miterlebt hat diese Zeit der heutige Stadtrat Roger Bachmann (SVP), der Mitte der 1980er-Jahre seine Verwaltungslehre bei der Stadt Dietikon begann und später auf dem Steueramt tätig war. «Nur die Kernverwaltung befand sich im alten Stadthaus, der heutigen Stadtbibliothek», erinnert sich Bachmann.

Die Arbeit sei ganz anders gewesen als später im neuen Stadthaus. Man sei in kleinen Teams tätig gewesen. Zudem hätten die alten Häuser einen gewissen Charme versprüht, der sich positiv auf das Arbeitsklima ausgewirkt habe. «Viele sind deshalb mit einem weinenden und einem lachenden Auge ins neue Stadthaus umgezogen», so Bachmann. Gefreut habe man sich natürlich auf die moderne Infrastruktur. Es ist die Zeit gewesen, in der es auch bezüglich der IT einen Quantensprung gegeben hat. Er selber habe gerne im neuen Stadthaus gearbeitet.

Generell, so Bachmann, habe sich das Stadthaus bewährt. «Allerdings sind wir heute wieder am selben Punkt wie vor 25 Jahren. Der Platz reicht nicht mehr aus und verschiedene Abteilungen sind wieder ausgelagert. Heute, mit den modernen Kommunikationsmitteln, die auch ortsunabhängiges Arbeiten erlauben, muss man sich fragen, ob wirklich alles noch in einem grossen Verwaltungsgebäude untergebracht sein soll», sagt Bachmann.

Stadtpräsident Hans Frei führte am 11. Juli 1989 den Spatenstich für das neue Stadthaus aus.

Stadtpräsident Hans Frei führte am 11. Juli 1989 den Spatenstich für das neue Stadthaus aus.  

Die Schule machte Platz

Früher war das kein Thema. Der Wunsch, die verschiedenen Verwaltungsabteilungen unter einem Dach zusammenzuführen, war gross, der Weg dorthin lang und steinig. Wie in vielen anderen Gemeinden mussten die Beamten und Behördenmitglieder auch in Dietikon die erforderlichen Amtslokale bis ins 20. Jahrhundert hinein selber zur Verfügung stellen. Ein erster Versuch, an dieser Praxis etwas zu ändern, scheiterte noch 1885.

Der damalige Gemeindeschreiber beantragte von der Gemeinde eine Entschädigung, weil er eine Gemeindekanzlei einrichten wollte. Das Anliegen wurde mit der Begründung abgewiesen, dass frühere Schreiber die Kanzlei auch auf eigene Kosten in ihren Wohnungen untergebracht hätten. Immerhin musste er die Holzschränke, in denen die Akten aufbewahrt wurden, nicht selber berappen. Der Gemeinderat selber tagte in jenen Jahren in der Weinstube, der Gaststätte seines Präsidenten.

1909 kam das Thema Zentralverwaltung wieder aufs Tapet. Die Schule zog von der Unteren Reppischstrasse 14 ins neu erstellte Zentralschulhaus. Die frei gewordenen Räume konnten nun als Gemeindekanzlei genutzt werden. Denn die Gemeindeversammlung genehmigte im Sommer 1909 einen Antrag des damaligen Zivilstandsbeamten, der eine Entschädigung für Miete und Heizung von 500 Franken für das in seiner Wohnung untergebrachte Amtslokal verlangte. Gleichzeitig beauftragte sie den Gemeinderat damit, einen Antrag zur Einführung einer Zentralverwaltung auszuarbeiten.

Die neue Gemeindekanzlei war fortan die Wirkungsstätte des Gemeindeschreibers und des Gemeindekassiers. Einen Telefonanschluss gab es dort allerdings noch nicht. Erst im Herbst 1913 erhielt die Verwaltung ein Telefon. Zuvor mussten die Beamten ihre Telefongespräche von der nahe gelegenen «Krone» aus führen.

Lange blieben Gemeindeschreiber und -kassier in ihren Büros nicht alleine. Während des Ersten Weltkrieges wuchs die Verwaltung stark an, weil die Gemeinde mit dem Vollzug vieler neuer Vorschriften betraut wurde. Der Platz an der Unteren Reppischstrasse 14 wurde knapp. Man war deshalb froh, dass 1932 die Erweiterung des Zentralschulhauses abgeschlossen wurde. Denn nun konnte die bis anhin an der Bremgartnerstrasse 20, der heutigen Stadtbibliothek, untergebrachte Sekundarschule dort einziehen. Sie machte der Gemeindeverwaltung Platz. Diese umfasste neben Gemeindeschreiber und -kassier mit je einem Stellvertreter auch vier Kanzlisten und zwei Gemeindepolizisten. Zusammen mit dem Gemeindeammann-, dem Betreibungs-, dem Zivilstands- und dem Friedensrichteramt wurden sie in den neuen Räumlichkeiten untergebracht.

Die Platzprobleme schienen nun gelöst. Doch mit dem Zweiten Weltkrieg änderte sich die Situation wieder. Der Aufgabenbereich der Verwaltung nahm wegen Arbeitsmarkt- und Kriegswirtschaftsmassnahmen zu. Zudem quartierte sich im Gemeindehaus zeitweise auch das Militär ein und legte im Keller ein Munitions- und Handgranatenlager an. Während sich das Problem mit dem explosiven Gut im Verwaltungsgebäude nach dem Krieg von selbst löste, blieb jenes mit den knappen Platzverhältnissen bestehen.

Dietikon erlebte einen Wachstumsschub und zählte 1955 über 10 000 Einwohner. Die Verwaltung musste weiter ausgebaut und als Folge davon dezentralisiert werden. 1957 zog das Betreibungsamt an die Neumattstrasse 11. In den folgenden Jahren wurden weitere Abteilungen ausgegliedert. Dies nachdem der Gemeinderat in der Nähe des Gemeindehauses verschiedene Liegenschaften erworben hatte, unter anderem das Peyerhaus an der Bremgartnerstrasse 24.

Parallel dazu bemühte sich der Gemeinderat, das Problem durch den Bau eines neuen Gemeindehauses zu lösen. Doch er scheiterte immer wieder. So gelang es ihm nicht, Land an der Zentralstrasse zu erwerben, um dort einen neuen Verwaltungsbau zu erstellen. Er konzentrierte sich deshalb darauf, im Gebiet Bremgartner-/Bühlstrasse beim Gemeindehaus geeignete Grundstücke zu kaufen. 1961 bewilligte das Parlament den Kauf von 3200 Quadratmeter Land im Zelgli.

Viele Projekte in den 60er-Jahren

Um ein Rathaus zu bauen, wie man es damals vorhatte, brauchte es aber noch mehr Platz. Weiterer Landerwerb in unmittelbarer Nähe des Gemeindehauses war notwendig. Die Verhandlungen fruchteten jedoch nicht. Deshalb wollte der Gemeinderat nun etappiert vorgehen. Auf dem bereits erworbenen Land südwestlich des Gemeindehauses war ein einfacher sechsgeschossiger Bürotrakt vorgesehen, dem in einer späteren Phase ein repräsentatives Rathaus vorgelagert werden sollte. Das Parlament beharrte allerdings auf einem Projekt, das auch den Bau eines Saales beinhaltete sowie eine Zentralisierung der gesamten Verwaltung möglich mache. Es wies den Vorschlag des Gemeinderates 1966 zurück und beauftragte ihn, eine Gesamtplanung über das ganze Areal im Zelgli durchzuführen.

Das Projekt Rathaus steckte fest. Erst 1978 nahm der Stadtrat die Planung für einen Verwaltungsneubau wieder auf. Er startete Landumlegungsverhandlungen für die Arrondierung des erforderlichen Areals beim Parkplatz hinter der heutigen Stadtbibliothek. 1982 war dieses Verfahren abgeschlossen und der Wettbewerb für den Neubau eines Stadthauses wurde gestartet.

Als Sieger gingen die Architekten Rudolf und Esther Guyer aus Zürich hervor. Deren Projekt konnte am 7. Februar 1988 an die Urne gebracht werden. Anfang 1992 war es dann so weit, das Stadthaus konnte bezogen werden. Diesen Tag erlebte Hans Frei, der das Projekt massgeblich förderte, nicht mehr. Er verstarb 1990. Eingeweiht wurde das neue Stadthaus von seinem Nachfolger, Markus Notter (SP).