Der 1. April ist ein Tag, an dem sich viele einen Scherz erlauben. Für Giuseppe Sonetto alias GiuRap gilt es dann Ernst. Denn der Rapper präsentiert an diesem Tag sein erstes physisches Album im Schlieremer Club Enjoy. Seine bisherigen Veröffentlichungen erschienen nur digital. Das neue Album heisst «Carpe Diem», was übersetzt «geniesse den Tag» bedeutet und gleichzeitig sein Lieblingsspruch ist. «Die Leute sollten das Leben geniessen und nicht zu viel an morgen denken. Denn man weiss nie, was passieren kann», sagt Sonetto.

Der in Dietikon aufgewachsene Sonetto kommt ursprünglich aus dem kalabrischen Dorf San Pietro a Maida. Er hatte schon immer einen starken Bezug zu seiner Heimat, wie er erzählt. Deshalb habe er seine Texte bisher auf Italienisch verfasst. Auf seinem neuen Album finden sich erstmals auch schweizerdeutsche Lieder. «Meine Gefühle kann ich normalerweise besser auf Italienisch ausdrücken. Ich fühle mich aber auch heimisch im Schweizerdeutschen», sagt er.

In «Merksch wie d’Ziit vergaht» wird auch sein Glaube zum Thema. «In dieser Welt gibt es viele religiöse und ethnische Konflikte. Mit diesem Lied möchte ich übermitteln, dass wir schlussendlich doch alle gleich sind», erklärt Sonetto. Er selbst sei ein gläubiger Mensch. Er war Mitglied des Kinderchors «Voci Bianche», mit dem er bei Gottesdiensten, Taufen und Hochzeiten sang. «Mein Glaube ist mein Stützpunkt in schwierigen Phasen», sagt er.

Grosse Auftritte in der Heimat

Sonetto spricht in seinen dreizehn neuen Songs auch politische Themen an. Die Korruption und Mafia würden zu Italien gehören wie Pizza und Pasta. «In der Schweiz haben wir ein gutes politisches System. Das ist nicht überall so. In Italien laufen viele Dinge nicht so rund», sagt er.
Auch das sei ein Grund, weshalb er nicht wieder in sein Heimatdorf zurückkehren würde. Viele Jugendliche seien arbeitslos und er sieht dort keine Zukunft. Trotzdem besucht der Dietiker seine Heimat jedes Jahr. Er trat auch bereits mehrmals in seinem Dorf San Pietro a Maida auf – und das vor einem grossen Publikum. 2014 stand GiuRap als Vorband des italienischen Castingshow-Gewinners Moreno auf der Bühne.

Auch in der Schweiz hat er schon zahlreiche Konzerte gegeben. So ist er bereits im Zürcher Kaufleuten vor über 400 Zuhörern aufgetreten und eröffnete das Konzert von Luca Hänni im Lilienzentrum in Schlieren. Viele Hänni-Fans wollten nach der Aufführung auch von GiuRap ein Autogramm. «Für mich war der Rummel völlig unerwartet», sagt er bescheiden.

Kein protziger Gangster-Rapper

Ein bescheidener Rapper? Klingt eher ungewohnt, schliesslich fallen viele Rapper doch mit Machoallüren und vulgären Ausdrücken auf. Doch Giuseppe Sonettos Musik ist weit entfernt von diesem Klischee. Sein Sprechgesang spannt musikalisch den Bogen zwischen Hip-Hop und Pop und will vor allem eines: gute Laune versprühen. Er selbst benutzt nur selten Fluchwörter in seinen Texten. «Ein ‹richtiger› Rapper kann seine Sprache so anpassen, dass es für das Ohr angenehm klingt», sagt er.

Das Albumcover, Flyer und diverse Internetauftritte gestaltete der 25-Jährige selbst. Denn nebst seiner Musik ist er als Informatiker tätig. Ein Beruf, der ihm Spass macht. «Die Musikkarriere steht für mich nicht im Vordergrund. Man muss immer einen Plan B haben. Ergibt sich aber eine spannende Möglichkeit, würde ich die Chance nutzen», sagt er. Nebst Rap beschäftigt sich Sonetto in seiner Freizeit mit Fussball und Autos. Eine besondere Vorliebe hat er für Oldtimer.

Viel Zeit verbringt er auch im Tonstudio des Labels «Toscanelli Records» in Schlieren. Hier werden die Beats produziert, wobei GiuRap hinter dem Mischpult gerne auch selbst Hand anlegt. Am wohlsten fühlt Sonetto sich aber mit dem Mikrofon in der Hand, wie er verrät. Obwohl er sich gewohnt ist, auf der Bühne zu stehen, ist er vor der Plattentaufe dennoch aufgeregt. «Das gehört dazu», sagt er.

Das Konzert und die CD-Taufe von GiuRap finden am 1. April im Schlieremer Club Enjoy um 20 Uhr statt.