Bis zu 100 Flüchtlinge sollen beim Logistikunternehmen Planzer eine Anstellung finden und auch Ikea will dereinst rund 20 Praktikumsplätze für Flüchtlinge anbieten. Wie CEO Nils Planzer in der der Limmattaler Zeitung sagte, ist das Bedürfnis nach Arbeitskräften in der Logistikbranche gross. So seien hauptsächlich starke Hände gefragt, Deutschkenntnisse teils sekundär. So plant das Dietiker Unternehmen mit schweizweit 4200 Angestellten, Ausbildungsprogramme anzubieten, die auf Asylsuchende zugeschnitten sind.

Andere Grossunternehmen der Region loben Planzers Initiative, doch halten sie sich bedeckt in Bezug darauf, ob dieses Modell auch für sie infrage käme. Luca Federico, Mediensprecher der Pestalozzi Gruppe, sagt auf Anfrage, dass es sich dabei sicherlich um einen interessanten Ansatz handle: «Diesbezüglich haben wir uns aber noch keine Gedanken gemacht und es ist auch nichts in Planung.» Auch der Süssigkeitenhersteller Hunziker AG plant nichts dergleichen. Wie CEO Felix Obrist sagt, würden Personalengpässe mit Arbeitskräften eines Vermittlungsbüros behoben. «Es ist also gut möglich, dass wir ab und an auch temporäre Mitarbeiter im Flüchtlingsstatus beschäftigen. Da der administrative Aufwand dafür jedoch noch eher gross scheint, sind wir froh, dass dieser momentan auf das Arbeitsvermittlungsbüro entfällt», so Obrist.

Hürden sind überwindbar

Derzeit befindet sich Planzer in Verhandlungen mir den zuständigen Ämtern des Bundes. «Dies sollte aber keine allzu grosse Herausforderung sein», sagt Thomas Kunz, Direktor der Asyl-Organisation Zürich (AOZ). In der Schweiz sei man sich darüber einig, dass anerkannte Flüchtlinge sowie vorläufig Aufgenommene arbeiten sollen. Bei diesen Flüchtlingen komme aber ein administrativer Mehraufwand auf den Arbeitgeber zu. Nebst einer Arbeitsbewilligung muss der Arbeitgeber für Angestellte mit dem Status «vorläufig aufgenommen» eine Sonderabgabe entrichten, die er vom Lohn abzuziehen hat. Der administrative Mehraufwand habe indes oft abschreckende Wirkung auf kleinere und mittelgrosse Unternehmen. «Daher ist es notwendig, dass der Gesetzgeber es vereinfacht, Flüchtlinge anzustellen», so Kunz.

Für die AOZ sei die Initiative Planzers ein durchaus positives Signal. «Es ist das Gebot der Stunde, dass Flüchtlinge in den Arbeitsmarkt integriert werden», sagt er. So sei das bessere Ausschöpfen des inländischen Arbeitskräftepotenzials nach Annahme der Masseneinwanderungsinitiative verlangt worden: «Und die Flüchtlinge gehören zu diesem Potenzial.»

Es darf Wettbewerbsvorteil werden

Anders sieht dies Josef Wiederkehr. Der Präsident des Industrie- und Handelsvereins (IHV) Dietikon kommentiert die angekündigte Massnahme Planzers nicht in seiner Funktion als Präsident, da die Bedürfnisse der IHV-Mitglieder bezüglich des Arbeitsmarktes zu unterschiedlich seien. Doch als Unternehmer und CVP-Kantonsrat sieht er anderswo mehr Potenzial für Arbeitnehmer: «Der Bezirk Dietikon hat eine der höchsten Arbeitslosenquoten im Kanton Zürich. Primär sollten diese stellensuchenden Arbeitskräfte in den Arbeitsmarkt integriert werden», sagt er. Letztlich müsse diese Frage aber in der Politik auf Bundesebene entschieden werden. Doch für ihn stehe fest: «Inländer sollen Vorrang haben.» 

Keine Konkurrenz für Berufsleute

Merklich wohlgesinnter ist der Urdorfer Gewerbeverein. Dessen Präsident, Stefan Schmid, lobt die Idee. Er merkt jedoch an, dass solche Projekte in der Regel Grossunternehmen vorbehalten sind. «Die Situation ist vergleichbar mit der Anzahl Lehrlinge, die ein Betrieb bewältigen kann», so Schmid. Auch gelte es darauf zu achten, dass der Wettbewerb nicht verzerrt werde. «Zahlt Planzer einen zu tiefen Lohn, dann wäre dies womöglich zum Nachteil anderer in Konkurrenz stehender Unternehmen. Dass diese für ihre einheimischen Arbeitnehmer mehr bezahlen müssen und die Flüchtlinge so zu Billigarbeitskräften würden, wäre inakzeptabel.»

Die Direktbetroffenen vom Beispiel Planzer, die angehenden Logistiker und Logistikerinnen, machen sich offenbar keine Sorgen um ihre Zukunft: Am Berufsbildungszentrum Dietikon (BZD) werden derzeit rund 350 angehende Logistikfachleute ausgebildet. Der Abteilungsleiter Weiterbildung Jörg Marquardt glaubt nicht, dass die Flüchtlinge die Absolventen des BZD konkurrenzieren. Stattdessen findet er lobende Worte für Planzers Initiative: Sie zeuge von gesundem Menschenverstand. «Die Befürchtungen sind zwar verständlich, doch wenn die Asylsuchenden zu den branchenüblichen Löhnen angestellt und nicht als Billigarbeitskräfte verheizt werden, dann kann dies eine gute Ergänzung sein», sagt er.