Dietikon steckt im Dilemma. Das Schweizer Transportunternehmen Planzer träumt von einem neuen Hauptsitz im Entwicklungsgebiet Niderfeld. Der Stadtrat hingegen träumt von einem neuen hochwertigen Stadtquartier. Schnell wird deutlich: Beide Träume können nicht in Erfüllung gehen. Weil aber das Familienunternehmen Planzer nicht nur eines der grössten Transportunternehmen der Schweiz, sondern auch einer der besten Steuerzahler Dietikons ist, will der Stadtrat keine Position beziehen. Er zögert. Denn Dietikon braucht Geld und damit jeden Steuerzahler. Stadtpräsident Otto Müller sagte diese Woche gegenüber der Limmattaler Zeitung: «Widerstand ist zum heutigen Zeitpunkt und mit dem bekannten Wissen nicht angebracht.»

Zweifel sind an der Aussage angebracht. Planzer-Chef Nils Planzer sagte in der gleichen Ausgabe, dass es für ihn zum Niderfeld keine Alternative mehr gebe. Das zeigt: Es ist höchste Zeit, sich eine konkretere Meinung zu bilden. Das fordert im übrigen auch der Dietiker AL-Gemeinderat Ernst Joss in einem entsprechenden Postulat.

Im Niderfeld fährt der Stadtrat seit Jahren einen Zickzack-Kurs. Für den Zuzug des Ikea-Hauptsitzes aus Spreitenbach setzte er sich vehement (aber vergeblich) ein – um einen guten Steuerzahler zu gewinnen. Das von der Genossenschaft Migros Zürich vorangetriebene Einrichtungs- und Fachmarktcenter blockiert der Stadtrat später mit der Begründung, man wolle im Niderfeld keine verkehrsintensiven Betriebe, sondern Wohnungen und qualitativ hochstehende Arbeitsplätze. Bei Planzer will der Stadtrat offenbar wieder einen anderen Massstab anwenden, gerät aus dem Konzept.

Dabei gibt es gute Gründe für einen Niderfeld-Standort von Planzer. Die Firma will sich nämlich nahe dem Rangierbahnhof auf 100000 Quadratmetern Land einrichten, und zwar gleich neben dem geplanten Containerterminal Gateway Limmattal. Nils Planzer verspricht, mehr Transporte auf die Schiene zu verlegen. Das ist für das verkehrsbelastete Limmattal umso sinnvoller. Doch Planzer ist zur Verwirklichung dieser Idee von den Plänen der SBB bei Rangierbahnhof und Gateway Limmattal abhängig.

den Stadtrat führt dies alles direkt ins nächste Dilemma. Den Gateway lehnt er kategorisch ab, weil er Mehrverkehr verursachen wird und das geplante Stadtquartier Niderfeld abwertet. Beim Rangierbahnhof Limmattal stört der nächtliche Lärm – auch dagegen wehrt sich der Stadtrat bei den SBB. Ein Ja zu Planzer führt ihn also zwangsläufig in Konflikt mit seinen bisherigen Bestrebungen.

Eine konkrete Meinung darf vom Stadtrat angesichts der fortgeschrittenen Planung bei Planzer erwartet werden. Dass er zögert, lässt sich nicht nur mit seinen divergierenden Interessen erklären. Es ist auch politisch heikel für einen bürgerlich dominierten Stadtrat, sich gegen den mächtigen Industrie- und Handelsverein zu stellen, der hinter Planzer steht. Schliesslich sind 2014 Erneuerungswahlen. Und der Planzer-Umzug hat das Potenzial, den Wahlausgang zu beeinflussen, vereint er doch die Schlagerthemen Verkehrs-, Umwelt-, Steuer-, Stadtentwicklungs- und Wirtschaftspolitik zu einem Megathema.

Der Blick auf die Wähler lässt auch die Parteien vorsichtig werden. Nur die Fraktionen von SP (gegen Planzer) und SVP (für Planzer) mochten sich positionieren. Alle andern warten zu oder knüpfen einen Entscheid an Bedingungen.