Der 80 Meter hohe Limmattower ragt bereits seit Monaten über die Dächer Dietikons hinaus und wird vor seiner Fertigstellung im Dezember zum Wahrzeichen des neuen Stadtteils Limmatfeld. Wie Recherchen der Limmattaler Zeitung zeigen, ist den Planern beim Bau des Hochhauses jedoch ein grober Lapsus passiert.

Vor wenigen Tagen stellte sich heraus, dass sie es versäumt haben, in den oberen zehn Geschossen des Gebäudes einen Liftschacht einzuplanen. Die Bauherrin Halter AG bestätigt diesen Planungsfehler, hat aber bereits eine Lösung parat, die den neuen Bewohnern einen Mehrwert bringen soll.

Erst vor wenigen Wochen fiel den Verantwortlichen das Fehlen des durchgehenden Liftschachtes auf. Eine Quelle, die nicht namentlich genannt werden will, sagt gegenüber der Limmattaler Zeitung, dass die Einzelteile der Liftanlage bereits Ende Februar dieses Jahres vorort gelagert waren und zur Installation bereit standen.

«Nach der Installation des Liftes waren jedoch noch immer viele Lift-Elemente übrig. Diese versperrten den Platz für andere Arbeiten am Innenausbau des Gebäudes», sagt er. Als er einen der verantwortlichen Bauleiter darauf angesprochen habe, erklärte dieser, dass die Teile bald wieder abtransportiert würden, da der Lift nur bis in die 13. Etage eingebaut werde. «Alle Arbeiter benutzen einen Aussenlift, daher ist das Fehlen eines durchgehenden Liftschachts nicht aufgefallen. Aber die Planer hätte etwas Derartiges sofort bemerken müssen», sagt der Arbeiter.

Die Bauherrin Halter AG wurde vom Generalunternehmer Priora über Planungsfehler in Kenntnis gesetzt. Nik Grubenmann, Projektleiter Kommunikation bei Halter, nimmt die Planer des Limmattowers in Schutz: «Den besten Baufachleuten können solche Fehler passieren», sagt er. Er verweist auf einen ähnlichen Fall, der im Jahr 2013 im spanischen Benidorm aufgedeckt wurde.

Damals fiel den Planern kurz vor Fertigstellung eines 180-Meter-Hochhauses mit 47 Geschossen auf, dass in den oberen 27 Etagen der Liftschacht fehlte. Der Grund: Ursprünglich wurde das Wohnhochhaus mit 20 Geschossen geplant. Weil aber die Nachfrage derart gross war, wurde der Bau um 27 Etagen erweitert, ohne dabei den notwendigen Platz für den Aufzug einzuberechnen.

Welche Gründe genau zum Planungsfehler beim Limmattower geführt haben, hat Halter noch nicht eruieren können. Abklärungen seien derzeit im Gang. Eines steht jedoch fest: Die Käufer der Eigentumswohnungen in den Stockwerken 14 bis 24 werden nach ihrem Einzug im Dezember vorerst bis zum 13. Geschoss per Lift und danach via Treppe zu ihren Wohnungen gelangen.

Als Entschädigung wird Halter Umzugsfirmen engagieren, die den Bewohnern helfen werden, den Bezug ihres neuen Zuhauses via Treppe so angenehm wie möglich zu gestalten, so Grubenmann. Bis auf fünf Wohnungen sind bereits alle reserviert oder verkauft.

Aus der Not wird eine Tugend

Halter hat bereits eine Lösung parat. «Aus der Not machten wir eine Tugend und werden den Käufern der Wohnungen in den oberen zehn Geschossen einen Mehrwert bieten», sagt Grubenmann. In den kommenden Wochen werde man mit dem Bau eines Lifts an der Fassade des 80-Meter-Towers beginnen. Dieser werde dort, wo heute der Aussenlift für Bauarbeiter platziert ist, erstellt.

«Da der neue Lift aus Glas sein wird, stellt dies klar einen Mehrwert für die Bewohner dar», so Grubenmann. Der Bau des Glaslifts wird jedoch einige Zeit in Anspruch nehmen. Obwohl die Wohnung bereits im Dezember den Käufern übergeben werden, wird der Aussenlift erst Ende Februar 2016 fertiggestellt sein.