Weiningen
Planung des Alterswohnungs-Projekts soll 180'000 Franken kosten – das sorgt für Kritik

Für die Rechnungsprüfungskommission von Weiningen ist der Projektierungskredit der Kirchenpflege unnötig. Es brauche keine 180'000 Franken, um herauszufinden, ob die Alterswohnungen auf dem Pfarrhaus-Areal in Unterengstringen aus eigenen Mitteln oder im Baurecht umgesetzt werden.

Sibylle Egloff
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Das Pfarrhaus in Unterengstringen soll einer Überbauung weichen.

Das Pfarrhaus in Unterengstringen soll einer Überbauung weichen.

Sibylle Egloff

Auf dem Pfarrhaus-Areal in Unterengstringen sollen künftig Seniorinnen und Senioren in rund 30 Alterswohnungen leben. Das sieht zumindest die Reformierte Kirchenpflege Weiningen so. Sie will das etwas mehr als hundert Jahre alte Pfarrhaus abbrechen und auf dem knapp 3000 Quadratmeter grossen Grundstück an der Bergstrasse für 12,5 Millionen Franken eine Überbauung mit zwei Gebäuden realisieren.

Dazu beabsichtigt die Kirchenpflege, mit der BH Group aus Horgen zusammenzuarbeiten. Diese bietet ein freiheitliches Alterskonzept namens Belano an, auf das unter anderem die Gemeinde Berikon seit April 2017 setzt. An einer Informationsveranstaltung im April wurde das Konzept den Mitgliedern der Kirchgemeinde vorgestellt.

Bevor jedoch zur Tat geschritten werden kann, muss das Vorhaben noch genauer ausgearbeitet werden. Dazu benötigt die Kirchenpflege einen Kredit von 180'000 Franken. Mit dieser Projektierung können laut der Behörde sämtliche Grundlagen geschaffen werden – auch, um zu entscheiden, ob das Projekt aus eigenen Mitteln oder im Baurecht umgesetzt wird. Die Reformierten aus Weiningen, Unterengstringen, Oetwil und Geroldswil werden an der ausserordentlichen Kirchgemeindeversammlung am 29. August über das Geschäft befinden.

Projektierung unnötig

Während die Kirchenpflege das Projekt als grosse Chance sieht, herrscht bei der Rechnungsprüfungskommission (RPK) Skepsis. Aus diesem Grund lehnt sie den Projektierungskredit ab. «Für den Entscheid, ob man das Projekt mit eigenem Geld baut oder im Baurecht abgeben wird, braucht es keinen Projektierungskredit», findet RPK-Präsident Kurt Glanzmann. Er ist sicher: «Diese Berechnung kann man machen, ohne 180'000 Franken auszugeben. Die Abklärungen zur Finanzierung von zwei Banken liegen vor.» An der Kirchgemeindeversammlung vom 6. Juni waren diese Analysen noch nicht vorhanden, weshalb die Abstimmung über den Projektierungskredit auf Ende August verschoben wurde.

Die RPK stelle sich grundsätzlich nicht gegen das Vorhaben der Kirchenpflege, sagt Glanzmann. «Wir begrüssen, dass das Land nicht verkauft wird und man Alterswohnungen erstellen will. Das ist eine gute Sache.» Doch, wenn die Kirchgemeinde selber investiere, berge das ein zu hohes finanzielles Risiko. «Die Berechnungen der Banken zeigen ganz klar, dass die Rendite eines solchen Objekts gering ist.» Ein Kredit von bis zu 12,5 Millionen Franken sei für eine so kleine Kirchgemeinde viel zu hoch, sagt Glanzmann. Nach Amortisation und Verzinsung bliebe nicht mehr viel übrig. Auch in Anbetracht dessen, dass die Kirchgemeinde seit dem Verkauf des Wohnblocks in Geroldswil Ende 2012 finanziell gut dastehe – sie verfügt über ein Nettovermögen von 100 Franken pro Mitglied –, sei es schade, wenn sie sich wieder verschulde.

Nicht Zweck der Kirche

Ein weiteres Argument, das laut Glanzmann gegen die Eigenfinanzierung spricht: «Zweck der Kirchgemeinde ist, das christliche Leben zu wecken und zu fördern. Der Bau von Wohnungen gehört nicht dazu.» Zudem dürfe man gescheiter werden. «Die Erfahrungen mit der selbstständigen Vermietung des Wohnblocks an der Poststrasse 7 in Geroldswil waren negativ.»

Für den RPK-Präsidenten gibt es nur eine gute Lösung: das Baurecht an einen Investor, etwa die BH Group, abgeben. «Damit bleibt man im Besitz des Grundstücks und kann risikoärmer kontinuierlich Einnahmen generieren.» Für das Pfarrhaus-Areal würde die Kirchgemeinde jährlich 120'000 bis 150'000 Franken erhalten.

Die Kirchgemeindeversammlung findet am Mittwoch, 29. August, um 19.30 Uhr in der Kirche Weiningen statt.