Von Donald Brun warb damals für die «Semaines Internationales de Musique Lucerne» im Jahre 1956 und hing in Dietikon an einer Scheune. Der farbenfrohe Hals einer Violine auf schwarzem Hintergrund hatte es Trutmann sofort angetan. «Dieses Plakat muss ich haben», sagte der Dietiker sich und begann mit viel Mühe, das Kunstwerk von den Reissnägeln zu befreien.

Heute ist dieses Plakat eines von 3800 Exemplaren in Trutmanns Sammlung. Einige Dutzend hat Trutmann am Montagabend in den Dietiker «Room One» mitgenommen und sie vor Publikum präsentiert. In der Sammlung des passionierten Plakatfans finden sich auch ein paar wenige Limmattaler Plakate. So beispielsweise eines von Walter Benz, das für eine Gewerbeausstellung in Dietikon warb oder ein anderes des Dietiker Plakatkünstler Jörg Hamburger, der letzte Woche den Dietiker Kulturpreis 2014 gewonnen hat.

Nicht nur Altes

Trutmann begeistert sich aber nicht nur für alte Plakate, sondern ist bis heute immer wieder auf der Suche nach aktueller Plakatkunst. So gerät er ins Schwärmen, als er zahlreiche Plakate von Claude Kuhn zeigt. Der Schweizer Künstler entwirft Plakate für das Naturhistorische Museum Bern und den Tierpark Dählhölzli. «Für mich ist Kuhn heute führend in der Plakatszene», sagt Trutmann.

Ein erstaunlicher Fakt

Sowieso sei die Schweiz von 1920 bis 1960 die führende Nation in der Plakatgestaltung gewesen. «Bis heute bleibt uns eine Spitzenposition erhalten, die wir mit England und Frankreich teilen», so Trutmann. Was viele der Zuhörer erstaunt, ist der Fakt, dass das Museum für Gestaltung in Zürich die grösste Plakatsammlung der Welt beherbergt. 350 000 Stück werden dort gelagert, wie Trutmann sagt: «Leider gibt es nie eine Ausstellung dieser Plakate. Ich hoffe, das wird sich bald ändern.»

Trutmann erzählt den Zuhörern aber nicht nur über seine eigene Plakatsammlung, sondern verrät auch, wo man heute noch Plakate erwerben kann. Er empfiehlt das Opernhaus und das Museum für Gestaltung in Zürich. Die Läden, die Plakate verkaufen, seien leider allesamt eingegangen. Lediglich in Genf gebe es noch einen. Trutmann selbst hat viele seiner Plakate bei den Künstlern selbst bezogen oder an Auktionen ergattert. Die Preise variieren dabei stark. «Ich kaufe vor allem Plakate, von denen ich überzeugt bin, dass sich ihr Wert steigern wird», so Trutmann. In seiner Sammlung befinden sich Plakate im Wert von 30 000 bis mehre tausend Franken.

Das grosse Dilemma

Seinen Zuhörern legt Trutmann wärmstens ans Herz, sich auf eine Sparte der Plakatkunst zu beschränken. «Das ist nämlich mein Dilemma. Ich sammle einfach alles bis auf Werbeplakate für Produkte», sagt er. Es gab auch kaum eine Reise, von der Truttmann keine Plakate mit nach Hause brachte. So besitze er beispielsweise solche aus England, Amerika oder Japan, sagt er.

Auch wenn aus den meisten Zuhörern im «Room One» wahrscheinlich keine passionierten Plakatsammler werden, so sind sie nach Trutmanns Präsentation um einige Informationen und Impressionen doch reicher wieder nach Hause gegangen.