Über fünf Jahre hat die Zürcher Planungsgruppe Limmattal (ZPL) an einer Überarbeitung des regionalen Richtplans gefeilt: Sechs Entwürfe gab es davon, in die verschiedenste Anliegen von Kanton, Gemeinden und Bevölkerung einflossen. Am Mittwochabend nun haben die Delegierten der ZPL der neusten Fassung ihren Segen gegeben: Sie haben den revidierten Richtplan, das strategische Führungsinstrument der Region, zuhanden des Regierungsrats verabschiedet. Ihm obliegt die Kompetenz, den Richtplan definitiv festzusetzen.

Die finale Fassung des über 100 Seiten und drei Karten umfassenden Plans dürfte damit aber noch nicht vorliegen. Denn Restdifferenzen mit dem Kanton verbleiben, wie ZPL-Präsident Otto Müller sagte. Sie betreffen vor allem das Radwegnetz, das auf dem im Juni verabschiedeten kantonalen Velonetzplan basiert. So besteht die ZPL darauf, für eine mögliche Velo-schnellroute im Limmattal eine zusätzliche Variante im Abschnitt des Arbeitsplatzgebiets Giessen festzulegen und die Durchquerung des Golfplatzes Unterengstringen aus dem Richtplan zu streichen. Bei letzterem Antrag, den die Delegierten einstimmig genehmigten, sollte die ZPL keinen Widerstand erfahren: Volkswirtschaftsdirektorin Carmen Walker Späh habe in einem Briefwechsel bereits zugesichert, dass die Veloroute auch um den Golfplatz herum geführt werden könne.

Route 66 soll bleiben, wo sie ist

Mit der Aufnahme der Schnellroute in den Richtplan wird gleichzeitig zum Ausdruck gebracht, dass diese als kantonales Pilotprojekt geeignet ist. Ihre Umsetzung werde zurzeit intern diskutiert, wie Richard Sägesser, stellvertretender Chef des Amts für Verkehr, auf Anfrage mitteilt. Sie wurde als Massnahme im Agglomerationsprogramm der 3. Generation aufgenommen. Der Abschnitt Zürich-Schlieren soll demnach zwischen 2019 und 2022 umgesetzt werden, Schlieren-Dietikon könnte 2023 bis 2026 und Dietikon-Killwangen ab 2026 an der Reihe sein. «Diese Angaben hängen jedoch stark ab vom weiteren Planungsverlauf, der sich gerade bei einem solchen Pilotprojekt nur schwer vorhersagen lässt», so Sägesser.

Anders als der Kanton sehen die ZPL und deren Delegierten zudem die Zukunft der Radroute 66: Der Kanton will diese auf die rechte Limmatseite verlegen, die Planungsgruppe will sie auf der linken Seite belassen. Auch auf einen Richtplan-Eintrag eines Radwegs in die Dietiker Silbern beharren die Limmattaler Planer: «Ein solch wichtiges Arbeitsplatzgebiet gehört richtig erschlossen», so Müller. Und zuletzt wird die ZPL auch bezüglich eines Schulradwegs zwischen Unterengstringen und Weinigen noch einmal Gespräche mit dem Kanton führen müssen. Nach der Klärung dieser Restdifferenzen müssen die Regionalplaner allerdings nicht noch einmal auf die Delegierten zukommen: Diese haben der ZPL am Mittwoch auch die Kompetenz erteilt, die letzte Verhandlungsrunde selbstständig zu bestreiten.

Dass die ZPL gerade bei den Velowegen auf ihre Sicht der Dinge besteht, kommt nicht von ungefähr: Der Veloverkehr ist im revidierten Richtplan von grosser Bedeutung. Mit dem erwarteten Bevölkerungswachstum auf rund 100 000 Einwohner bis 2030 kann ein Verkehrskollaps nur durch einen starken Ausbau der öffentlichen und des Langsamverkehrs abgewendet werden. Der Anteil des motorisierten Individualverkehrs soll von heute 65 auf 55 Prozent sinken, der des öVs und Langsamverkehrs von heute 35 auf 45 Prozent ansteigen. Zentral ist dafür die Limmattalbahn, doch auch der Veloverkehr soll für kurze und mittlere Distanzen als Fortbewegungsmittel gefördert werden. «Das heisst aber nicht etwa, dass es weniger motorisierten Individualverkehr auf den Strassen geben wird», mahnte ZPL-Fachplaner Heinz Schröder – im Gegenteil.

Platz für Fahrende soll raus

Für Diskussionen sorgte zuletzt das Thema Durchgangs- und Standplätze für Fahrende: Die Region ist verpflichtet, je einen dieser Plätze zur Verfügung zu stellen. Die Tage der heutigen Standorte in Schlieren und Dietikon sind jedoch gezählt: Der Schlieremer Durchgangsplatz auf dem Chilbiplatz muss der künftigen Wendeschlaufe des 2er-Trams weichen, der Standplatz in der Dietiker Stierenmatt dem Schulhaus Limmatfeld, das die Stadt – vorbehältlich der ausstehenden Moorschutzverordnung – dort plant. Dennoch sind diese bisherigen Plätze auch im neuen Richtplan festgehalten. «Wir konnten schlicht noch keine Alternative finden – wir haben alle Gemeinden angefragt», so Müller. Schlierens Bauvorstand Markus Bärtschiger erachtete es dennoch nicht als sinnvoll, Plätze festzuhalten, von denen klar sei, dass sie nicht mehr benutzt werden könnten. Er beantragte deshalb, den Chilbiplatz aus dem Richtplan zu streichen. Die Delegierten folgten ihm mit zehn zu acht Stimmen – auch wenn Müller zu bedenken gab, dass der Kanton diesem Wunsch kaum nachkommen wird.