Niklausschwinget
Pirmin Reichmuth gewinnt die letzte Schwinget des Jahres — das mögen ihm alle gönnen

Der letzte Wettkampf für Schwinger für dieses Jahr ist vorbei. Gewonnen hat Pirmin Reichmuth, der zuvor lange verletzt gewesen war. Siebeneinhalb Minuten lang rang er im Schlussgang um den Sieg.

Michel Sutter
Merken
Drucken
Teilen
Niklausschwinget Dietikon Stadthalle
4 Bilder
Am Ende liess sich Pirmin Reichmuth feiern.
Sandro Bader konnte sich von Max Sonderegger zum Sieg gratulieren lassen.
Pirmin Reichmuth (rechts) und Nick Alpiger zeigten im Schlussgang spektakuläres Schwingen.

Niklausschwinget Dietikon Stadthalle

Michel Sutter

Plötzlich kehrte eine beinahe andächtige Stimmung in der Stadthalle Dietikon ein. Das Licht wurde gedimmt, die Gespräche auf der Tribüne verstummten. Der Höhepunkt des 81. Niklausschwinget stand bevor – der Schlussgang.

Auf Platz 2, in der Mitte der Halle, betraten Pirmin Reichmuth und Nick Alpiger das Sägemehl, wobei Alpiger gegenüber seinem Kontrahenten einen Viertelpunkt Vorsprung mitbrachte. Ein Gestellter hätte ihm damit zum Gesamtsieg gereicht.

Reichmuth musste also gewinnen. Und das merkte man dem Chamer an. Er setzte Alpiger von Beginn weg unter Druck, wobei der Staufener seinerseits konterte. Siebeneinhalb Minuten lang schien das Duell zwischen den beiden Eidgenossen auf die eine oder andere Seite kippen zu können, bis Reichmuth dann mit einem Übersprung den Schlussgang entschied. Damit gewann er den Niklausschwinget zum ersten Mal in seiner Karriere. Und das, nachdem er zuvor lange verletzt gewesen war. «Ich hatte schon gehofft, dass es gleich so einschlägt, aber erwartet hatte ich es nicht», sagte er.

Verletzungspech hatte um sich gegriffen

Und so konnte sich einer zum Sieger krönen, dem wohl die meisten in der Stadthalle an diesem Samstagabend den Sieg gönnten – auch Thomas Kammermann aus Ebikon. «Er hat sich das mehr als verdient», sagte der 31-Jährige vom Schwingklub Glatt- und Limmattal, der den Niklausschwinget jeweils organisiert. «Gerade eben, weil er aus einer Verletzung ins Sägemehl zurückgekehrt ist. Und Verletzungen können schwierig sein.»

Das wissen Kammermann und seine Teamkollegen vom Schwingklub Glatt- und Limmattal nur allzu gut. Denn sie waren an der diesjährigen Austragung ebenfalls vom Verletzungspech betroffen. Daniel Wettstein und Luca Pallaoro hatten zuvor schon absagen müssen.

Damit wären vier Schwinger übrig geblieben. Doch dann mussten auch noch Philip Dittli aus Geroldswil und Stefan Zemp aus Hüttikon passen. Somit konnte der organisierende Schwingklub dieses Jahr von insgesamt 86 teilnehmenden Schwingern nur zwei stellen: Kammermann und sein Schützling Sandro Bader, wobei die Teilnahme des 16-Jährigen ungewiss war, da auch er eben erst von einer Verletzung zurückgekehrt war. «Ich trainiere seit November wieder», sagte der Birmensdorfer, der zum ersten Mal am Niklausschwinget teilnehmen konnte.

Besondere Atmosphäre in der Halle

Angesichts dieser Umstände eine beachtliche Leistung von Bader, von der auch Kammermann angetan war. «Als Technischer Leiter freut es mich sehr, dass er so überzeugend gekämpft hat», sagte er. «Und ich habe die meisten Gänge von ihm mitverfolgt.» Hat er seinem Schützling zuvor auch noch Tipps gegeben? «Das brauchte er nicht, er weiss selber, was er draufhat», so Kammermann. «Und er ist immer sehr fokussiert geblieben.»

Für Bader, der morgens zusammen mit Kammermann noch dabei geholfen hatte, das Sägemehl aufzufüllen, war die Premiere in der Stadthalle ein Genuss. «Es herrscht eine ganz andere Atmosphäre als an der freien Luft», sagte er. «Für mich war das sehr speziell, natürlich auch, weil ich aus Birmensdorf einige Fans mitgebracht hatte.» Und wie war es mit der Nervosität? «Ich bin überhaupt nicht nervös gewesen», beteuerte Bader. «Ich hatte ja auch keinen Druck, ich konnte einfach drauflosschwingen.»

Da hatte Kammermann mit seiner ganzen Erfahrung doch etwas mehr Druck. Dem hielt der 31-Jährige jedoch stand. Er konnte insgesamt drei Siege feiern, nur gegen die favorisierten Johann Scherrer und Lukas Döbeli musste er den Kürzeren ziehen. «Ich denke, wir können mit dem heutigen Tag sehr zufrieden sein», sagte er.

Attraktionen für die Kleinen

Zufrieden ist Kammermann auch mit den zusätzlichen Attraktionen am Niklausschwinget, die mit dem neuen OK-Präsidenten Ralph Hofer eingeführt worden sind. So hatte man unter anderem eine Schwingerbar aufgebaut. Nach dem Schlussgang sorgte der Einmarsch von insgesamt 50 Trychlern für Stimmung.

Besonders für Kinder haben sich die Verantwortlichen einiges einfallen lassen: So konnten sich die Jüngsten schminken lassen, auf einem Karussell fahren oder Ponys reiten. Zudem wurde vor der Stadthalle ein kleiner Streichelzoo eingerichtet. Angebote, die von den Kleinen rege genutzt wurden. «Mir gefällt es sehr, dass die Kinder vermehrt angesprochen werden», so Kammermann. «Der Nachwuchs ist immer ein grosses Thema.»

Damit ist der letzte Wettkampf des Jahres für die Schwinger vorbei. Doch ausruhen können sie sich noch nicht. Heute Montag geht es für Kammermann und Bader mit dem Kantonaltraining weiter. «Das sind Zusammenzüge, die uns viel bringen», sagte Kammermann. «Da können wir uns mit Schwingern aus anderen Klubs messen.»