Limmattal
Pilz-Kontrollstellen öffnen: «Niemand sollte das Risiko eingehen»

Gabriele Heigl
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Start in die Pilzsaison: Die Kontrollstellen öffnen in diesen Tagen
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Bei diesem Pilz ist Schluss mit lustig: Der hochgiftige Grüne Knollenblätterpilz findet sich auch in unserer Region. zvg
«Steht hier eine Eiche?» Beim Bestimmen lohnt sich der Blick in die Baumkronen, denn manche Pilze wachsen nur im Umkreis bestimmter Bäume.
Dieses Exemplar will Wolf seinen Kollegen vom Dietiker Pilzverein vorlegen, da ihm die Identifizierung nicht gelungen ist.

Start in die Pilzsaison: Die Kontrollstellen öffnen in diesen Tagen

Gabriele Heigl

Weit gehen müssen wir nicht. Nur wenige Schritte von der Haltestelle Stoffelbach biegen wir ab und sind nach kurzer Zeit von Baumriesen umgeben: Waldspaziergang mit Andreas Wolf, Umweltnaturwissenschafter und Dietiker Alt-Kantonsrat der Grünen.

An diesem Vormittag ist seine Expertise in Sachen Pilze gefragt: Wolf ist Präsident des Pilzvereins Dietikon.

Er hat schon viele Pilze bestimmt, gesammelt und gegessen. So schwärmt er besonders für den Semmelstoppelpilz, die Krause Glucke und den Fichtensteinpilz.

Dennoch käme ihm eines nie in den Sinn: die gesammelten Schätze ohne die Zustimmung eines Pilzkontrolleurs zu verzehren. «Dieses Risiko sollte niemand eingehen, auch wenn er sich noch so sicher ist, einen Speisepilz im Korb zu haben», so Wolf.

Während wir gebückt durch das Unterholz stapfen, den Blick immer auf dem Boden, erzählt er aus der faszinierenden Welt der Pilze, etwa, dass sie ein eigenes Reich bilden. «Es gibt das Reich der Tiere, das Reich der Pflanzen und das Reich der Pilze.» Die oberirdischen Fruchtkörper, die bei den Sammlern so begehrt sind, machen nur einen Bruchteil des eigentlichen Pilzes, der sich im Waldboden befindet, aus.

Ihre Erscheinungsformen sind vielfältig. In der Schweiz wurden über 8000 Pilzarten gefunden. Schätzungen gehen davon aus, dass insgesamt 10 000 bis 14 000 Arten vorkommen – fünfmal mehr als bei den Farn- und Blütenpflanzen. Auf dem Gebiet des Kantons Zürich sind bisher rund 2500 Arten nachgewiesen worden. Röhren- und Lamellenpilze, Boviste und Leistenpilze – welcher Laie könnte sich da hindurchfinden?

Ich will wissen, was von der angeblich «goldenen» Regel zu halten ist, dass man bei Röhrenpilzen immer auf der sicheren Seite sei. Andreas Wolf hält nicht viel davon. Zum einen, weil es auch in dieser Gruppe giftige, wenn auch keine lebensbedrohlichen, gibt. Zum anderen findet er es schade, auf die anderen Arten ganz zu verzichten. Er freue sich, wenn er einen Mehlräsling (Blätterpilz) oder einen Birnenstäubling (Bovist) finde. «Besonders gut schmecken mir Pilz-Mischgerichte.»

Gar nicht glücklich ist Wolf mit einer Entscheidung des Dietiker Stadtrats. Dieser hat im März beschlossen, nun nicht mehr nur für Auswärtige eine Kontroll-Gebühr (zehn Fanken) zu erheben. Ab diesem Jahr müssen auch Dietiker und die Bewohner der Gemeinden, welche der Kontrollstelle angeschlossenen sind, zum Portemonnaie greifen: Fünf Franken kostet jede Kontrolle. «Wer jede Woche sammelt, für den geht das ganz schön ins Geld. Ich sehe die Gefahr, dass manche sich die Gebühr sparen wollen und sich dadurch gefährden», so Wolf.

Über 400 Kilogramm jedes Jahr

2015 wurden bei Tox Info Suisse, der offiziellen Informationsstelle der Schweiz für alle Fragen rund um Vergiftungen, insgesamt 605 Anfragen zu Pilzen beantwortet.

Im Jahr vorher waren es, wohl bedingt durch eine pilzfreundlichere Witterung, etwa 100 mehr.

Betroffen waren schweizweit 2015 insgesamt 235 Erwachsene, 154 Kinder und 12 Tiere. Die restlichen 71 Anrufe betrafen allgemeine Fragen zu Pilzen, wie Geniessbarkeit und Lagerung. Auf der Internetseite von Tox Info heisst es: «Damit reiht sich das Pilzjahr 2015 als eines mit eher wenigen Pilzvergiftungen ein, auch wenn es in der Vergangenheit Jahre mit noch geringeren Zahlen gegeben hat.»

Je nach Pilzjahr haben auch Verena und Guglielmo Martinelli von der Kontrollstelle in Dietikon mal mehr mal weniger Anfragen, aber die Schwankungsbreite ist nicht hoch. «Etwa 200 Kontrollen machen wir pro Saison und prüfen dabei 400 bis 500 Kilogramm Pilze», so Verena Martinelli.

Der Waldspaziergang führt uns in einem weiten Bogen wieder Richtung Parkplatz. Die Ausbeute war bis dahin gering. Andreas Wolf hat zwar erste kleine Ansätze von nicht identifizierbaren Fruchtkörpern und auch Baumpilze gefunden. Aber erst als wir schon fast wieder zum Ausgangspunkt zurückgekehrt sind, entdeckten wir einen Pilz nach dem anderen. Bei jedem versucht sich Andreas Wolf mithilfe eines mitgeführten Lexikons an der Bestimmung. Dabei geht es ihm nicht nur um essbar oder ungeniessbar. Man merkt ihm an, dass ihn die Welt der Pilze einfach fasziniert. Als er ein besonders schönes Exemplar findet, das sich seiner Bestimmung verweigert, nimmt er kurzerhand einen ramponierten abgebrochenen Hut derselben Sorte mit. «Den lege ich unseren Pilzkontrolleuren vor.»

Pilzkontrollstellen: vor dem Genuss auf Nummer sicher gehen

- Schlieren: Start 13. August
Angeschlossene Gemeinden: Weiningen, Oberengstringen, Unterengstringen

Pilzkontrolleure: Eveline Autenrieth,
Tel. 044 730 72 12, Mobil 076 407 50 19;
This Schenkel, Tel. 044 431 52 35,
Mobil 079 219 91 02;
Beatrice Bickel, Tel. 044 730 72 20,
Mobil 079 352 00 08
Ort: Kindergarten Freiestrasse 23
Zeit: Mittwoch, Samstag und Sonntag
jeweils von 18.00 bis 19.00 Uhr
Dauer: bis Mitte November

Besonderheiten: kostenlos

- Urdorf: Start 15. August
Angeschlossene Gemeinden: Urdorf, Uitikon, Birmensdorf und Aesch

Pilzkontrolleur: Norbert Walker,
Tel. 044 736 51 44
Ort: im «Schopf» des Ortsmuseums an der Birmensdorferstrasse 102
Zeit: Montag und Mittwoch, jeweils von 18.00 bis 19.30 Uhr, Samstag, 18.00 bis 20.00 Uhr
Dauer: bis Ende Oktober

Besonderheiten: für Einwohner der angeschlossenen Gemeinden kostenlos. Für die Einwohner nicht angeschlossener Gemeinden wird eine Gebühr erhoben.

- Dietikon: Start 17. August, angeschlossene Gemeinden: Dietikon, Bergdietikon, Rudolfstetten, Geroldswil und Oetwil

Pilzkontrolleure: Guglielmo und Verena
Martinelli, Tel. 044 740 02 91
Ort: im Raum des JobBus Limmattal an der Bremgartnerstrasse 42 (gegenüber Alters- und Gesundheitszentrum AGZ)
Zeit: Mittwoch 18.30 bis 19.30 Uhr,
Samstag und Sonntag 18.00 bis 19.30 Uhr
Dauer: bis Mitte November

Besonderheiten: Für Einwohner der angeschlossenen Gemeinden kostet die Kontrolle neu fünf Franken. Alle anderen zahlen zehn Franken. (GAH)