Vor gut drei Jahren ist die verheerende «Eschenwelke» erstmals im Dietiker Wald aufgetaucht – heute spricht Revierförster Felix Holenstein von einem «nahezu hundertprozentigen Befall». Innert Rekordzeit hat der Pilz die Eschen infiziert und die Blätter verwelken lassen. Damit ist Dietikon aber keine Ausnahme: «Ein nahezu vollständiger Befall – vor allem in Jungbeständen – ist leider nichts Aussergewöhnliches», sagt Roland Engesser von der Eidgenössischen Forschungsanstalt WSL in Birmensdorf.

Sämtliche Eschenbestände befallen

In der Schweiz wurde der krankmachende Pilz erstmals 2008 im Grossraum Basel an jungen Eschen mit welken Triebspitzen und Seitenzweigen diagnostiziert. Woher der Pilz stammt, ist bis heute unklar. Vermutet wird der asiatische Raum als Herkunftsort. «Erstmals richtig ausgebrochen ist die Krankheit in Polen», sagt Engesser.

Von dort aus haben sich die Sporen des Pilzes mittels Wind unaufhaltsam in ganz Europa ausgebreitet, auch in der Schweiz: «Mit Ausnahme des Tessins und einigen Tälern im Graubünden hat der Pilz sämtliche Eschenbestände befallen», sagt Engesser.

Keine Besserung in Sicht

Revierförster Holenstein zupft an den Blättern einer verwelkten Jungesche im Dietiker Honeret. Der Pilz dringt im Frühsommer in die noch grünen Blätter ein und wächst ins Holz, direkt bis ins Mark. Dort unterbricht er den Saftfluss, die Blätter verdorren, das Holz verfärbt sich. Von den Blättern her wandert der Pilz in Richtung Stamm und würgt dem Baum sämtliche Saftbahnen ab.

Das Resultat eines Befalls: Der Baum stirbt Zweig für Zweig. Ast für Ast ab, bis schliesslich die Vitalität so gestört ist, dass der Baum eingeht. Damit ist das Holz nicht mehr für hochwertige Produkte verwertbar, sondern wird zu Brennholz. «Das Holz hat farbliche Einschlüsse, wir können es nicht mehr teuer verkaufen», sagt Holenstein.

Das Problem: «Wir können nichts gegen diesen Pilz tun.» Im Wald dürfe man nicht – und will Holenstein auch nicht – mit Chemie gegen den Befall spritzen, ausserdem ist der Pilz im Holz gegen die Chemikalien geschützt. Einzige Möglichkeit wäre das Zusammenrechen des Laubes im Herbst – fallen die Blätter von den Bäumen, fallen die Pilze im Blatt mit auf den Boden und überwintern dort. Doch das Zusammenrechen ist laut Holenstein unmöglich, bestehen doch rund 15 Prozent des gesamten Dietiker Waldbestandes aus Eschen, im Jungwald sind es gar 50 Prozent. «Es wäre pure Sisyphusarbeit.»

Nicht jede kranke Esche stirbt ab

Hilflos fühlt sich auch Engesser, der als Leiter der Fachstelle für Waldschutzfragen von vielen Förstern betreffend Eschenwelke kontaktiert wird: «Es gibt keine direkte Gegenmassnahme.» Einzige Möglichkeit seien waldbauliche Methoden; also beispielsweise andere Baumarten bevorzugen, auf Neupflanzungen von Eschen verzichten oder sehr stark befallene Bäume entnehmen, bevor sie durch die Fäulen entwertet werden. Wie Holenstein hofft auch Engesser darauf, dass die Eschen gegen den Pilz resistent werden. «Ausserdem stirbt nicht jede befallene Esche auch automatisch ab.» Manchmal schotte sich der Baum vom kranken Teil ab; er ist zwar infiziert, die Krankheit breitet sich im Baum aber nicht weiter aus.

In den nächsten Monaten wird in Dietikon ein Teil der erkrankten Eschen gefällt, die dürren Kronen stellen an manchen Orten ein Sicherheitsrisiko dar. Auch wenn für Revierförster Holenstein die Hoffnung zuletzt stirbt, sind die Aussichten doch düster. Wenn es so weitergehe, werde sich die Esche im Dietiker Wald extrem schnell reduzieren. «Uns bleibt nichts anderes als zu hoffen, dass die Eschen resistent werden oder der Pilz von alleine wieder verschwindet.»

Auch für Engesser vom WSL ist die weitere Entwicklung ungewiss: «Die Situation ist ernst. Aber ein Teil der Eschen wird der Krankheit widerstehen. Die Esche wird sicher nicht aussterben.»