Strom
Photovoltaik auf dem Vormarsch: So viel Solarenergie produziert das Limmattal

Innert eines Jahres hat sich die eingespeiste Menge Solarenergie aus Anlagen im Bezirk verdoppelt.

Alex Rudolf
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Ein Vorzeigeprojekt ist die Photovoltaik-Testanlage auf dem Dach des EKZ-Betriebsgebäudes in Dietikon

Ein Vorzeigeprojekt ist die Photovoltaik-Testanlage auf dem Dach des EKZ-Betriebsgebäudes in Dietikon

Tobias Hänni/Archiv

Bislang unveröffentlichte Zahlen der Elektrizitätswerke des Kantons Zürich (EKZ) zeigen, dass der Bezirk Dietikon einer der grossen Produzenten von Solarstrom ist. So geht daraus hervor, dass die Photovoltaikanlagen des Bezirks im Jahr 2015 5775 Megawatt Energie ins EKZ-Netz einspeisten. Nach den Bezirken Affoltern (6068) und Winterthur (5914) ist dies der dritthöchste Wert des Kantons. Dies entspricht jedoch nicht dem absoluten Wert produzierter Energie, da Besitzer einer Anlage auch den Eigenbedarf mit der erzielten Menge decken. Vor einem Jahr wurde im Bezirk noch nicht so rege Sonnenenergie produziert.

Im Jahr 2014 belegte Dietikon lediglich den siebten Rang im EKZ-Gebiet. Aus der Statistik geht zudem hervor, dass sich die Anzahl jährlich erstellter Photovoltaikanlagen im Bezirk seit Ende 2012 von 53 auf 161 im Jahr 2015 verdreifacht hat. Wie lässt sich dieser Sprung nach vorne erklären? «Wir glauben, dass die überdurchschnittliche Zunahme im Bezirk Dietikon mit der Bevölkerungsdichte und der Bauentwicklung zu tun hat», sagt EKZ-Sprecherin Priska Laïaïda. Auch gebe es im ganzen Bezirk überdurchschnittlich viele geeignete Gebäude, wie etwa Einfamilienhäuser und Industriehallen, sagt sie weiter.

In der EKZ-Auswertung sind alle Gemeinden und Städte vertreten, die zum Netzgebiet des Unternehmens gehören. Etwa die Stadt Zürich oder mehrere Goldküsten-Gemeinden sind jedoch nicht Teil davon, da diese ihren Strom bei anderen Elektrizitätswerken beziehen.

Dietikons Förderung für Sonnenkollektoren und PV-Anlagen.

Dietikons Förderung für Sonnenkollektoren und PV-Anlagen.

ZVG: Stadt Dietikon

Auch Subventionen gestiegen

Für Anita Binz, Energiebeauftragte der Stadt Dietikon, sind dies erfreuliche Nachrichten. Auf Anfrage bestätigt auch sie, dass in der Stadt Dietikon mehr Photovoltaik-Anlagen gebaut werden als früher. Waren es im Jahr 2012 noch deren drei mit einer Fläche von 85 Quadratmetern und einer Leistung von rund 15 Kilowatt, waren es im 2015 bereits deren acht mit einer Fläche von 850 Quadratmetern und 135 Kilowatt Leistung. So stiegen auch die von der Stadt gesprochenen Fördergelder (siehe Grafik). Im 2011 subventionierte Dietikon Anlagen mit 11 500 Franken, im 2013 gar mit 47 000 Franken und im vergangenen Jahr wurden knapp 40 000 Franken ausgegeben.

Schlieren nimmt eine Vorbildfunktion ein

Schlieren tut einen Schritt in Richtung nachhaltiger Bauweise. Erst kürzlich beschloss der Stadtrat, den Gebäudestandard 2015 von Energiestädte Schweiz zu übernehmen. Damit verpflichtet sich die Stadt, bei anstehenden Renovationen und Neubauten von städteeigenen Liegenschaften zu prüfen, ob die Minergie-Standards oder die Vorgaben der 2000-Watt-Gesellschaft infrage kommen. Darüber hinaus soll der Gebäudestandard 2015 als Vorgabe bei städtischem Landverkauf oder bei Baurechtsabgaben dienen. Der Gebäudestandard 2015 ist für die Träger des Labels Energiestadt behördenverbindlich und behandelt sieben Handlungsebenen. Bereits im Jahr 2010 beschloss der Stadtrat, künftig nach Minergie-Standard zu bauen. Die Schlieremer Energiekommission komme zum Schluss, so der Stadtrat, dass die Regelungen des Gebäudestandards 2015 in Einklang mit dem neuen Energieplan der Stadt stehen und sich die Ziele so wirkungsvoll umsetzen lassen würden. Schlieren wolle mit ihrem Gebäudepark Vorbild sein, heisst es im Protokollauszug des Schlieremer Stadtrates. (aru)

Gründe für diesen Anstieg an Photovoltaikanlagen gebe es viele, so Binz. «Die grössere Nachfrage der vergangenen Jahre hat bewirkt, dass die Preise für die Erstellung der Anlagen gesunken sind.» Auch der bundesweite Wechsel auf die sogenannte Einmalvergütung im Jahr 2014 für jene, die eine kleinere Anlage erstellen, sei ein Ansporn. So könnten bis zu 30 Prozent der Investitionskosten vom Bund übernommen werden. Weiter wurde Anfang 2015 das Bewilligungsverfahren zur Erstellung vereinfacht. So braucht es seither in der Regel nicht mehr eine Baubewilligung zum Aufstellen einer Solaranlage, sondern lediglich eine Meldung. «Dieses Meldeverfahren spart den Bauherren nicht nur Zeit, sondern auch Geld», so Binz.

Insbesondere bei Wohnsiedlungen, Industriebetrieben und Landwirtschaftsbetrieben komme hinzu, dass der Eigenverbrauch von Solarstrom die Wirtschaftlichkeit der Solaranlage steigere. «Hier wird lediglich die Überproduktion ins Netz eingespeist, der zeitgleiche Eigenbedarf kann mit der eigenen Anlage gedeckt werden – das kann sehr lukrativ sein.» Alles in allem lasse sich sagen, so Binz, dass auf vielen verschiedenen Ebenen ein Entwicklungsschub passiert sei.

Grosse Dachfläche ein Plus

Sie ortet in Dietikon auch weiterhin viel Potenzial für Photovoltaikanlagen, unter anderem bei Industriehallen, die eine grosse Dachfläche aufweisen. «Je grösser die Dachfläche ist, desto mehr Kollektoren haben Platz und somit lässt sich auch mehr Energie produzieren», sagt Binz.

Mit den Mustervorschriften der Kantone im Energiebereich präsentierten die Energiedirektoren der Kantone die Grundlagen, die Wohnhäuser und Büros energieeffizient machen sollen. In den Mustervorschriften ist festgehalten, dass sich neue Gebäude ab 2020 «weitgehend selbst» mit Wärmeenergie und zu einem Teil mit Elektrizität versorgen sollen. Die gesetzliche Grundlage dafür in den einzelnen Kantonen muss jedoch erst festgesetzt werden. Für Anita Binz ist klar: «Werden diese Vorschriften so umgesetzt, dann wird es einen weiteren Schub für Photovoltaikanlagen geben.»