Dietikon
Philipp Locher eröffnet dritte Drogerie: «Ich bin Hardcore-Drogist»

Der Unternehmer Philipp Locher eröffnete seine dritte Drogerie in Dietikon. Mit der Drogerie zwischen Stadtplatz und Löwenzentrum übernahm er eine Institution der Dietiker Ladenlandschaft. Vom Potenzial des neuen Standorts ist er überzeugt.

Pablo Rohner
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Die Lernende Sarah El Mestrah, Drogistin Janine Zulauf, Jessica Locher und Philipp Locher (von links).

Die Lernende Sarah El Mestrah, Drogistin Janine Zulauf, Jessica Locher und Philipp Locher (von links).

Pablo Rohner

Jessica Locher steht im Lager und hört aufmerksam zu, wie ihr Vater Philipp über das Geschäft spricht. Über den rauen Wind, der durch die Branche weht, aber auch darüber, warum er langfristig an das Überlegen der eigenständigen Drogerien glaubt. Philipp Locher führt das seit 1945 bestehende Familienunternehmen Locher Drogerie GmbH in zweiter Generation. Zu den bisherigen Standorten Geroldswil und Schlieren kam Anfang Oktober Dietikon hinzu. Tochter Jessica wird die Firmengeschichte wahrscheinlich dereinst weiterschreiben.

Locher übernimmt Personal

Vorerst aber arbeitet Philipp Locher am nächsten Kapitel. Mit der Drogerie zwischen Stadtplatz und Löwenzentrum übernahm er eine Institution der Dietiker Ladenlandschaft. Vom Potenzial des neuen Standorts ist er trotz der nahen Konkurrenz durch die beiden Ruckstuhl-Apotheken und den Drogerie-Riesen Müller an der Zürcherstrasse überzeugt. Auch weil er die Stammkundschaft des langjährigen Besitzerpaars Claude und Regina Schers mitübernehmen konnte. Claude Schers bleibt den Kunden trotz Pensionierung weiterhin als Geschäftsleiter der Locher-Drogerie erhalten. Auch die zwei beschäftigten Drogistinnen und die Lernende behalten ihre Arbeitsplätze.

Geschäftssinn und Idealismus

Von der Übernahme der Drogerie verspricht sich Locher wirtschaftliche Optimierungen. Im so entstandenen Dreieck Geroldswil-Schlieren-Dietikon können nun beispielsweise bei Engpässen Güter ausgetauscht werden. Ausserdem vergrössert sich das Einkaufsvolumen der Locher Drogerie GmbH. So wird das Sortiment vergünstigt und die Handelsspanne geht auseinander. Damit wächst der Gewinn. Neben den geschäftlichen Vorteilen trägt Philipp Lochers Überzeugung die Übernahme.

«Ich bin Hardcore-Drogist», sagt er unumwunden. Wenn der Unternehmer über Antrieb und Zukunftspläne spricht, schwingt immer eine gute Portion Idealismus mit. Ein Beispiel: Auch am neuen Standort wolle er die Traditionen des Drogistengeschäfts pflegen, sagt Locher. So will er in Zukunft in seinen Drogerien weiterhin mehr als nur Kosmetika und Wellnessartikel verkaufen. Chemisch-technische Produkte wie Methanol, Laugen, das Bleichmittel Javelwasser oder der Farbindikator Fluorescein werden weiterhin in den Regalen stehen. Das Angebot an Substanzen für Handwerker habe unter Drogisten eine lange Tradition, sagt Locher. Vor allem aber durch die persönliche Beratung für komplementärmedizinische Behandlungen will sich die Locher-Drogerie von Apotheken und Grossmärkten abheben.

Über Beratung positionieren

Wenn ein Kunde regelmässig Medikamente kaufe, könnten zum Beispiel weitere Abklärungen vorgeschlagen werden, erklärt Locher die Strategie - eine Möglichkeit wäre ein Speicheltest für eine spagyrische Behandlung. Gerade das Geschäft mit bekannter Komplementärmedizin mache einen grossen Teil des Umsatzes aus. Homöopathie und Schüsslersalze, aber auch Heilkräuter und Urtinkturen verlangen Analysen und eingehende Beratung. In dieser Nische müssten sich reine Drogerien positionieren, ist Locher überzeugt. Viele Leute hätten genug von Antibiotika und Konsorten. Durch Internetrecherche würde vielen Kunden zudem der Zugang zur Komplementärmedizin erleichtert, erklärt Locher. Auch bei seiner Kundschaft spüre er diese Tendenz.
Finanziell selbsttragende Filialen

Gleichwohl weiss der erfahrene Unternehmer, dass die Lage für eigenständige Drogerien nicht eben rosig ist. Mit Apotheken zusammengelegte Drogerien und grosse Drogeriemärkte hätten den Druck auf die spezialisierten Geschäfte merklich erhöht, so Locher. Seine drei Standorte müssten finanziell jederzeit selbsttragend sein, betont er. Den grössten Teil des Firmenumsatzes generiere die Filiale in Geroldswil. Schlieren und Dietikon hielten sich dahinter ungefähr die Waage.

Noch vor dem härteren Wettbewerb in den beiden Limmattaler Städten sieht Locher die grössere Kaufkraft der Geroldswiler als Ursache für diese Konstellation. Für Philipp Locher stimmt es so. «Dietikon ohne eigenständige Drogerie wäre für mich undenkbar», sagt er zum Abschied und verschwindet nach hinten ins Lager.