Dietikon

Pfusch beim Doppelkindergarten-Ausbau: Stadt muss für die Mehrkosten aufkommen

m Zypressenhof mietet die Stadt Dietikon einen Raum für den Kindergarten. Der Ausbau war ein Murks. S. Rüesch/Archiv

m Zypressenhof mietet die Stadt Dietikon einen Raum für den Kindergarten. Der Ausbau war ein Murks. S. Rüesch/Archiv

Bauleiter und Baufirma enttäuschten die Stadt beim Ausbau des Zypressenhof-Doppelkindergartens.

So einiges lief drunter und drüber beim Ausbau des Dietiker ZypressenhofDoppelkindergartens. Dies ist der Bauabrechnung der Stadt zu entnehmen. Die Geschichte des Ausbaus reicht weit zurück: 2013 hatte der Stadtrat 65 000 Franken für die Planung bewilligt. Diese lief noch reibungslos. Doch danach ergab sich eine lange Liste der Missgeschicke und Probleme.

Ein Zeitstrahl, der die Probleme und Hindernisse beim Bau des Doppelkindergarten-Ausbau näher bringen soll.

Februar 2014: «Der Ausbau ist zu teuer und der Zeitplan des Stadtrats schon wieder zu eng», monierte das Parlament an der Sitzung, bei der es darum ging, Raum für einen Doppelkindergarten zu mieten. Damals schlug der Stadtrat vor, den Kindergarten im Zypressenhof für 625 000 Franken auszubauen und für 63 000 Franken jährlich zu mieten. Es folgte heftige Kritik aus dem Parlament. Die SVP sagte: «Eine günstigere Lösung ist möglich.» Und sie forderte, dass man das Projekt für 500 000 Franken durchführe. Man habe wieder einmal ein Geschäft vorgesetzt bekommen, das «hopp-hopp» zu behandeln sei, bemängelte die CVP und fand Unterstützung von der AL. Schliesslich stimmte die Mehrheit der Anwesenden dem Projekt und zugleich der Sparmassnahme zu.

Frühling/Sommer 2014: Der Bau kam daraufhin ins Laufen. Als externer Bauleiter wurde derjenige engagiert, der das günstigste Angebot einreichte und der Stadt empfohlen worden war. Jedoch erwies er sich im Laufe der Zeit als «unsorgfältig und wenig fundiert arbeitend», wie die Stadt es in der Bauabrechnung ausdrückt. Er nahm beispielsweise Arbeiten ab, die noch gar nicht fertig waren oder noch Mängel aufwiesen. Doch nicht genug: Auch die vom Bauleiter angeheuerte Baufirma Saget Bau aus Zürich arbeitete «unvollständig und mangelhaft», wie es in der Bauabrechnung heisst.

August 2014: Das Kindergartenpersonal, das pünktlich zum Schulbeginn mit zwei Klassen und einem Hort in den Zypressenhof einzog, bemerkte, dass sich die Türen nicht schlossen und die Schiebetüren nicht funktionierten. Die Hochbauabteilung sowie der externe Bauleiter forderten die Firma mehrmals auf, die Mängel zu beheben und die Arbeit fertigzustellen. Doch vergebens: Die Firma Saget Bau arbeitete so unzuverlässig, dass die Stadt einen Teil der Gelder zurückbehielt.

Januar 2015: Im Januar war die Geduld der Stadt zu Ende: Die Hochbauabteilung teilte Saget Bau mit, dass die Fehler nun durch ein anderes Unternehmen behoben würden. Zudem ersetzte die Hochbauabteilung den externen Bauleiter gleich ganz. «Ein neuer Bauleiter muss sich erst in die Aufgabe und die Gepflogenheiten der Stadt einarbeiten. Da war es einfacher und effizienter, dass die Projektleitung der Stadt die Planung selber in die Hand nahm», sagt Peter Baumgartner, Abteilungsleiter Hochbau bei der Stadt Dietikon.

Ende 2015: Schliesslich wurde der Kindergarten auf dem Zypressenhof unter der Leitung der Hochbauabteilung fertig. Die Kasse stimmte aber immer noch nicht: Trotz des Rückbehalts schuldete Saget Bau der Stadt Dietikon über 10'000 Franken.

Juni 2016: Anfang Juni wurde das Konkursverfahren über die Saget Bau eröffnet. Dieses wurde nach einigen Tagen bereits wieder eingestellt, da das vorhandene Geld nicht für die Deckung der Verfahrenskosten gereicht hätte. Ende Juni meldete sich die Firma definitiv bankrott. Da die Stadt offenbar nie als Gläubigerin in der Buchhaltung von Saget aufgelistet war, forderte die Firma den Rückbehalt nicht ein. Die offenen Rechnungen schrieb die Baukommission ab. Wogegen die Rechnung mit dem «unsorgfältigen Bauleiter» noch immer offen war. Nach mehreren Sitzungen einigten sich beide Parteien darauf, dass der externe Bauleiter auf 8000 Franken Honorar verzichtet, aber für seinen Mehraufwand während der Bauarbeiten entschädigt wird.

Mai 2018: Laut der Bauabrechnung kostete der Bau des Doppelkindergartens am Ende insgesamt 592'208 Franken. Das sind 4,6 Prozent mehr als geplant. Den Mehraufwand begründet die Stadt mit zusätzlichen Vermauerungen und zusätzlichen Akkustikmassnahmen. Letztere musste sie anbringen, da die Lehrer sich über den Lärm beklagten. Nachdem diese Klage mit Messungen der Nachhallzeit in den Schulräumen untermauert wurde, zwang das kantonale Amt für Wirtschaft und Arbeit (AWA) die Stadt, diesen Missstand zu beheben. Nun scheinen sich die Wellen rund um den Ausbau gelegt zu haben: «Nach Behebung aller Mängel ist der Doppelkindergarten im Zypressenhof ein moderner, freundlicher Ort für den Kindergartenunterricht», sagt Peter Baumgartner.

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