Urdorf

Pflegekosten, Altersarmut und Arbeitslosigkeit: Dieses Paar kämpft gegen die Altersdiskriminierung

Stephan und Doris Rothmund setzen sich für die Anliegen der älteren Generation ein.

Stephan und Doris Rothmund setzen sich für die Anliegen der älteren Generation ein.

Das Urdorfer Ehepaar Doris und Stephan Rothmund gründete vor kurzem die erste Senioren-Partei der Grünliberalen.

Ältere Menschen haben in der Arbeitswelt und generell in der Schweizer Gesellschaft einen schweren Stand, finden Doris und Stephan Rothmund. Um den Anliegen der älteren Bevölkerung mehr Gewicht zu geben, gründete das Urdorfer Ehepaar gemeinsam mit anderen grünliberalen Seniorinnen und Senioren analog zu den jungen Grünliberalen vor kurzem die Partei senior GLP Zürich.

«Im Hinblick auf die Nationalratswahlen im Oktober 2019 wurde bei den Grünliberalen Zürich das Netzwerk senior GLP etabliert. Wir freuen uns, dass wir nun als eigenständiger Verein die Interessen der Seniorinnen und Senioren vertreten können», sagt Stephan Rothmund, der seit 2019 Präsident der GLP-Ortspartei in Urdorf ist. Er und seine Frau setzen sich aufgrund persönlicher Erfahrungen für alterspolitische Themen ein.

«Die Pflege im Alter ist teuer. Viele Altersheimbewohner, auch in Urdorf, werden deshalb von der Gemeinde finanziell unterstützt. Einige haben ihren Besitz bereits verkauft und es reicht trotzdem nicht, um die Betreuung allein finanzieren zu können», sagt Doris Rothmund. Weil der Aufenthalt in Heimen so viel koste, würden Senioren und deren Angehörige vermehrt auf Betreuerinnen aus dem Ausland setzen. Die 65-Jährige führt als Freiwillige Besucherdienste im Alterszentrum Weihermatt in Urdorf durch und hilft bei der Aktivierung der Bewohnenden. Zudem begleitet sie für den Verein Wabe-Limmattal Sterbende und stellt sich dem Spital Limmattal für Sitzwache-Einsätze zur Verfügung.

Freiwilligenarbeit soll besser unterstützt werden

«Unsere Partei engagiert sich für die Selbstbestimmung von betagten und hilfebedürftigen Menschen», sagt Stephan Rothmund. Man unterstütze innovative Versorgungskonzepte und -strukturen, mit denen die Würde von behinderten, kranken und betagten Menschen respektiert werden. «Das Problem ist, dass heute jedoch noch immer die stationäre Versorgung im Spital und im Alters- und Pflegeheim besser finanziert und die Versorgung zuhause erschwert wird», sagt der 64-Jährige. Seine Frau fügt an: «Die Freiwilligenarbeit bei der Betreuung von älteren Menschen muss besser unterstützt werden in Form von Bezahlung, Gutschriften oder Diplomierung.»

Ein Augenmerk legt die neue Partei zudem auf die Altersarmut. Dazu wurde eine Arbeitsgruppe ins Leben gerufen. In einer solchen wird auch die damit verbundene Reform der Schweizerischen Altersvorsorge behandelt. Ein weiteres wichtiges Anliegen der Partei und der Rothmunds ist es, sich gegen die Diskriminierung von älteren Personen auf dem Arbeitsmarkt einzusetzen. Während des Coronanotstands machte sich das Senioren-GLP-Netzwerk beispielsweise dafür stark, dass das Coronarisiko nicht alleine aufgrund des Alters definiert wird. Gerade ist man dabei, ein Komitee mit anderen Organisationen wie zum Beispiel dem Rentnerverband Zürich gegen die Altersdiskriminierung zu bilden.

Stephan Rothmund kennt die Nöte von Arbeitslosen über 50 nur zu gut. «Ich bin als Lehrer für die IBZ, die Schweizer Schule für Technik und Management, tätig und unterrichte viele ältere Arbeitssuchende», erzählt er. Die meisten hätten ohne persönliche Kontakte keine Chance mehr, einen neuen Job zu kriegen. Das sei leider Realität. Wichtig erscheint ihm daher, dass erfahrene Personen eben auch im Alter die Möglichkeit haben, umgeschult zu werden, um im Arbeitsmarkt bleiben zu können. «Im Politlabor der GLP ist eine Gruppe namens Lebenslanges Lernen entstanden, die unter anderem die Idee einer vom Staat finanzierten Weiterbildungsgutschrift für jedermann entwickelt», sagt Stephan Rothmund. Das sei nicht nur eine Chance für ältere, sondern für alle Arbeitnehmende.

Senioren sollen ihr Leben selbst in die Hand nehmen können

Ganz wichtig ist dem Urdorfer Ehepaar überdies die selbstbestimmte Wahl der Lebensgestaltung im Alter. «Es sollen älteren Menschen, die auch über das Pensionsalter hinaus arbeiten wollen, keine Steine in den Weg gelegt werden», sagt Doris Rothmund. Sie selbst werde bald 66 und fühle sich noch vital. «Ich möchte nicht zuhause rumsitzen, sondern noch etwas tun können.» Sie verlangt deshalb eine Flexibilisierung des Rentenalters. Die Rothmunds betonen, dass die grünliberale Alterspolitik nicht darauf abziele, älteren Menschen Sonderrechte und Privilegien einzuräumen. «Wir fordern ein enkelgerechtes Rentensystem.» Dazu gehöre auch eine Erhöhung des Rentenalters.

Bisher zählt die senior GLP Zürich 35 Mitglieder, davon sind 8 Vorstandsmitglieder. «Wir sind die allererste Senioren-Partei der GLP», sagt Stephan Rothmund. Er hoffe, dass bald mehr Personen dazu kommen würden und in Zukunft eine nationale GLP-Senioren-Partei entstehen werde.

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