Urdorf

Pfarrer Werner Utzinger ist gestorben

Der Pfarrer wurde liebevoll "Utzi" genannt.

Der Pfarrer wurde liebevoll "Utzi" genannt.

Werner Utzinger amtete von 1971 bis 2004 mit Leidenschaft in Urdorf. Als zweiter reformierter Pfarrer arbeitete der gebürtige Bündner 20 Jahre zusammen mit Max Bolliger.

In den Jahren 1964 bis 1970 hat sich die Einwohnerzahl in Urdorf verdoppelt, das heisst, es gab sehr viel Arbeit für die beiden. Ab 1991 wurde Daniel Hanselmann sein neuer Arbeitskollege und er rückte auf den ersten Platz mit Leitungsverantwortung. Dies machte ihm Mühe, dennoch nannte er es seine schönste Zeit in Urdorf.

«Utzi», wie er liebevoll genannt wurde, wohnte eine Zeit lang mit seiner Ehefrau im Pfarrhaus im Baurenacker, seine Amtsstube jedoch befand sich am Stammtisch der ehemaligen Wirtschaft Frohsinn. So brachte er die Kirche zu den Leuten. Ursprünglich wurde er als Jugendpfarrer angestellt, seine Arbeitsbereiche wurden jedoch mit hervorragenden Resultaten ausgeweitet. Mit seinem Moped fuhr er ohne Helm und mit einem Megafon durch die Strassen und warb für den Suppentag, an dem er Bündner Gersten- oder Gulaschsuppe kochte. Als Koch bewährte er sich auch bei anderen Vereinen, oder am Jahresabschlussessen von «Chumm und Mach Mit», an dem er Jägerrisotto rührte.

An der Urdorfer Fasnacht fuhr er ebenfalls mit Moped und Megafon mit und half so dem Frauenverein, Geld für die Altersreise zu sammeln. Zusammen mit Rosmarie Maag organisierte er als Präsident der Pro Senectute Ortssektion Altersferien mit Pfarrbegleitung. Diese Tradition hat sich bis heute erhalten. Mit Rosmarie Maag zusammen rief er 1988 auch die Seniorenvolkstanzgruppe unter der Leitung von Regula Isenschmid ins Leben sowie einen Treff für Alleinstehende und Verwitwete. Die heiratswilligen Männer der Knabengesellschaft traute ausschliesslich «Utzi».

Er lebte, was er predigte

Beim Bau der neuen reformierten Kirche setzte er sich für eine zwinglianische Kirche ohne «Firlefanz» ein. So war er gegen die Anfertigung der Werke der Barmherzigkeit, setzte sich dafür für die glasigen Schiebetüren von Künstler Hans Falk ein. Als charismatische Gestalt predigte er mit Hand und Fuss, lebensnah und authentisch. Er war nicht einer, der Wasser predigte und Wein einschenkte, nein, er lebte, was er predigte. Trotz Bündner Dialekt waren seine Predigten dank seinem Stimmorgan immer sehr gut verständlich, und der herzhafte Inhalt hat die Besucher stets zum Nachdenken angeregt.

Werner Utzinger war ausserordentlich vielseitig interessiert. Seinen Arbeitseinsatz als Maurer und Tunnelbauer als Mineur beim Gotthard konnte er zum Beispiel für manche Vergleiche beim Predigen gut gebrauchen. Auch kulturell engagierte er sich für Bild und Ton: Die berühmten «Chasperlitheater» von Jörg Schneider und Ines Torelli wurden zu einem grossen Teil mit «Utzis» Unterstützung im Tonstudio der neuen reformierten Kirche aufgenommen.

Er war ein grosser Tierliebhaber und auch politisch sozial engagiert, vor allem nach seiner Studienzeit in Berlin. Als vertrauenswürdiger Seelsorger betreute er Familien von der Taufe bis ans Sterbebett. «Man konnte mit ihm über alles reden, er war fair und hat alle recht behandelt, ein Dorforiginal», sagt Knabengesellschaft-Mitglied Ronny Isenschmid über ihn.

Nach seiner Pensionierung blieb «Utzi» für viele Leute ein wichtiger Ansprechpartner und war bereit, unzählige Abdankungen zu übernehmen. Seine geliebte Frau war vollberuflich Kindergärtnerin, Ausbildnerin und Inspektorin und daher in Urdorf selten in der Öffentlichkeit gesehen. Über ihren Tod im Jahre 2013 war «Utzi» nie hinweggekommen. Seine charismatische Erscheinung wird mir immer in Erinnerung bleiben, und ich bin ihm für sein Wirken in Urdorf zu grossem Dank verpflichtet.

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