Oberengstringen
«Pfader wurden zu Bauern»: Ein Buch beleuchtet Pfadfindersein

Peter Wüthrich blickt auf eine spannende Zeit in der Pfadi zurück und schrieb darüber ein Buch.

Alex Rudolf
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Peter Wüthrich blickt auf eine spannende Zeit in der Pfadi zurück
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och heute finden sich an Wüthrichs Bürowand zahlreiche Abzeichen der Pfader.
Die elterliche Bäckerei Wührich in Oberengstringen im Jahr 1927.
Klassenfoto der Primarschule aus dem Jahr 1939.
Jubiläumsflyer des Türggenheims.
Peter Wüthrich als Schüler in Oberengstringen (Mitte).
Peter Wüthrich, der als junger Wolf Teigli getauft wurde.

Peter Wüthrich blickt auf eine spannende Zeit in der Pfadi zurück

zvg

Peter Wüthrichs erste Erfahrung mit den Schlieremer Pfadfindern war von Enttäuschung geprägt. Es war im Mai 1939, als der neunjährige Wüthrich mit einem Freund von Oberengstringen zu Fuss nach Schlieren pilgerte. Die beiden hatten gehört, dort gebe es Pfadfinder, die in der freien Natur schlafen und selber kochen würden. Nach der Aufnahme in die Meute stellten die beiden aber fest, dass man im Pfadiheim schlief – nichts von freier Natur – und ältere Pfadfinder das Kochen übernahmen.

Dies eine der Anekdoten aus dem Buch «Ein Puma auf Wolfsspur» aus der Feder des heute 86-jährigen Peter Wüthrich. Das Werk ist eine Ode an die Pfadfinder, denen er vor bald acht Jahrzehnten beitrat. Sämtliche Dokumente, Auszeichnungen, Abzeichen, Korrespondenzen und – vor allem – Bilder bewahrte er fein säuberlich auf. So finden sich neben Geschichten über seine Erlebnisse auch eine Vielzahl von Zeitdokumenten und Fotografien im Buch, die das Pfadfindertum Mitte des 20. Jahrhunderts erlebbar machen. Mit «Ein Puma auf Wolfsspur» habe Wüthrich seine Zeit bei der Pfadi aufarbeiten wollen: «Ich hatte so viel Material, dass es nicht ums Recherchieren, sondern viel eher ums Selektionieren ging», sagt er. Darüber hinaus wolle er mithelfen, dass die Pfadi wieder eine grössere Beliebtheit erlangt: «Heute gibt es derart viele Angebote zur Freizeitgestaltung, dass die Pfadfinder Mitgliederschwund erleiden. Dabei ist es eine grossartige Lebensschule.» Denn: Nebst dem, dass man lerne, diszipliniert zu sein, komme das Beisammensein mit Kollegen hinzu.

Wüthrich hatte einen wahrlich holprigen Start, denn einige Wochen nach der Aufnahme ins Wolfsrudel folgte gleich die zweite Enttäuschung: die Pfadi-Taufe. Er erhielt den Namen «Teigli», was er gar nicht lustig fand. «In einem Alter, wo man sich geniert, weil der Vater ‹nur› Bäckermeister ist, erhofft man sich eine passendere Bezeichnung», schreibt Wüthrich im Buch.

Nach Oetwil «türggen»

An das Pfadiheim Altberg oberhalb Oetwils erinnert sich Wüthrich besonders gern. Lange Zeit sei das Gebäude das einzige im Wiesental gewesen, neben der «Samichlaushütte» am Waldrand: «Hier marschierten die Wölfe mit besonders respektvollem Abstand vorbei», schreibt er. Noch heute haftet dem Pfadiheim der Name «Türggenheim» an. Der Name rühre daher, dass insbesondere jüngere Pfadis feststellten, dass sie in der Regel von Zürich ins Heim «türggen» mussten.

In der Pfadihütte Altberg war es auch, wo Wüthrich seine erste Nacht ausserhalb des Elternhauses verbrachte. Anlass bot das Sommerlager 1940 der Wölfe. Der einstündige Marsch von Weiningen aus vermochte die Meute nicht müde genug zu machen, worauf es im Schlafsaal munter zu- und hergegangen sei, schreibt er im Buch. Bis Simba, einer der Rudelführer, den Schlafraum betrat und sich danach erkundigte, ob die Burschen nicht müde seien. Die Reaktion: Kichern. «In fünf Minuten stehen alle im Turntenue vor dem Haus», wies Simba die jungen Wölfe an. Der Leitwolf Gizzi vermutete: «Jetzt werden wir geschlaucht». Der junge «Teigli» Wüthrich wusste nicht, was dieses Wort bedeutete und erkundigte sich bei Gizzi danach. «Das wirst du schon sehen», erwiderte dieser.

Vom Limmattal zu «Olymp»

«Das Limmattal meiner Kindheit ist nicht mehr vergleichbar mit demjenigen von heute», sagt Wüthrich. Rechts der Limmat habe es keinen Arzt gegeben, der nächste Kiosk befand sich beim Bahnhof Schlieren. Im Sommer 1940 wurde Wüthrichs Vater in den Militärdienst eingezogen, ein Ersatz in der Backstube fehlte. Die Jugendherberge Fällanden suchte ein Leiter-Ehepaar, worauf sich Wüthrichs Mutter bewarb. Die Bäckerei in Oberengstringen wurde verkauft und Wüthrichs Jugendjahre im Limmattal fanden in der dritten Klasse ein Ende. Mit der Pfadi hatte er jedoch noch lange nicht abgeschlossen: Kurz nach dem Umzug trat er dem Pfadi-Stamm Olymp in Dübendorf bei.