Nachruf
Peter Wettler ist gestorben - er war ein sozialer Politiker, Alpenfürst und ein unbequemer Querkopf

Mit dem Tod von Peter Wettler verliert das Limmattal eine seiner originellsten Persönlichkeiten.

Bettina Hamilton-Irvine
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Peter Wettler

Peter Wettler

Unumstritten war Peter Wettler nicht: Er eckte gerne an, forderte andere heraus, war oft unbequem und angriffig. Unumstritten ist hingegen die Tatsache, dass er einer der originellsten und hellsten Köpfe des Limmattals war.

Originell waren auch diverse seiner vielen Engagements. So war er beispielsweise Aktuar der Basler Gesellschaft zur Erhaltung des Subjonctif imparfait. Und 2007 wurde Peter Wettler offiziell zum Alpenfürsten und durfte sich fortan eine Weile lang «Fürst von Belfort» nennen. Er hatte sich auf das Stelleninserat der Gemeindebehörden des Albulatals beworben, die einen Fürsten suchten, der ihre Region mit neuem Schwung beleben sollte. Peter Wettler wurde ausgewählt, weil er die besten Voraussetzungen mitbrachte, wie der Gemeindepräsident von Alvaneu damals sagte: «Es sollte jemand sein, der Positionen auch gegen die Obrigkeit vertreten kann, ein grosses Netzwerk hat und unserer Gemeinde neue Impulse verleiht.» So durfte Peter Wettler bald ein Zimmer in einem Hotel beziehen, in dem er «Hof hielt», Gespräche führte, zuhörte, Ideen schmiedete.

Peter Wettler wuchs in Wallisellen auf und wohnte später in Zürich, wo er auch Mitglied der SP war. In Dietikon konnte er im Blüemliquartier ein Haus kaufen. Er habe sich stets für das Zusammenleben im Quartier eingesetzt, erinnert sich der Dietiker SP-Kantonsratspräsident Rolf Steiner.

Er war lange Journalist, unter anderem Bundeshaus-Redaktor, für die frühere National-Zeitung tätig und für die «Tat». Später war er Mitbegründer und Chefredaktor des «Kassensturz», bevor er sich als Kommunikationsberater selbstständig machte – beziehungsweise Komm-Unikat-ionsberater, wie er sich in seiner E-Mail-Signatur selber nannte. Eine Weile lang bezeichnete er sich dort auch als Leader-macher und Sonnenan-Peter. Im Dietiker Gemeinderat, in den er im Jahr 2000 eintrat, machte er sich vor allem für Energie- und Umweltthemen stark und setzte sich gegen Fluglärm und für ein belebtes Stadtzentrum ein. Daneben fiel er aber auch immer wieder auf, weil er kein Blatt vor den Mund nahm und sich im Parlament wie auch in Leserbriefen gern mit dem Stadtpräsident oder seinen politischen Gegnern anlegte.

Harmonie war ihm auf dem politischen Parkett nicht wichtig. Aber auch wenn er manchmal provozierte, so ging es Peter Wettler doch nicht um die Provokation, sondern um seine Überzeugungen, für die er mit Feuer und Flamme kämpfte. Er hatte eine zutiefst soziale Ader und einen starken Gerechtigkeitssinn, der ihn antrieb. Im Parlament war er immer gut vorbereitet und seine Voten waren meistens originell und sprachlich ausgefeilt. Vor allem in Energiefragen war er äusserst kompetent.

Im Jahr 2014 kandidierte er für den Dietiker Stadtrat, jedoch ohne Erfolg. Mitte 2015 trat er im Ärger aus der SP aus, weil diese ihn nach zwölf Jahren nicht mehr für den Verwaltungsrat der EKZ nominierte. Im Gemeinderat politisierte er weiter als Parteiloser, bis er im letzten Februar aus gesundheitlichen Gründen zurücktreten musste. Mit seinen wertvollen Ideen sei er als Gemeinderat, Fraktionschef und Vorstandsmitglied während über vier Legislaturen eine wichtige Stütze der SP Dietikon gewesen, sagte Rolf Steiner damals.

Wie gern und mit wie viel Humor sich Peter Wettler dem Leben stellte, zeigt ein Dankesschreiben, das er im Juli 2016 nach seinem Geburtstagsfest verschickte. Darin schrieb er: «Warnung: Mein Tanzen und Hopsen auf den Brettern dieser Welt [...] geht munter weiter! Ich lasse mich noch hundstagelang gern durch den blauen Planeten blenden, zumal mich unbändig freut, dass die Energiezukunft von oben herab kommt.» Peter Wettler verstarb am letzten Donnerstag im Alter von 70 Jahren. Er hinterlässt eine Frau, vier Töchter und zwei Enkel.