Dietikon
Pestalozzi-Gruppe wird 250 Jahre alt und baut ein Frachtschiff zum Partyschiff um

Der Metall- und Stahlhandelsbetrieb Pestallozi will anlässlich des Jubiläums auf dem umgebauten Frachtschiff bis zu 20 Kundenanlässe durchführen. Erstmals in See stechen wird das Schiff am 30. Mai mit Gästen aus Politik und Wirtschaft.

Sandro Zimmerli
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Die Saturnliegt in Bäch vor Anker, wo sie partytauglich gemacht wird (Mathias Marx)
7 Bilder
Was jetzt noch fehlt ist das Zelt (Mathias Marx)
So sah die Saturn vor Beginn der Umbauarbeiten aus
Matthias und Dietrich Pestalozzi begutachten den Führerstand (Mathias Marx)
Legischiff
Die Bodenkostruktion wird verschweisst
Der Holzboden wird verlegt

Die Saturnliegt in Bäch vor Anker, wo sie partytauglich gemacht wird (Mathias Marx)

Limmattaler Zeitung

Mit ihren 60 Metern Länge und einer Breite von 8,5 Metern ist die «Saturn» ein eindrückliches Schiff. Normalerweise transportiert die Firma Kibag damit Kies zwischen Nuolen am Obersee und der Stadt Zürich. Derzeit hat die «Saturn» allerdings Pause und liegt im Hafen der Kibag in Bäch vor Anker.

Nicht etwa weil das 1980 in Betrieb genommene Schiff gewartet werden müsste. Im Gegenteil. Es ist immer noch fahrtüchtig. Ab Ende Mai wird es aber während zweier Monate keinen Kies transportieren, sondern Personen. Für diese Zeit wird die «Saturn» in «MS Pestalozzi» umgetauft.

Der Grund für den temporären Namenswechsel des Ledischiffs ist in Dietikon zu suchen. Das dort ansässige Familienunternehmen Pestalozzi feiert dieses Jahr sein 250-jähriges Bestehen. Der Metall- und Stahlhandelsbetrieb will dieses besondere Jubiläum auf eine spezielle Weise begehen und lässt deshalb die «Saturn» in ein Partyschiff für insgesamt 180 Personen umbauen.

«Wir haben lange überlegt und viele Ideen entwickelt, wie wir das Jubiläum mit unseren Kunden feiern könnten. Das Thema Wasser schien uns geeignet», sagt Matthias Pestalozzi, der das Unternehmen in 9. Generation leiten wird. Unter anderem verkaufe die Firma Wasserleitungen. Das Motto des Jubiläums laute gemeinsam etwas bewegen. «Auch auf einem Schiff bewegt man sich gemeinsam. Zudem habe auch die Geschichte der Firma dafür gesprochen auf einem Schiff zu feiern», so Matthias Pestalozzi.

Anlegestelle beim Münsterhof

Das Ledischiff ist in der Tat eine Reminiszenz an die Gründerjahre des Betriebs. Lange vor dem Umzug nach Dietikon hatte das Unternehmen seinen Sitz am Münsterhof, dem damaligen Messeplatz Zürichs. Die Lage war vorzüglich gewählt. Denn in unmittelbarer Nähe legten die Ledischiffe an, die Waren den Zürichsee hinunter transportierten. «Auch unser Unternehmen war damals im 18. Jahrhundert auf dieses Transportmittel angewiesen», sagt Matthias Pestalozzi.
Heute wäre der Schiffstransport für die Firma unvorstellbar. «Mit der Industrialisierung wurde die Bahn zum wichtigsten Transportmittel», sagt Dietrich Pestalozzi, CEO der Pestalozzi-Gruppe. Mittlerweile sei aber auch schon die Bahn für Transporte an gewisse Orte zu unflexibel gegenüber den Lastwagen. Schiffe kämen überhaupt nicht infrage.

Rechnung einmal jährlich bezahlt

Ebenfalls kaum mehr vorstellbar ist für Dietrich Pestalozzi und seinen Sohn Matthias die Art und Weise, wie zu den Gründungsjahren der Firma die Kundenkontakte gepflegt wurden. «Damals kamen die Kunden einmal im Jahr auf den Münsterhof und die meisten zahlten auch nur einmal jährlich. Zu dieser Zeit gab es keine Banknoten geschweige denn den Schweizer Franken», so Dietrich Pestalozzi. Es seien vielmehr unterschiedlichste Münzen im Umlauf gewesen.

Diese hätten alle gezählt werden müsse, was viel Zeit in Anspruch genommen habe. «War die Rechnung beglichen, wurden die Kunden zu einer Suppe und einem Glas Wein eingeladen, ehe sie auf dem Münsterhof ihre Besorgungen machten», hält Dietrich Pestalozzi fest.

Heute treffe man seine Kunden wesentlich häufiger, so Dietrich Pestalozzi. Alleine auf der «MS Pestalozzi» sind 20 Kundenanlässe geplant. Damit diese stattfinden können, muss das Schiff für den Personentransport umgerüstet werden. Es wurde bereits mit 350 Tonnen Kies gefüllt. Zusammen mit den Gästen wird so gewährleistet, dass das Schiff genügend Tiefgang hat und auch bei Wellengang ruhig im Wasser liegt.

Am 30. Mai geht es los

Ebenfalls montiert ist die Bodenkonstruktion, die eingeschweisst und mit dem Holzaufbau versehen wurde. Auch die ersten Geländer - aus dem Sortiment der Firma Pestalozzi - sind aufgestellt. Nun wird noch ein Zelt aufgebaut und eine Lounge am Bug des Schiffes eingerichtet. Danach wird das Schifffahrtsinspektorat die «MS Pestalozzi» ein letztes Mal überprüfen.

Erstmals in See stechen wird das Partyschiff am 30. Mai zusammen mit Gästen aus Politik und Wirtschaft. «Es wird einen Rundkurs im unteren Seebecken absolvieren», sagt Matthias Pestalozzi. Dabei werde sicher so gefahren, dass man zumindest das Fraumünster, das höchste Gebäude am Münsterhof, erblicken könne. Nach den Jubiläumsfahrten wird das Partyschiff zurückgebaut. Die «Saturn» wird dann wieder Kies transportieren.