Als Johann Wolfgang Goethe 1775 in die Schweiz reiste, machte er unter anderem auch in Zürich Halt. Möglicherweise ist der deutsche Dichter bei seinen Streifzügen durch die Stadt auch an der «Badergass», der heutigen Zinnengasse vorbeigekommen. Dort hatte ein gewisser Johann Heinrich Wiser mindestens seit 1763 einen Eisenhandel betrieben.

Während Goethe 1832 verstarb, erfreut sich die von Wiser ins Leben gerufene Firma noch heute, 250 Jahre später, bester Gesundheit. Sie trägt inzwischen den Namen «Pestalozzi-Gruppe» und hat ihren Sitz in Dietikon. Geleitet wird sie aber immer noch von derselben Familie, der auch Wiser entstammte.

Heute sind es 300 Mitarbeiter

Mit seinen 250 Jahren ist der Metall- und Stahlhandelsbetrieb, der rund 300 Mitarbeiter beschäftigt und 2012 einen Umsatz von 160 Millionen Franken erwirtschaftete, eines der ältesten Unternehmen der Schweiz. Dass der von Dietrich Pestalozzi in achter Generation geleitete Familienbetrieb bereits dieses Jahr dieses spezielle Jubiläum begehen kann, ist einem wissenschaftlichen Mitarbeiter des Stadtarchives Zürich zu verdanken. Lange galt nämlich der 1788 zwischen Johann Heinrich und seinem Sohn Johann David Wiser geschlossene Vertrag als Ursprung der Firma.

Der Archivar entdeckte in der Sammlung «Monatliche Nachrichten einiger Merkwürdigkeiten», jedoch eine Taufmeldung. Daraus geht hervor, dass besagter Johann Heinrich Wiser schon 1763 einen Eisenhandel führte. Als Johann Heinrich das Geschäft seinem Sohn Johann David Wiser vermachte, wechselte auch der Standort des Unternehmens. Es war fortan in einem an die Aussenmauer des Fraumünsters angebauten «Lehenladen» untergebracht. Die Lage am Münsterhof, dem damaligen Messeplatz Zürichs, war vorzüglich gewählt. Dort legten die Ledischiffe an.

Die zentrale Rolle des Münsterhofs

Der Münsterhof spielte eine wichtige Rolle in der Geschichte der Firma. 1835 erwarb Johann David Wiser zusammen mit seinen Söhnen das Haus «zur Farb» am Münsterhof 12. Es diente während Jahrzehnten ausschliesslich Wohnzwecken der Familie. Weitere Häuser folgten. Zur gleichen Zeit setzte ein Wandel ein, der auch die Firma der Familie Wiser beeinflussen sollte. Eisenbahnen revolutionierten den Verkehr, der Telegraf kam auf und die Post wurde verstaatlicht. 1850 trat zudem mit Rudolf Alexander Pestalozzi-Wiser der «1. Pestalozzi» in die Firma seines Schwiegervaters ein.

Mit Rudolf Alexanders Söhnen Friedrich Otto und Ernst Pestalozzi, der fünften Generation, änderte sich 1891 der Firmenname in «Gebr. Pestalozzi». In jene Ära fiel auch ein starkes Wachstum. Zwischen 1870 und 1920 stieg der Personalbestand von 3 auf 49 Büroangestellte und von 5 auf 75 Arbeiter. Während der Warenumsatz bis 1893 nie über einer Million Franken lag, erhöhte er sich mit der Stadtvereinigung und der damit verbundenen Bautätigkeit auf das Dreifache. Um den gestiegenen Platzbedarf zu decken, wurde 1906 beim Bahnhof Wollishofen ein Geschäftshaus gebaut.

Dieser Standort wurde mehrmals ausgebaut. Dafür verantwortlich zeichneten Rudolf Pestalozzi und Fritz Burckhardt. Mit Letzterem kam über verwandtschaftliche Beziehungen ein weiterer Familienzweig ins Geschäft. Ab 1911 hiess die Firma «Pestalozzi & Co». Unter diesem Namen vollbrachte das Unternehmen gleich zwei Pioniertaten. Als erste Firma in Zürich führte sie den freien Samstagnachmittag ein. 1932 gründete sie – 53 Jahre vor dem Bundesgesetz über die berufliche Altersvorsorge – ihre Pensionskasse.

Nach dem 2. Weltkrieg, als die Verkaufszahlen wieder anstiegen, wurden die Lagerverhältnisse in Wollishofen allmählich zu eng. In Zusammenarbeit mit der Bürgergemeinde Dietikon und der Firma Maag Zahnräder AG konnte die Erschliessungsgesellschaft Lerzen gegründet werden. Von 1959 bis 1987 wurden die Armierungsstahl-Biegerei und dann elf Lagerhallen erstellt sowie das Träger-Center und die Biegerei ausgebaut. 1979 erfolgte die Umwandlung der Firma in eine Aktiengesellschaft. 1981 war das Bürohaus bezugsbereit.

Mit Dietrich Pestalozzi und Dieter Burckhardt übernahm 1988 die 8. Generation das Unternehmen. Nach einer Periode der Diversifikation und des Erwerbs verschiedener Tochtergesellschaften folgte ab 1990 eine Phase der Konsolidierung. Ende 2000 verkaufte Dieter Burckhardt mangels Nachfolger in der eigenen Familie seinen Aktienanteil von 50 Prozent an Dietrich Pestalozzi, der fortan die Gesamtleitung der Firmengruppe innehatte. 2009 wurde Matthias Pestalozzi in den Verwaltungsrat gewählt. Als Vertreter der neunten Unternehmergeneration wird er in den nächsten Jahren die Verantwortung für die Führung des Unternehmens übernehmen.