Schlieren

Pensionierter Metzger Lüthi sorgt für die brütende Ente

Heinrich Lüthi auf seiner Terrasse

Heinrich Lüthi auf seiner Terrasse

Die Natur birg Gefahren für die brütende Stockente - doch die weiss sich zu helfen und lässt sich dabei auch gerne von Heinrich Lüthi helfen. Der pensionierte Metzger macht das nicht erst seit gestern.

Links rattern Züge vorbei, rechts erstrecken sich weitläufig die Industriefabriken. Dazwischen, in einem Pflanzentopf auf der Terrasse des Rentners Heinrich Lüthi, brütet eine Ente zwölf Eier aus.
«Ende März ist sie zum erste Mal gekommen, um das Nest zu bauen», erzählt Lüthi. «Danach ist sie regelmässig wiedergekommen und hat über mehrere Tage hinweg ihre Eier gelegt.» Dazwischen sei sie immer wieder ausgeflogen - bis sie vor ein paar Tagen mit Brüten begonnen hat.

Nun thront sie wie eine Königin in dem Topf, über ihr das grünende Gestrüpp der Pflanze. Um den Eiern genügend Wärme zu geben, hat sie sich ihren Flaum ausgezupft und daraus ihr Nest gemacht.

Dächer sind beliebte Brutstätten

Die Entendame fühlt sich offensichtlich wohl bei dem 82-Jährigen ehemaligen Metzger - bereits zum fünften Mal hat sich das Tier bei Lüthi eingenistet.
Warum aber hat das Tier ausgerechnet Lüthis Terrasse als Brutstätte gewählt? Er selbst vermutet, dass die Ente damit Zuflucht suche vor potenziellen Nestplünderern. Michael Schaad, Biologe bei der Vogelwarte Sempach, bestätigt diesen Verdacht: «Stockenten, die sich auf Flachdächern einnisten, um ihre Eier auszubrüten, sind ein bekanntes Phänomen.»

Damit suchten sie tatsächlich Schutz vor Wildtieren - gerade vor Füchsen und Mardern seien die Enten auf Dächern sicher. «Vögel suchen sich ihren Lebensraum nach zwei Kriterien aus: Einerseits, ob genügend Futter vorhanden ist und andererseits, ob er als Brutort sicher ist.»

Kühne Kücken muss man schützen

«Die Stockente ist sehr anpassungsfähig. Der Bestand hat auf die Siedlungsausweitung positiv reagiert», sagt Lüthi. Das clevere Tier weiss sich offensichtlich zu helfen - findet es in der Natur nicht die richtigen Brutverhältnisse, sucht es sie eben in der Stadt.

Dies ist laut Schaad nicht unproblematisch. «Stockenten sind Nestflüchter. Die Kücken verlassen das sichere Nest kurz nachdem sie geschlüpft sind.» Fliegen könnten sie jedoch erst nach etwa 60 Tagen. «Bis dahin halten sie sich auf dem Wasser auf.» Ist die Entenfamilie jedoch auf einem Dach in der Stadt, ist ein Gewässer in der Regel weit weg.

Zudem ist der Weg dorthin mit zahlreichen Hindernissen versperrt: Zuerst müssen die Enten die Brüstung des Flachdachs überwunden werden, danach oft gar mehr als eine Strasse überqueren. Will man die Tiere vor dem Umkommen retten, muss man sie selber ans Wasser bringen.

Auch Lüthi trägt die Kleinen eigenhändig zum Fluss, sobald die Kücken geschlüpft sind. Dabei hilft ihm eine Bekannte, die selber an der Limmat lebt und die Tiere jeweils mit einem Käfig holen kommt. «Vorher lasse ich sie allerdings noch einige Tage bei mir auf der Terrasse herumwatscheln», sagt Lüthi.

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