Fahrplanwechsel
Pendler geraten nicht aufs Abstellgleis

Am Montagmorgen mussten die Pendler aufpassen, dass sie das richtige Gleis erwischen. Der grösste Fahrplanwechsel im Kanton Zürich seit der Gründung des Zürcher Verkehrsverbundes ging in der Stosszeit ohne Zwischenfälle über die Bühne.

Sandro Zimmerli
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Hier gehts lang! Wer den Weg zum Zug nicht fand, dem wurde geholfen
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Wo fährt nun mein Zug?
Wer sich nicht auf den Fahrplanwechsel vorbereitete, wurde womöglich etwas überrascht - ein Pendler rennt zum Perron
Fahrplanwechsel am Zürich Hauptbahnhof
Der Fahrplanwechsel ging ohne grösseren Probleme über die Bühne
Alles bestens? Abfahren!

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Mario Heller

Sie ist gut gefüllt, aber nicht brechend voll. Den Bahnhof Hardbrücke lässt sie links liegen. Nächster Halt ist der Hauptbahnhof. Viele Reisende verlassen dort die S 19, für diejenigen die sitzen bleiben, geht es weiter nach Oerlikon. Manch einer, der ausgestiegen ist, schaut sich auf dem Perron zuerst um, muss sich orientieren. Bislang sind Pendler aus dem Limmattal im Bahnhof Museumsstrasse angekommen. Nicht so die S 19. Die neue S-Bahn-Linie, die Dietikon mit Zürich-Nord verbindet, hält im unterirdischen Durchgangsbahnhof Löwenstrasse. Auch verschiedene Schnellzüge des Fernverkehrs fahren neuerdings dort ab. Mit der Fertigstellung der Durchmesserlinie und dem damit verbundenen Fahrplanwechsel, dem anspruchvollsten seit elf Jahren, ist der Hauptbahnhof endgültig ein Durchgangs- und kein Kopfbahnhof mehr.

Oder anders gesagt: «Alles, was durch den Hauptbahnhof fährt, ändert», wie es Dominik Brühwiler, leitender Verkehrsplaner des Zürcher Verkehrsverbundes, unlängst auf den Punkt brachte. Im Zuge dieser Änderungen beim Bahnverkehr sind auch die Busfahrpläne rund um Zürich angepasst worden. So verkehren etwa die Busse zwischen Unterengstringen und Frankental in den Stosszeiten in einem 7,5-Minuten-Takt. Morgens Richtung Frankental, abends Richtung Unterengstringen. Wichtigste Neuerung für das Limmattal ist die S 19. Sie verkehrt zwischen Dietikon und Effretikon im Halbstundentakt, zusätzlich zum schon bestehenden Viertelstundentakt mit S3 und S12.

350 Kundenbetreuer im Einsatz

Obwohl der Fahrplan bereits am Sonntag umgestellt wurde, folgte die Feuertaufe für die SBB erst am Montagmorgen mit dem Pendlerverkehr. Am Zürcher Hauptbahnhof zeigt sich schnell, dass sich die meisten Reisenden schon vorab über die neuen Abfahrtszeiten und Perrons informiert haben. Nur wenige haben Orientierungsschwierigkeiten. Hilfe finden sie bei den mit gelben Westen ausgestatteten Kundenbetreuern der SBB. Alleine am Hauptbahnhof sind 25 von ihnen im Einsatz, schweizweit gar rund 350. Viel zu tun haben sie nicht.

«Die Menschen in der Schweiz sind reisegewandt. Sie finden sich schnell zurecht», sagt eine von ihnen. Etwas ungewohnt sei es für diejenigen Pendler, die neu im Bahnhof Löwenstrasse ankommen und daher nicht an ihrem gewohnten Perron aussteigen müssen. Nach zwei oder drei Tagen würden sich aber auch diese Reisende an die Umstellung gewöhnt haben. Das zeige die Erfahrung früherer Fahrplanwechsel.

Pendler helfen sich gegenseitig

Ihr Kollege, der sich oberhalb der Rolltreppe des Bahnhofs Löwenstrasse positioniert hat, bestätigt diesen Eindruck. «Die meisten Reisenden wissen, wohin sie müssen. Zur Sicherheit fragen sie bei mir aber nochmals nach», sagt er. Nur wenige hätten die Orientierung verloren. Sie würden etwa danach fragen, wo es zur Sihltalbahn oder an die Bahnhofstrasse gehe. «Ich habe mich bereits im Voraus über die Änderungen auf meinem Arbeitsweg informiert. Das geht heutzutage ja ganz einfach», meinte ein Pendler. Er habe den neuen Abfahrtsort seines Zuges auf Anhieb gefunden. Ein anderer sagt, dass er nach dem Aussteigen zuerst in die falsche Richtung gegangen, dann aber auf Nachfrage bei einem Kundenbetreuer zum richtigen Abfahrtsort geschickt worden sei. «Nun weiss ich, wohin ich künftig muss.» Wo gerade kein Kundenbetreuer in Sicht ist, helfen sich die Pendler untereinander aus.

Bei den SBB ist man dann auch zufrieden mit dem gestrigen Stresstest. «Die Kunden haben sich sehr schnell zurechtgefunden», sagt Mediensprecherin Lea Meyer. Gewisse Pendler hätten sich noch etwas orientieren müssen, etwa auf dem Perron selber, weil sich der Speisewagen oder die 2. Klasse nicht mehr am gewohnten Ort befinde. Man sei darüber hinaus auch froh, dass es zu keinen technischen Störungen gekommen sei. «Solche Faktoren lassen sich nicht beeinflussen, können aber an einem solchen Tag zu Hektik führen», so Meyer.

Obschon der Fahrplanwechsel für die Mitarbeiter der SBB einigen Stress mit sich bringe, sei sie nicht nervös gewesen, jedoch ein wenig angespannt. «Der Fahrplanwechsel wird über ein Jahr geplant. Rund 5000 Dienstpläne haben wir in dieser Zeit angepasst und mehrere Tausend Mitarbeiter geschult», sagt Meyer. Da hoffe man, dass nichts Unvorhersehbares geschehe. Zudem könne man im Vorfeld so viel kommunizieren wie man wolle, erst in der Praxis zeige sich, ob es funktioniert. «Und dies war an diesem Morgen der Fall.»

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