Sommerserie
Patrouillen durch den Garten braucht es nicht

Für das friedliche Zusammenleben im Schrebergarten sind Regeln nötig - aber auch Toleranz. Es gilt im Allgemeinen: Erlaubt ist, was nicht stört - mit wenigen Einschränkungen.

Bettina Hamilton-Irvine
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Erlaubt ist, was nicht stört - mit wenigen Einschränkungen.
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Die «Wegleitung für ein Baugesuch» beim Eingang.
Das Wasser wird geteilt. Sparsamkeit ist Trumpf.
Der Würmligraberweg wurde von den Pächtern so benannt
Sommeridylle auf dem Areal Bach 1 des Familiengartenvereins Urdorf
Ein Gartenzwerg bewacht diesen äusserst gepflegten Garten
Ein Vorzeigegarten auf dem Areal Bach 1
Für den Unterhalt der Wege auf dem Areal sind die Pächter zuständig
Die idyllisch gelegenen Schrebergärten des Familiengartenvereins Urdorf

Erlaubt ist, was nicht stört - mit wenigen Einschränkungen.

Peter Webers wichtigste Regel steht nicht in der Gartenordnung des Familiengartenvereins Urdorf. Trotzdem erwartet der Präsident, dass sich alle Pächter in seinem Verein daran halten: «Man muss miteinander reden», sagt er. «So kann man die meisten Probleme lösen.» Eine Frage des gesunden Menschenverstands sei das.
Trotzdem: Wenn das friedliche Zusammenleben von 225 Pächtern auf vier Arealen mit insgesamt rund 400 Aren Fläche funktionieren soll, braucht es auch verbindliche Vorschriften. Festgehalten sind diese einerseits in den Statuten des Vereins, andererseits in der Gartenordnung und der Bauordnung.
Bitte kein Sonnenlicht stehlen
In der Gartenordnung wird zum Beispiel geregelt, dass grosskronige Hochbaumstämme im Schrebergarten verboten sind oder dass lebende Hecken oder Beerensträucher mit mindestens 80 Zentimeter Abstand zum Parzellenrand angepflanzt werden müssen. Das mache durchaus Sinn, sagt Weber, der selber seit rund 15 Jahren einen Garten auf dem Areal Bach 1 an der Birmensdorferstrasse bewirtschaftet. «Wenn Sträucher zu nahe an der Parzelle des Nachbars stehen, können die Wurzeln stören», erklärt er. Wichtig sei auch, dass die Pflanzen so ausgewählt werden, «dass anderen Gärten das Sonnenlicht nicht entzogen wird», wie Artikel 3 in der Gartenordnung festhält.
Der Kompost muss Abstand halten
Prinzipiell dürfe jedoch jeder Gärtner das anpflanzen, was er wolle, sagt Weber. Auch hier gilt im Allgemeinen: Erlaubt ist, was nicht stört - mit wenigen Einschränkungen. Dass sich Pächter über ihre Nachbarn beschwerten, komme kaum vor, so Weber. «Es gibt höchstens mal eine Reklamation, wenn jemand seinen Garten wirklich nicht pflegt.» Dann müsse man die Leute halt freundlich darauf hinweisen, dass ihr Unkraut für andere Gärtner zum Problem werde. «Die meisten verstehen das sofort», sagt Weber.
Dasselbe gelte für die Regeln zu Komposthaufen (in angemessener Distanz zu Gartenhäuschen anlegen) oder Sonntagen (keine «schwere und laute» Gartenarbeit). «Wenn man den Leuten den Hintergrund erklärt, haben sie Verständnis dafür», sagt der Informatiker und Familienvater.

Eine lustige Verzierung an der Strassentafel
7 Bilder
Bilder von den Familiengärten in Dietikon
Die dunklen Gewitterwolken lassen die Szene fast schon gespengstig wirken
Im unterirdischen Kühlschrank bleiben die Getränke frisch
Josef Bruhin pflanzt unter anderem Zwiebeln, Kohl, Kabis und Kartoffeln an
Josef Bruhin ist seit 2006 Präsident des Dietiker Familiengartenvereins In den Weinreben
Ein Gewitter zieht auf, die Pächter sind ins Trockene verschwunden

Eine lustige Verzierung an der Strassentafel

Emanuel Freudiger