Limmattaler Filmstar
Pasquale Aleardi: «TV-Quoten sind mir zu abstrakt»

Pasquale Aleardi aus Dietikon ist längst in der Welt zu Hause und auch ein gern gesehener Gast beim ZFF

Daniel Diriwächter
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Kommissar Dupin vor seinem Einsatz: Mathias Lösel, Pasquale Aleardi, Klaus Merkel und Matthias Tiefenbacher von der ARD-Serie. Foto: ARD Degeto/Wolfgang Ennenbach

Kommissar Dupin vor seinem Einsatz: Mathias Lösel, Pasquale Aleardi, Klaus Merkel und Matthias Tiefenbacher von der ARD-Serie. Foto: ARD Degeto/Wolfgang Ennenbach

ARD Degeto/Wolfgang Ennenbach

Das elfte Zurich Film Festival (ZFF) ist in vollem Gang und startete vor zwei Tagen mit einer glamourösen Eröffnungsgala im Kino Corso. Die Gästeliste war lang und exklusiv – der grüne Teppich ist schliesslich nicht für jedermann gedacht. Auch mit dabei: Pasquale Aleardi (43), der ursprünglich aus Dietikon stammt.

Pasquale Aleardi mit seiner Pop-Funk-Band 'Big Gee'.

Pasquale Aleardi mit seiner Pop-Funk-Band 'Big Gee'.

Keystone

Längst ist sein Name als Schauspieler über die Landesgrenze hinaus bekannt. Aleardi spielt in Kino- und TV-Filmen oder auch auf den Brettern, die die Welt bedeuten. Logisch, steht sein Name beim ZFF ganz oben, wenn es darum geht, der internationalen Filmwelt zu huldigen. «Das ZFF ist qualitativ sehr hochstehend und da ich vor vier Jahren selbst in der Jury sass, war es Ehrensache, der Einladung zu folgen», sagt Aleardi. Auch ist er eng mit dem Direktor Karl Spörri befreundet. So wurde aus einer Gala ein Klassentreffen, wie es Aleardi treffend beschreibt.

Im Gotthardtunnel

Rote (oder grüne) Teppiche sind sonst nicht sein Ding. «Es benötigt schon einen echten Grund, um einen solchen Auftritt zu absolvieren», weiss Aleardi. Einen eigenen Film hat er in Zürich leider nicht zu bewerben. Sein jüngster Streich, «Die Kleinen und die Bösen», lief bereits Anfang September in den Kinos. Dafür ist Aleardi auch sonst oft zu sehen. Sei es in Hollywoood-Blockbustern wie «Resident Evil», in deutschen Kinofilmen wie «Honig im Topf» oder in anspruchsvollen Fernsehfilmen wie «Stärke 6».

Sein neustes Projekt gehört ebenfalls in diese Kategorie: Es ist der historische Zweiteiler «Gotthard», der erzählen wird, wie der längste Eisenbahntunnel der Welt gebaut wurde – mit einer fiktiven Liebesgeschichte: «Es ist vielleicht das grösste Schweizer-Filmprojekt, das je gedreht wurde», meint Aleardi, der einen Schnauzer für die Rolle hat wachsen lassen. Die Co-Produktion u. a. mit ORF und ZDF wird noch bis November in Valendas, Andermatt und Luzern gedreht. Weitere Drehorte sind in Prag und Deutschland.

Entwicklung eines Kommissars

Viele Zuschauer kennen Aleardi auch als «Kommissar Dupin». Seit Frühjahr 2014 ermittelt er für die ARD in der gleichnamigen Krimireihe, der Verfilmung der Bestseller-Romane von Jean-Luc Bannalec. Es ist das erste Mal in seiner Karriere, dass Aleardi eine Figur in mehreren Episoden verkörpert – und weiterentwickelt: «Es hat mich gereizt, die Geschichte des Kommissars weiterzuerzählen und selbst Facetten des Kommissars zu entdecken». Allerdings sei er auch immer von der literarischen Vorlage abhängig. Deswegen ist Aleardi gespannt auf die nächsten zwei Romane sowie deren Drehbücher.

Die erste Folge in Spielfilmlänge mit dem Titel «Bretonische Verhältnisse» war jedenfalls ein Publikumserfolg, ebenso die Nachfolger «Bretonische Brandung» und «Bretonisches Gold» – mehr als vier Millionen Zuschauer konnten zezählt werden. Zur Auswertung dieser Zahlen hat er ein gespaltenes Verhältnis: «TV-Quoten sind mir zu abstrakt, ich kann mir kein Stadion mit einem Millionenpublikum vorstellen», meint er. Zudem habe er sich vom sogenannten Quotendruck abgekapselt. «Mir geht es um die Arbeit, um die Leidenschaft zu einer Rolle, und bisher habe ich grosses Glück, dass ich meine Rollen aussuchen darf».

Chicago, der grosse Traum

Zweifellos ein Höhepunkt seiner Karriere war sein Engagement im Musical «Chicago» letzten Winter am New Yorker Broadway. Ein Ritterschlag: Aleardi übernahm als europäischer Gaststar die männliche Hauptrolle. «Ein Traum von mir wurde war, noch vor 20 Jahren sass ich dort im Publikum, nun stand ich als Billy Flynn auf der Bühne!», erzählt Aleardi begeistert.

Kein Zweifel, der Sohn griechisch-italienischer Gastarbeiter ist ein wandlungsfähiger und viel beschäftigter Darsteller. Auch wenn der Erfolg gross wird – für ihn als ehemaliger Dietiker ist die hiesige Region immer eine Reise wert. Besonders aber Zürich selbst: «Diese Stadt ist einfach grossartig!»