Dietikon
Partys im Grünen sind ein Fall für die SIP

Ein Rundgang mit der SIP durch Dietikon gibt einen Einblick in den Alltag der Sozialarbeiter. Es ist eine von vielen Massnahmen, die Dietikon umsetzt um den Ort sauber und sicher zu halten.

Sarah Serafini
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16 Uhr: Es ist ruhig um den Bahnhof Dietikon. Der Brezelkönig bäckt seine Brezel, der Kioskmann verkauft seine Glaces und die Sonne brennt gnadenlos auf die Strasse.

Ein Auto hält auf dem Parkplatz hinter dem Bahnhof. Zwei uniformierte Personen steigen aus. Barbara Hari und Yahya al-Omari tragen Jeanshosen und auf der blauen DietikonWeste, die sie über dem T-Shirt tragen, steht auf der Rückseite geschrieben: SIP Dietikon.

«Wir suchen das Gespräch»

Seit Mitte März patrouilliert die SIP (Sicherheit, Intervention, Prävention) regelmässig in Dietikon. Es ist eine von verschiedenen Massnahmen, die die Stadt ergriffen hat, um die Sicherheit und Sauberkeit im Zentrum zu erhöhen (siehe Box). Der Einsatz der SIP ist ein Pilotprojekt, das bis Ende August läuft. Dann wird Bilanz gezogen, ob es die SIP in Dietikon weiterhin geben soll.

Pilotprojekt SIP: Eine von verschiedenen Massnahmen

Der Legislaturschwerpunkt von Dietikon lautet «Dietikon ist sauber und sicher». Um dieses Ziel zu erreichen, hat die Stadt bereits verschiedene Massnahmen ergriffen. Im Zentrum und entlang der Limmat wurden mehr Abfalleimer installiert, die Polizeipräsenz am Bahnhof wurde erhöht und in der öffentlichen WC-Anlage gibt es neu eine Überwachungskamera.
Zudem hat sich Dietikon bei der SIP Zürich 230 Patrouillenstunden für 30 000 Franken eingekauft. Ende August wird das «Pilotprojekt SIP» ausgewertet. Der Stadtrat muss dann entscheiden, ob er in Dietikon weiterhin SIP-Patrouillen will.
Heinz Illi, Sicherheits- und Gesundheitsvorstand, findet, dass die Stadt weiterhin die Präsenz einer SIP braucht: «Die SIP ist näher dran als die Polizei. Die Erfahrungen, die wir bisher sammeln konnten, sind gut.» Die SIP Dietikon sei eine gute Ergänzung zur Polizei, die dadurch weniger oft wegen Kleinigkeiten ausrücken müsse, so Illi. (Sar)

Hari und al-Omari beginnen ihren Rundgang beim Platz vor dem Coop Pronto, vis-à-vis vom Bahnhof. Dort stehen ein paar Bänke, eine beliebte Sitzgelegenheit für Jugendliche oder obdachlose Personen. Laut Hari komme es vor allem bei grösseren Gruppen vor, dass Bierdosen und Abfall am Schluss am Boden liegen gelassen würden: «Wir suchen dann mit den Leuten das Gespräch und versuchen unser Anliegen, den Platz sauber zurückzulassen, zu deponieren.»

Al-Omari ergänzt, dass er niemanden zwingen könne, mit ihm zu sprechen. Manchmal sei die Stimmung so aggressiv, dass er sich lieber wieder zurückziehe: «Aber auch das hat seine Wirkung auf unsere Klienten. Sie sehen, dass wir ihnen Respekt entgegenbringen, und erinnern sich vielleicht daran, wenn wir ein nächstes Mal auf sie zugehen.»

Heute aber ist es zu heiss, um das Bier vor dem Coop Pronto zu trinken. Hari und al-Omari vermuten, dass sich die meisten Leute in die Nähe des kühlen Nass verzogen haben. Sie setzen ihren Rundgang fort.

Eine freudige Begrüssung

Beliebte Treffpunkte für Jugendliche sind laut der SIP Dietikon die Treppe hinter dem Busbahnhof, die zu den Veloparkplätzen führt, oder der Kirchplatz hinter der katholischen Kirche, wo Bäume Schatten spendend neben Bänken stehen. Aber auch dort ist es heute ruhig. Hari und al-Omari spazieren zurück an den Bahnhof und von dort durch die Unterführung Richtung Limmat.

Sie hören die Musik schon von weitem. Auf der Nötzliwiese tanzen zwei Männer zu elektronischer Musik, die aus einer kleinen Box tönt. Hinter ihnen sitzen zwei weitere Männer neben einem Zelt, das sie auf der Wiese aufgeschlagen haben. Der eine bemerkt die sich nähernde SIP und tanzt sich zum Abfalleimer, wo er sich seiner Bierdose entledigt.

Der andere schmeisst, kurz bevor Hari und al-Omari vor ihm stehen, seinen Joint ins Gebüsch und begrüsst die zwei überschwänglich. Hari kennt den Mann von früheren Patrouillen: «Sind das deine Freunde?» Freundlich beginnt sie ein Gespräch und versucht herauszufinden, wie viele Leute die nachmittäglichen Partyveranstalter noch erwarten.

Der Mann plaudert munter, erzählt, dass er jetzt obdachlos sei und wie wenig Geld er von der Sozialhilfe bekomme. Die Stimmung ist friedlich. Al-Omari fragt, wo er und seine Freunde auf die Toilette gehen, und mahnt sie, den Platz sauber zu verlassen. Beim Weggehen fügt Hari an: «Schaut doch bitte einfach, dass heute die Polizei nicht vorbeikommen muss.» Die Männer grölen und winken zum Abschied.

Vorteil gegenüber der Polizei

«Der war total auf Speed», sagt Hari. Dass sich der Mann richtig gefreut hat, als er die SIP sah, sei ein gutes Zeichen. «Das zeigt, dass wir einen Zugang zu den Leuten aufbauen konnten.» Al-Omari meint, dass es gut möglich sei, dass er und seine Kollegin am späteren Abend nochmals bei dem provisorischen Zeltlager auf der Nötzliwiese vorbeigingen, um zu schauen, ob es Lärmklagen gibt und ob die Feiernden ihren Abfall entsorgt haben.

«Wir haben gegenüber der Polizei einen Vorteil. Wir gehen auf die Leute zu, um mit ihnen zu sprechen», so Hari. Die Polizei komme meist mit einem konkreten Auftrag, um die Leute vom Platz zu weisen oder sie zu verhaften. «Ich komme mit einer Botschaft. Darum mag ich meinen Job.»