Schlieren

Parteien befürchten Mehrverkehr wegen geplanter Eventhalle

Mehrverkehr, Lärmbelastung und Littering befürchten viele Schlieremer Politiker wegen der Eventhalle. zvg

Mehrverkehr, Lärmbelastung und Littering befürchten viele Schlieremer Politiker wegen der Eventhalle. zvg

Die SP vermutet, dass es zu «grossem Verkehrsaufkommen» kommen könnte, da «Event- und Kongressbesucher nur zum Teil mit dem öffentlichen Verkehr an diese Kongresse fahren» würden. Die EVP, SVP und der Quartierverein sind derselben Ansicht.

Eine Umfrage bei den Schlieremer Parteien zeigt, dass die Umgestaltungspläne des Stadtrats für das Zentrum bei Politikern aller Couleurs auf Skepsis stossen. Letzte Woche gaben die Behörden bekannt, dass am Stadtplatz eine Eventhalle mit Platz für 3000 bis 6000 Personen sowie ein Geschäfts- und Gewerbehochhaus mit Hotel und ein öffentlicher Kulturplatz entstehen sollen, um das Stadtzentrum zu beleben (Artikel vom 17. Mai). Stadthalle und Hochhaus würden durch den Zürcher Kultur- und Eventveranstalter X-Tra und andere private Investoren finanziert und betrieben.

Befürchtungen äusserten die Parteien insbesondere gegenüber den Auswirkungen eines Kongress- und Eventzentrums auf den Verkehr im Zentrum. Die SP vermutet etwa, dass es zu «grossem Verkehrsaufkommen» kommen könnte, da «Event- und Kongressbesucher nur zum Teil mit dem öffentlichen Verkehr an diese Kongresse fahren» würden.

Auch EVP, Quartierverein und SVP teilen diese Meinung. Der Präsident der Grünen, Beat Rüst, begrüsst zwar den mit der Belebung des Zentrums verbundenen Imagegewinn der Stadt, mahnt aber, dass der motorisierte Individualverkehr «unbedingt klein gehalten werden» müsse.

Spurerweiterung für den Kreisel?

Die CVP betont, dass in Bezug auf das Vorhaben des Stadtrats noch «zu viele Fragen offen» seien, um es abschliessend beurteilen zu können. Es stelle sich aber die Frage, ob das mit der Eventhalle verbundene Verkehrsaufkommen mit einem einspurigen Kreisel bewältigt werden könne. «Eine zweite Spur von der Uitikonerstrasse zur Engstringerbrücke müsste zumindest in Betracht gezogen werden», schreibt Parteipräsident Stefano Kunz.

Wohlwollende Worte für die Pläne der Stadt fand vor allem die FDP. Sie bezeichnet sie als «eine logische Fortsetzung der Stadtentwicklung» hin zu einem Schlieren «mit dem Gesicht einer Stadt». Sie begrüsst, dass der Stadtrat private Investoren dafür gewinnen will, Raum für das kulturelle Leben der Stadt zu schaffen, wie Parteipräsidentin Angelsberger schreibt.

Dieses Vorgehen sei «in finanzieller Hinsicht interessant für die Stadt». Auch die FDP verlangt aber, dass der Stadtrat die Einflüsse der geplanten Stadthalle und des Geschäftshochhauses auf die Verkehrsströme aufzeigt und das Verkehrskonzept eventuell entsprechend anpasst. Die flankierenden Massnahmen seien «eine Bedingung für die Akzeptanz der Umgestaltung im Zentrum».

Nicht nur der befürchtete Mehrverkehr, den Tausende Besucher des Event- und Kongresszentrums in der Stadthalle jährlich mit sich bringen würden, beunruhigt die Schlieremer Parteien. Auch wegen des damit verbundenen Abfalls und Lärms erwarten sie Probleme, die auf die Stadt zukommen.

SVP-Präsident Rudolf Dober geht etwa davon aus, dass bei Grossanlässen mit «verstärktem Lärm und Littering» zu rechnen sei. Seine Partei bezeichnet das Projekt des Stadtrats zwar als «auf den ersten Blick verlockend», will aber wissen, wer für die Aufräumarbeiten aufkommen werde. Auch EVP und CVP äussern Bedenken wegen der Abfall- und Lärmprobleme, die Grossveranstaltungen mit sich bringen.

Zentrum soll Bevölkerung dienen

SP, EVP und Quartierverein zeigen dem Vorhaben der Stadt gegenüber die ablehnendste Haltung. Sie bezweifeln, dass eine Stadthalle nach der Vorstellung der Investoren und der Exekutive mit dem Geschäfts- und Gewerbehaus zur beabsichtigten Belebung des Zentrums beitragen.

Bei 75 von 150 geplanten jährlichen Veranstaltungen handle es sich um Abendveranstaltungen, schreibt etwa EVP-Präsident Reto Bär. «In diesen Fällen ist es zweifelhaft, dass die auswärtigen Besucher den bestehenden Geschäften Mehrnutzen bringen werden.»

Man brauche in erster Linie ein Zentrum als Begegnungsort für die Einwohner der Stadt, um sie davon abzuhalten, auswärts einzukaufen. «Dafür braucht es aber keine Halle für 6000 Leute», schreibt Bär.Auch der Quartierverein bezeichnet das Projekt des Stadtrats als «eine Nummer zu gross» und die Idee der Belebung der Geschäfte mithilfe einer Eventhalle als «Illusion». Ein Stadtzentrum müsse der Schlieremer Bevölkerung dienen und nicht in erster Linie den Auswärtigen, erklärt Fraktionschef Jürg Naumann.

Die SP gibt zu bedenken, dass es Event-Besuchern nicht wichtig sei, «ob ein Event in Dübendorf, Oerlikon oder in Schlieren stattfindet». Sie bezweifelt deshalb, dass die geplante Stadthalle das Zentrum «im gewünschten Sinne belebt», wie SP-Präsidentin Béatrice Bürgin schreibt. Ihre Partei fordert vom Stadtrat andere Nutzungsvorschläge für die Stadthalle.

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