Dietikon

Parteichef über Skandal um Moshe: «Ich empfinde es als Attacke auf mich»

«Alexander Moshe ist eine sehr nette Person und solche Handlungen, wie sie nun publik wurden, traut man ihm nicht zu», sagt Ernst Joss (links).

«Alexander Moshe ist eine sehr nette Person und solche Handlungen, wie sie nun publik wurden, traut man ihm nicht zu», sagt Ernst Joss (links).

AL-Chef Ernst Joss bezieht Stellung zum Skandal um Gemeinderatskandidat Alexander Moshe. Eine solche Sache lasse sich kaum verhindern, sagt er.

Alexander Moshe kandidierte für die Alternative Liste für den Dietiker Gemeinderat. Am Wochenende wurde jedoch bekannt, dass er wegen Sachbeschädigung, Verleumdung, Beschimpfung, Drohung, Nötigung und Betrug verurteilt wurde. Zudem verfügte das Bezirksgericht Dietikon ein Rayonverbot, wonach sich Moshe Sozialvorstand Roger Bachmann (SVP) nicht nähern darf. Ernst Joss, AL-Präsident und Spitzenkandidat bei den Gemeinderatswahlen von Sonntag, nimmt Stellung.

Herr Joss, fuchst es Sie, dass Sie nichts von den Taten Ihres Kandidaten Moshe wussten?

Ernst Joss : Natürlich ärgert mich dies grenzenlos. Ich verurteile Gewaltandrohungen, egal gegen wen, aufs Schärfste. Erst kurz vor der Publikation des Artikels erfuhr ich davon und habe auch sofort reagiert.

Wie?

Ich teilte Herrn Moshe mit, dass er bei einer allfälligen Wahl auf einen Sitz im Gemeinderat verzichten muss. Faktisch ist er kein Kandidat mehr.

Haben Sie dies schriftlich?

Am Wochenende erhielt ich seine Verzichterklärung per Mail, gestern noch einen unterschriebenen Brief. Er wird auf eine allfällige Wahl und ein Nachrücken verzichten. Es ist aber auch wichtig zu sagen, dass Herr Moshe auf dem hintersten Listenplatz kandidiert, wo er null Wahlchancen hat.

Wie reagierte Herr Moshe?

Er entschuldigte sich für den Schaden, den er der Partei zugefügt hat, war reuig und sofort bereit, die Verzichterklärung zu verfassen. Er ist eine sehr nette Person und solche Handlungen, wie sie nun publik wurden, traut man ihm nicht zu. Eventuell reagiert er recht unkontrolliert, wenn er sich ungerecht behandelt fühlt.

Wie gross ist dieser Schaden Ihrer Meinung nach?

Das ist schwer zu sagen. Durch meine langjährige Tätigkeit im Dietiker Gemeinderat habe ich mir den Ruf eines seriösen Politikers erarbeitet, denke ich. Da die Wählerinnen und Wähler nun wissen, dass Moshe faktisch kein Kandidat mehr ist, hoffe ich, der Schaden für die AL hält sich in Grenzen. Man darf nicht vergessen: Jemand steckte dem «Blick» diese Information zu. Ich empfinde dies als eine direkte Attacke auf mich und meinen Gemeinderatssitz. Dass man dabei auf eine Boulevardzeitung setzt, spricht Bände.

Wie hätten Sie rückblickend den Kandidaten Moshe verhindern können?

Ohne zugesteckte Informationen ist das Aufdecken solcher Geschichten schwierig. Zudem: Allen Parteien fehlt es in jüngster Zeit in Dietikon an genügend Kandidaten, die sich für ein Amt aufstellen lassen. Zudem: Es ist unmöglich, alles über ein Parteimitglied zu wissen. Bruno Zuppiger, der für die SVP beinahe in den Bundesrat gewählt wurde, kurz davor aber über einen Veruntreuungsskandal stolperte, ist hierfür ein Paradebeispiel. Solche Zwischenfälle sind ärgerlich, lassen sich aber letztlich nicht vollständig verhindern.

Trotzdem: Bereits anlässlich der Kantonsratswahlen vom kommenden Jahr muss die AL wieder eine Liste erstellen. Worauf achten Sie?

Dazu müssen wir uns erst noch Gedanken machen. Vielleicht würden uns Gespräche mit dem Umfeld der Person ein besseres Gesamtbild geben. Von allen Kandidaten einen Strafregisterauszug zu verlangen, würde wohl zu weit gehen. Ob aber ein längeres Gespräch mit vier Personen, wie es die SVP Dietikon macht, einen solchen Skandal aufgedeckt hätte, wage ich zu bezweifeln. Ich sprach auch mit Alexander Moshe und habe solche Probleme nicht kommen sehen.

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