Kommentar
Partei-Dynastie infrage stellen

Gabriele Heigl
Merken
Drucken
Teilen
 Ratspräsident Martin Romer will nicht mehr in der FDP sein. Er tritt per sofort aus der FDP aus.
6 Bilder
 Wahl zum Gemeinderatspräsidenten. Im Bild: Esther Sonderegger, Markus Erni und Martin Romer.
 Der ehemalige Hochleistungsschwimmer Martin Romer in seinem Ciné Capitol in Dietikon.
Kopie von Martin Romer
 Am Ausflugsanlass des Dietiker Gemeinderats. Dietikons Gemeindepräsident Martin Romer überraschte seine Kollegen mit einem sportlichen Ausflugsprogramm. Er bot zwei Weltmeister auf, um seine Gäste für ein Tischfussball-Turnier fit zu machen.
 Apéro des Ja-Komitees im Hotel Sommerau zur Abstimmung "Gestaltungsplan Silbern" in Dietikon im Jahr 2012. Im Bild zu sehen sind Martin Romer (FDP), Markus Erni (SVP), Thomas Wirth (EVP) und Josef Wiederkehr (CVP).

Ratspräsident Martin Romer will nicht mehr in der FDP sein. Er tritt per sofort aus der FDP aus.

Zur Verfügung gestellt

In sachlichen, betont emotionslosen Worten wickelte Martin Romer am Dienstag seine 16 Jahre währende Parteimitgliedschaft in der FDP ab. Er trat aus allen Gremien aus und ist bis auf weiteres als Parteiloser unterwegs. Mit keinem Wort liess er sich über seine Motive für diesen harten Schnitt aus. Überraschend kam er indes nicht.

Vergangene Woche musste der Gemeinde- und Kantonsrat und diesjährige Gemeinderatspräsident einen Tiefschlag einstecken. Seine Partei hatte bei der Nomination zur Stadtratskandidatur den jungen Gemeinderat Philipp Müller ihm vorgezogen. Müller ist Mitglied einer einflussreichen Dietiker FDP-Familie. In seinem Vater, Stadtpräsident Otto Müller, hat er einen starken Fürsprecher in der Partei. Auch sein Bruder Raphael ist Mitglied. Die Partei verweist auf die Fairness und Transparenz bei der Nomination und auf demokratische Gepflogenheiten. Dennoch kann man den Einfluss einer starken Familien-Dynastie im demokratischen Willensbildungsprozess durchaus hinterfragen.

Man kennt Martin Romer als impulsiven, ambitionierten Mann, der sich nicht scheut, anzuecken. Daher ist es nicht abwegig, als Ursachen für den Parteiaustritt auch Ärger, gekränkte Eitelkeit und Enttäuschung über die Abfuhr durch die Parteifreunde zu vermuten. Wenn dem so ist, tut er gut daran, diese Gefühle nicht zu artikulieren. Denn das Wählervolk goutiert es nicht, wenn es Politikern statt um Sachfragen nur um Postenschacherei und Personalien geht.