In sachlichen, betont emotionslosen Worten wickelte Martin Romer am Dienstag seine 16 Jahre währende Parteimitgliedschaft in der FDP ab. Er trat aus allen Gremien aus und ist bis auf weiteres als Parteiloser unterwegs. Mit keinem Wort liess er sich über seine Motive für diesen harten Schnitt aus. Überraschend kam er indes nicht.

Vergangene Woche musste der Gemeinde- und Kantonsrat und diesjährige Gemeinderatspräsident einen Tiefschlag einstecken. Seine Partei hatte bei der Nomination zur Stadtratskandidatur den jungen Gemeinderat Philipp Müller ihm vorgezogen. Müller ist Mitglied einer einflussreichen Dietiker FDP-Familie. In seinem Vater, Stadtpräsident Otto Müller, hat er einen starken Fürsprecher in der Partei. Auch sein Bruder Raphael ist Mitglied. Die Partei verweist auf die Fairness und Transparenz bei der Nomination und auf demokratische Gepflogenheiten. Dennoch kann man den Einfluss einer starken Familien-Dynastie im demokratischen Willensbildungsprozess durchaus hinterfragen.

Man kennt Martin Romer als impulsiven, ambitionierten Mann, der sich nicht scheut, anzuecken. Daher ist es nicht abwegig, als Ursachen für den Parteiaustritt auch Ärger, gekränkte Eitelkeit und Enttäuschung über die Abfuhr durch die Parteifreunde zu vermuten. Wenn dem so ist, tut er gut daran, diese Gefühle nicht zu artikulieren. Denn das Wählervolk goutiert es nicht, wenn es Politikern statt um Sachfragen nur um Postenschacherei und Personalien geht.