Mit enormem Schwung ging der Dietiker Gemeinderat nach den Sommerferien am Donnerstag wieder an die Parlamentsarbeit. Viele Geschäfte wurden behandelt, es gab einiges zu diskutieren und obendrein noch einen kleinen Eklat. Denn bei den Abstimmungen zum ersten Punkt «Antrag auf Teilrevision der Gemeindeordnung» gab es bei der Fraktion der Grünen Verwirrung.

Die Teilrevision der Gemeindeordnung hatte zum Ziel, die Anzahl der Schulpflegemitglieder von 17 auf 7 zu reduzieren. Im gleichen Zuge sollten die Schulpflege professionalisiert, die Ressorts abgeschafft, eine dreiköpfige Geschäftsleitung installiert sowie eine neuen Pädagogikleiterstelle geschaffen werden. Bereits die Präsidentin der Geschäftsprüfungskommission (GPK) Catherine Peer (SP) äusserte sich wenig begeistert. Die GPK sei grossmehrheitlich gegen den Antrag. Die rechtlichen Grundlagen seien noch unklar. Ausserdem sei man nicht der Ansicht, dass die Anzahl der Schulpflegemitglieder reiche. Am Ende stellte sie den Antrag, nicht auf sieben, sondern auf neun Mitglieder zu reduzieren.

Reto Siegrist (CVP) befürwortete zwar den angedachten Wechsel vom Geschäftsführer- zum Geschäftsleitungsmodell. Aber in der Fraktion sei festgestellt worden, dass für einen Entscheid zugunsten des Antrages einige Informationen fehlen, unter anderem, weshalb genau 7 und nicht 13 oder weiterhin 17 Schulpfleger die richtige Grösse seien. «Ausserdem sollte der neue Stadtrat, der das Schulressort übernimmt, nicht vor vollendete Tatsachen gestellt werden.» «Insgesamt zu unausgegoren», befand Siegrist und erwies sich in der Rückschau als der härteste Gegner des Antrags.

Auch in der SVP war man nicht uneingeschränkt überzeugt von dem Antrag. Anton Felber (SVP): «Wir haben uns gefragt, ob das der richtige Zeitpunkt ist.» Die Abstimmungen für das neue Vorschulgesetz seien offen, und man wisse nicht, was komme. Ausserdem monierte Felber, dass zu wenig Zeit zum Prüfen des Antrags gewesen sei. «Es hat den Anschein, dass wieder mal etwas durchgedrückt werden soll.» Die Rücksprache mit den Schulpflegern habe aber die Fraktion dann doch dazu bewogen, dem Antrag zuzustimmen.

Olivier Barthe (FDP) wählte harte Worte. Der Antrag sei eine «Mogelpackung», und seine Fraktion werden nicht zustimmen. Ein Vorwurf, den Schulpfleger Jean-Pierre Balbiani zurückwies. Intensive Sitzungen und Workshops seien durchgeführt, und der Antrag sei minutiös vorbereitet worden.

Martin Steiner (SP) meinte: «Die Schule möchte sich professionalisieren, und die Fraktion AL/SP begrüsst das grundsätzlich.» Aber sechs Schulpfleger würden wahrscheinlich zu wenig sein. Lucas Neff (GP) dagegen fand, dass die Diskussion an vielen Stellen am Thema vorbeiginge. Grundsätzlich könne die Exekutive der Schule Vieles selbst entscheiden. Schliesslich fasste er zusammen: «Heute ist die letzte Gelegenheit, um die Weichen für die nächste Session zu stellen.» Daher werde er für das stimmen, was die Stadt vorbereitet habe. Allenfalls sei noch zu überlegen, für das Neun-Mitglieder-Modell von Catherine Peer zu votieren.

Dann ging es an die Abstimmungen. Da es einen Änderungsantrag gab, war zweimal die Hand zu heben. Der Peer-Antrag wurde zwar mit 19 Ja- zu 10 Nein-Stimmen angenommen. Bei der Schlussabstimmung zur Teilrevision hiess es dann aber letztlich 14 Ja- gegenüber 16 Nein-Stimmen. Damit war der Antrag gecancelt und kommt somit auch nicht vors Volk. Wenn in der kommenden Legislaturperiode das neue Volksschulgesetz erlassen ist, wird sich der neue Stadtrat erneut mit der Teilrevision befassen müssen.

Catalina Wolf-Miranda hatte die Abstimmungsvorgänge offensichtlich missverstanden. Während sie versuchte, das Missverständnis zu klären, sprang Fraktionskollege Lucas Neff ans Rednerpult zu Hilfe und stellte einen sogenannten Rückkommensantrag mit dem Ziel, die Abstimmung zu wiederholen. Nun war die Verwirrung komplett: «Wie geht es jetzt weiter?» war zu hören, Diskussionen hoben an. Gemeinderatspräsident Martin Romer (FDP) blieb die Ruhe selbst und rief das Büro, also die Stimmenzähler und den Gemeindeschreiber Uwe Krzesinski, zu sich. Schliesslich las Romer aus dem Thalmann, der «Bibel« zu den Ausführungen der Gemeindegeschäfte vor, dass in solch einem Fall ein Rückkommensantrag nicht zulässig ist.