Soll das Schlieremer Zentrum bis zum Bau des neuen Verkehrskreisels stärker belebt werden? Oder reichen Angebote wie die Sommerbeiz und das Eventzelt im Herbst aus, die sich in den letzten Jahren etabliert haben? Diese Fragen gaben an der Gemeinderatssitzung vom Montagabend zu reden. Angestossen wurde die Diskussion von GLP-Gemeinderat Nikolaus Wyss, der zusammen mit acht Mitunterzeichnenden in einem Postulat ein Zwischennutzungskonzept für eine ganzjährige Belebung des Zentrums forderte. Weil er mit den Vorschlägen in der Antwort des Stadtrats nicht zufrieden war, wollte Wyss seinen Vorstoss auf der Pendenzenliste der Exekutive belassen. Am Ende stimmte eine Mehrheit von 16 Parlamentariern und Parlamentarierinnen jedoch für die Abschreibung des Vorstosses. Nur 10 waren dagegen.

Der Stadtrat teilte in seiner Antwort auf das Postulat zwar die Ansicht des GLP-Gemeinderats, dass das Zentrum «rasch an Ausstrahlungskraft und Attraktivität» gewinnen sollte und nicht erst mit dem Bau des neuen Kreisels und der geplanten Limmattalbahn ab 2017. Doch im Vergleich zu Wyss plant die Stadt für die Zwischenzeit eine Art «Zentrumsbelebung light»: Konkret soll im Innern des bestehenden Kreisels gemäss den Plänen der Stadtregierung wie bisher von September bis Dezember ein Zelt aufgestellt werden können. Und auch die Sommerbeiz soll während der warmen Monate weiterhin betrieben werden. Neu ist, dass bei Anlässen künftig die ganze Fläche innerhalb des Kreisels bespielt auch die Bahnhofstrasse einbezogen werden kann. Im Minimum sind das Jahr über zwei Anlässe pro Monat vorgesehen. Temporäre Bauten sollen zudem eine «befriedigende Gestaltung» aufweisen und «einladend» wirken.

Wyss: «Es braucht ein Management»

Wyss hatte schon im Vorfeld der Debatte angekündigt, dass er das Postulat nicht abschreiben lassen wolle (siehe Ausgabe vom 27. Juni). «Die Antwort auf unseren Vorstoss ist bloss eine lobende Beschreibung des Status quo, verbunden mit der Bestätigung, dass der Platz belebt werden sollte», erklärte er. In der Debatte vom Montag kritisierte der Postulant zudem, dass bestehende Zwischennutzungen wie der Märt am Wochenende, die Sommerbeiz oder auch das Eventzelt im Herbst für breite Bevölkerungskreise kaum attraktiv seien. «Bei meinem Postulat ging es mir um den Wunsch, dass sich möglichst alle Bevölkerungsgruppen den Stadtplatz aneignen», erklärte er. Doch dazu reiche kein Konzept in den Händen des Stadtpräsidenten – vielmehr brauche es ein professionelles Management, wie es etwa im Zürcher «Frau Gerolds Garten» aktiv sei.

Stadtpräsident Toni Brühlmann-Jecklin (SP) erwiderte, dass Wyss Anspruch an die Gestaltung und den Umgang mit diesem Gebiet sehr hoch seien. Es entspreche zudem nicht dem Bedürfnis aller Schlieremer, dass es auf dem Platz jeden Tag ein «Rambazamba» gebe. «Wir bekamen etwa schon die Kritik zu hören, dass das Zelt im Herbst zu lange stehen bleibe», so Brühlmann. Wyss Vision ging auch der SVP, der FDP und der EVP zu weit. Lucas Arnet (FDP) sagte, dass es angesichts des begrenzten Zeitraums bis zum Umbau des Kreisels kaum möglich sei, «mit einem vernünftigen finanziellen Aufwand» mehr zu erreichen, als der Stadtrat plane. «Jetzt bauliche Investitionen zu tätigen, wäre sinnlos», sagte er.

Quartierverein brachte Vorschläge

Schützenhilfe bekam Wyss hingegen vom Quartierverein, von den Grünen und der SP. Gaby Niederer (QV) monierte, die Antwort des Stadtrats lasse Visionen vermissen und beinhalte bei genauer Betrachtung nicht viel Neues. Dabei seien grosse Investitionen, wie sie Arnet befürchte, gar nicht nötig, um aus dem Ort «etwas zu machen». Niederer präsentierte dazu diverse Vorschläge, die an einer Sitzung des Quartiervereins entstanden waren; darunter etwa eine Urban-Farming-Anlage, Sportangebote nach Feierabend oder eine Begegnungszone mit schlichten Steinquadern. Doch auch von diesem vielfältigen Nutzungskatalog liess sich die Mehrheit des Stadtparlaments am Ende nicht überzeugen.