Dietikon

Parlament sagt nach hitziger Diskussion Ja zum Dietiker «Generationenpark»

Aus der Kirchhalde hinter dem Altersheim Ruggacker soll ein Generationenpark werden, der allen etwas bietet.

Aus der Kirchhalde hinter dem Altersheim Ruggacker soll ein Generationenpark werden, der allen etwas bietet.

Mit 20 zu 13 Stimmen sprach sich der Dietiker Gemeinderat am Donnerstagabend für eine Erneuerung der Kirchhalde aus. Das Projekt kostet 2,9 Millionen Franken, was der SVP und den Grünen zu viel war. Das letzte Wort hat das Stimmvolk.

Das Parlament Dietikon stimmte am Donnerstag einem Kredit von 2,9 Millionen Franken für die Neugestaltung der Kirchhalde mit 20 zu 13 Stimmen zu. Mit dem Geld soll aus dem heute ziemlich maroden Gebiet zwischen Altersheim Ruggacker, Schöneggstrasse, Poststrasse und reformierter Kirche ein sogenannter «Generationenpark» werden, von dem die ganze Bevölkerung etwas hat. Dort, wo bis 1920 noch Lehm abgebaut wurde, sollen eine Spielwiese, ein Brunnen, Bäume, Sitzgelegenheiten und ein neues Wegnetz zum Verweilen einladen.

Viel Lob für das Projekt

Das Projekt erntete viel Lob. Ernst Joss (AL) sprach von einem «sehr ausgewogenen Projekt», das die Attraktivität der Stadt steigern werde.

Das fand auch die CVP. Zwar sei der neue Park nicht billig, dafür sehr schön und wertvoll, sagte Gabriele Olivieri (CVP). Der Park könne sich mit denjenigen in Paris und London messen und werde dem Image von Dietikon ausserordentlich guttun, so Olivieri.

«De Plausch» für alle

Es solle das Ziel sein, dass der Park Kirchhalde eine der vier Ecken auf der offiziellen Dietiker Postkarte bekomme, sagte Anton Kiwic (SP), der schon 2010 in einem Postulat eine Erneuerung angeregt hatte. So ein Park koste halt etwas, sei aber «de Plausch» für alle Generationen.

Das sah auch Werner Synnatschke (EVP) so. Er bat seine Ratskollegen, nicht nur auf die Kosten zu achten, sondern an die Zukunft aller zu denken: «Wenn wir jetzt nicht zupacken, packen wir nie zu.»

FDP dafür

Sogar die FDP, die sich in letzter Zeit stark mit Themen wie Haushaltsoptimierung und Schuldenbremse beschäftigt hatte, war für das Projekt. Werner Hogg (FDP) lobte den kooperativen Prozess und betonte, von der Neugestaltung würden alle Generationen profitieren. «Es gibt wohl kein anderes Projekt, mit dem man so vielen Leuten eine Freude machen kann», so Hogg.

Gar keine Freude hatte die SVP. Zwar sei man grundsätzlich für die Neugestaltung der Kirchhalde, sagte Trudy Frey. Das vorliegende Projekt sei aber mit 2,9 Millionen Franken viel zu teuer. Ihr Parteikollege Roger Bachmann (SVP) sagte, ihm seien «die Haare zu Berge gestanden», als er den Antrag gelesen habe. Dietikon wolle einmal mehr ein Investitionsvorhaben vergolden. Ein solches «Luxusprojekt» könne er nicht mit seinem Gewissen vereinbaren, so Bachmann.

«Der Kanton zahlt ja»

Obwohl Dietikon einen Steuerfuss von 122 Prozent habe und Millionen an Ausgleichszahlungen erhalte, wolle man auf nichts verzichten, sagte Jörg Dättwyler (SVP). «Hat der Stadtrat noch nicht gemerkt, dass die Zeiten der Wunschkonzerte vorbei sind?», fragte er und meinte: «Aber der Kanton zahlt es ja.» Er frage sich, wieso sich andere Gemeinden mit Dietikon solidarisch zeigen sollen, wenn die Stadt den Übergangsausgleich für einen Park verschleudere.

Grüne dagegen

Unterstützung erhielt die SVP von den Grünen. Auch ihnen sei das Projekt zu teuer, sagte Samuel Spahn. Er werde den Verdacht nicht los, dass der Stadtrat sich mit dem Park ein Denkmal setzen wolle, sagte er. Er verwies auf die laufende Haushaltsoptimierung und sagte, es passe nicht dazu, dass man das Geld nun wieder mit beiden Händen ausgebe.

Stadtpräsident Otto Müller (FDP) verteidigte das Projekt vehement. Der Stadtrat wolle sich weder ein Denkmal setzen noch wolle er ein Luxusprojekt, sagte Müller. Man wolle etwas für die Bevölkerung schaffen. Die 2,9 Millionen Franken müsse man in Relation setzen mit der Grösse der Anlage. «Es ist die einzige Grünanlage, die wir im Herzen der Stadt haben», sagte Müller. «Wir leisten heute einen Beitrag für die nächsten 30 oder 40 Jahre.»

Der Stadtrat sei zum Schluss gekommen, so Müller, dass die 2,9 Millionen Franken gut investiert seien: «Wir müssen etwas für die Attraktivität unserer Stadt tun.» Sonst bewege man sich in einer Abwärtsspirale. Die Entwicklung schaffe letztlich einen Mehrwert für die Bevölkerung.

Bevölkerung bestimmt

Die Aufwertung der Kirchhalde steht schon länger zur Diskussion. Unter anderem hatte der Stadtrat sich die Aufwertung bereits vor einigen Jahren in seine Legislaturziele 2010 bis 2014 geschrieben. Kurzfristig war das Projekt in Gefahr, als der Stadtrat im vergangenen Dezember erklärte, er müsse finanziell im Moment andere Prioritäten setzen. Gemeinderat Kiwic sagte in der Parlamentsdiskussion am Donnerstagabend, dies sei wohl gewesen, um die Stimmbevölkerung für das Nein zum Mietschulhaus Limmatfeld zu strafen. Nun ist das Projekt aber wieder auf Kurs. Das letzte Wort dazu wird die Stimmbevölkerung haben. Das Geschäft kommt voraussichtlich am 22. September an die Urne.

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