Dietikon
Parlament sagt Ja: Kindergarten-Neubau auf der Lozziwiese ist einen Schritt weiter

Der Dietiker Gemeinderat hat Ja gesagt zum Kredit für den neuen Kindergarten Gjuch. Auch das Wolfsmatt-Projekt ist einen Schritt weiter.

David Egger
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So soll dereinst das neue Kindergarten-Gebäude an der Gjuchstrasse aussehen.

So soll dereinst das neue Kindergarten-Gebäude an der Gjuchstrasse aussehen.

Die Schulraumknappheit ist in Dietikon ein Dauerbrenner. Der Gemeinderat tat gestern Abend einen wichtigen Schritt in dieser Sache. Er bewilligte den Ausführungskredit in der Höhe von 3,2 Millionen Franken für den Neubau eines Doppelkindergartens auf der Lozziwiese an der Gjuchstrasse – ohne Gegenstimme. Restlos zufrieden sind die Parlamentarier aber nicht mit dem Projekt.

So kritisierte Kerstin Camenisch (SP) namens der Rechnungsprüfungskommission (RPK), dass die Erneuerung des Quartierparks an der Gjuchstrasse auch Teil des Kredits für den Chindsgi-Neubau ist. «Wir finden es unschön, dass ein Päckli geschnürt wurde», so Camenisch. Zudem bemängelte sie sowohl als Sprecherin der RPK als auch als Sprecherin der SP, dass der Stadtratsantrag nicht explizit einen Hort enthält.

Diesen Punkt sprach auch Manuela Ehmann (EVP) an. «Wir haben auch erwartet, dass Tagesstrukturen enthalten sind. Es ist uns dann mitgeteilt worden, dass diese im alten Kindergarten Gjuch umgesetzt werden sollen. Ich bitte den Stadtrat, dass das auch umgesetzt wird, wir brauchen die Tagesstrukturen», so Ehmann, die das Projekt lobte – die EVP finde es gut, die Aufwertung der Spielwiese inklusive.

«Das Projekt finden wir sehr gut»

Auch Gabriele Olivieri (CVP) äusserte Zustimmung: «Es ist wichtig, dass die Kindergärten dort gebaut werden, wo die meisten Kinder sind. Das ist im Gjuch der Fall. Das vorgestellte Projekt finden wir sehr gut.» Er lobte die Öko-Bauweise im Minergie-P-Eco-Standard und mit Holz. Dank der Holzwände werde der Kindergarten gut vor dem Lärm der Überlandstrasse geschützt. Auch seien die Kosten nicht überrissen. Es sei aber merkwürdig, dass kein Mehrzweckraum für einen Mittagstisch vorgesehen sei.

«Uns fehlt eine Garantie, dass die Tagesstrukturen kommen», fand zudem Beat Hess (Grüne). Schulvorstand Reto Siegrist (CVP) erklärte, dass die Schulpflege klar fand, dass eine Tagesstruktur nötig ist. Der alte Kindergarten Gjuch soll dafür Platz bieten, sobald der neue gebaut ist.

«Es ist unumstritten, es braucht den Kindergarten», hielt zudem Michael Segrada (FDP) fest. «Es ist aber unglücklich, dass wir einen relativ hohen Anteil von 750 000 Franken für den Quartierpark drin haben», sagte Segrada. Man werde dies den Stimmbürgern gut erklären müssen. «Denn sonst kriegt man das Gefühl, die Kindergärten werden immer teurer», gab Segrada dem Stadtrat mit auf den Weg. «Wir haben das Abstimmungsbüchlein noch nicht geschrieben», entgegnete Hochbauvorsteher Anton Kiwic (SP). Der Weg ist also offen, um diesen Punkt dem Volk gut zu erklären.

Die Kritik am «Päckli» bedeutet aber nicht, dass der Quartierpark ungern gesehen wird. Der Park werde aufgewertet und so gebe man dem Quartier etwas zurück, fand beispielsweise Charlotte Keller (SVP). «Wir haben hier ein Projekt, das nicht nur nimmt, sondern auch gibt.» Sie lasse aber offen, ob der Minergie-P-Eco-Standard 10 Prozent der Kosten rechtfertige. Besonders kritisch sieht sie aber die geplante Kunst am Bau für 35 000 Franken. «So weit kann ich meine Augenbrauen gar nicht hinaufziehen, wie ich möchte», so Keller dazu.

Sven Johannsen (GLP) kritisierte, die Stadt sei wieder spät dran gewesen. Stadtrat Kiwic dazu: «Das Problem der Kurzfristigkeit haben wir bei jedem Schulraumprojekt. Denn eigentlich müssten wir diesen Schulraum ja schon haben.»

Letztlich überwog das Lob für den neuen Doppelkindergarten Gjuch klar. Einstimmig sprach sich das Parlament für den Kredit aus. Wird das Volk ebenfalls Ja sagen, sollen dann bald die Bauarbeiten starten. Die Inbetriebnahme des neuen Doppelkindergartens ist auf das Schuljahr 2020/2021 hin vorgesehen.

Noch nicht so weit ist das Projekt Wolfsmatt. Die 1962 eröffnete Schulanlage ist sanierungsbedürftig. Der Gemeinderat hat gestern einstimmig rund zwei Millionen Franken für den Wettbewerb und das Vorprojekt zur Sanierung und Erweiterung des Schulhauses Wolfsmatt gesprochen. «Es gibt absolut keine Gründe, die gegen das ‹Wolfsmatt› sprechen würden», sagte Martin Christen (CVP). Für die SVP kam Konrad Lips darauf zu sprechen, dass die kantonale Denkmalpflege das «Wolfsmatt» als schutzwürdig erachtet. «Es stört uns, dass immer alles geschützt wird. Nicht weil man eingeschränkt wird, sondern weil es Mehrkosten generiert», sagte er. «Dieser Schutz hat mit dem Respekt gegenüber der Leistungen unserer Vorfahren, mit Identität und mit Heimat zu tun. Das ‹Wolfsmatt› ist ein Stück Dietikon, das sollte gerade euch wichtig sein», entgegnete Manuel Peer (SP).

Nichtsdestotrotz: In Sachen Schulraum ziehen die Gemeinderatsmitglieder derzeit am gleichen Strick.

Das Ratstelegramm: alle Entscheide im Überblick

- Es waren 32 von 36 Gemeinderatsmitgliedern anwesend.

- Für Ottlie dal Canton (CVP) war es die erste Sitzung als Nachfolgerin des zurückgetretenen Beat Kunz (CVP).

- Während der Sitzung schoss ein Fotograf neue Fotos des Gemeinderats, dies für die Website der Stadt Dietikon.

- Das Stadtplanungsamt informierte über das Projekt «Dialog Stadtentwicklung».

- Als Nachfolgerin des verstorbenen Erich Burri (SVP) wurde Karin Dopler (SVP) in die Geschäftsprüfungskommission gewählt.

- Als Nachfolger des zurückgetretenen Beat Kunz (CVP) wurde Beda Felber (CVP) in die Rechnungsprüfungskommission gewählt.

- Das Parlament löcherte den Stadtrat im Rahmen der Fragestunde mit 23 im Voraus angekündigten Fragen. Hinzu kamen 6 spontane Fragen. Die Berichterstattung dazu erfolgt in der morgigen Samstagsausgabe.

- Der Antrag für einen Kredit für den Wettbewerb und das Vorprojekt zur Sanierung und Erweiterung des Schulhauses Wolfsmatt wurde einstimmig angenommen.

- Der Antrag für einen Kredit für den Neubau des Doppelkindergartens Gjuch wurde einstimmig angenommen.

- Die Interpellation von Peter Metzinger (FDP) betreffend Standortförderung Limmatstadt AG wurde beantwortet.

- Die Interpellation «Von der Grenzbegehung zum Wirtschaftsrundgang» von Olivier Barthe (FDP) wurde beantwortet.

- Kerstin Camenisch (SP) begründete ihr Postulat betreffend Bootsflüchtlingen. Mit 22 zu 10 Stimmen wurde die Nichtüberweisung beschlossen.

- Philipp Sanchez (SP) begründete sein Postulat betreffend Unterzeichnung der Charta der Lohngleichheit im öffentlichen Sektor. Es wurde überwiesen.

- Olivier Barthe (FDP) begründete seine Interpellation «Arbeitsplätze nicht vergessen».

- Martin Steiner (SP) begründete seine Interpellation betreffend der Verkehrsführung für den Langsamverkehr auf der Schönenwerdkreuzung.