Schlieren
Parlament kritisiert «Hochglanzmagazin» als «Selbstdarstellungsmittel»

Die Idee des Stadtrats war es, viermal jährlich eine Zeitung zu publizieren. Als Organ des Stadtrates sollte das Magazin über wichtige Themen aus Schlieren berichten. Nach der Parlamentssitzung muss das Konzept aber überarbeitet werden.

Florian Niedermann
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Das Stadtmagazin soll Vereinen wie der Harmonie Schlieren als Plattform dienen, findet das Parlament. KSC

Das Stadtmagazin soll Vereinen wie der Harmonie Schlieren als Plattform dienen, findet das Parlament. KSC

«Ich glaubte zunächst, dass jemand die Zahlen irrtümlich vertauscht hat, als ich es las», sagte Stadtpräsident Toni Brühlmann-Jecklin (SP) an der Sitzung des Schlieremer Parlaments. Er meinte damit den Entscheid der Geschäftsprüfungskommission (GPK). Sie empfahl dem Gemeinderat mit 5 zu 2 Gegenstimmen, einen jährlich wiederkehrenden Beitrag in der Höhe von 90 000 Franken für die Herausgabe eines Stadtmagazins nicht zu genehmigen.

Im Verlauf der Debatte zeigte sich allerdings, dass nicht nur die GPK, sondern auch die Mehrheit des Parlaments der Überzeugung war, dass ein Stadtmagazin, so wie es geplant war, nicht sinnvoll wäre. Der Stadtrat wird sein Konzept nun überarbeiten und dem Parlament neu vorlegen müssen. Dies wird aber erst in der nächsten Legislatur unter der Direktive der neuen Exekutive geschehen.

Die Idee des Stadtrats war es, ab Sommer 2014 viermal jährlich eine Zeitung mit einem Umfang von 24 Seiten zu publizieren. Als Organ des Stadtrates sollte das Magazin über wichtige Themen aus Schlieren berichten (siehe Ausgabe vom 26. September). «Etwa im Fall der Limmattalbahn hätte der Stadtrat gerne über ein Medium verfügt, mit dem er die Bevölkerung über seine Schritte gezielt informieren kann», sagte Brühlmann am Montagabend.

«Acht Tonnen Altpapier pro Jahr»

Das Parlament war mit dem Konzept für das Stadtmagazin allerdings nicht zufrieden. GPK-Mehrheitssprecher Markus Weiersmüller (FDP) erklärte etwa, dass ein Publikationsorgan in gedruckter Form nicht ökologisch sei. «Pro Ausgabe würden rund zwei Tonnen Altpapier entstehen. Pro Jahr wären es acht Tonnen», sagte er. Weiter sei ungeklärt, ob die Werbeeinkünfte ausreichen würden oder ob die Stadt mehr Geld einschiessen müsse als geplant, so Weiersmüller.

Beat Kilchenmann (SVP) sagte, das Stadtmagazin erscheine seiner Fraktion als ein reines «Selbstdarstellungsmittel für den Stadtrat». Man vermisse eine Plattform-Funktion für Vereine und andere Interessengruppen der Stadt. Was die Bevölkerung brauche, sei «kein Hochglanzmagazin, sondern ein Stadtblatt», das Identität stifte und Inhalt biete, der nicht im Internet oder in der Zeitung zu lesen sei. Auch CVP/EVP, FDP und Quartierverein stellten sich gegen den Antrag.

Leuchtmann weibelte für Magazin

Pascal Leuchtmann (SP), der Sprecher der GPK-Minderheit, betonte hingegen, dass ein Stadtmagazin, wie es der Exekutive vorschwebte, durchaus das richtige Medium sei, um die Bevölkerung mit gut aufbereiteter Information zu versorgen. «Als Kommunikationsform ist es die Variante mit den meisten Vor- und den wenigsten Nachteilen», sagte er. Es sei modern gestaltet, erreiche alle Einwohner, sei für die Bürger kostenlos und aus Sicht der Stadt bezahlbar.

Jürg Naumann (QV) stellte am Ende der Debatte den Rückweisungsantrag. «Der Stadtrat soll das Konzept für ein Stadtmagazin unter Berücksichtigung der heute geäusserten Einwände überarbeiten und dem Parlament erneut vorlegen», sagte er. Am Ende nahmen die Stadtparlamentarier den Rückweisungsantrag mit 20 zu 6 Gegenstimmen an.