Das Dorf braucht ein Restaurant. Davon ist die Gemeinde Aesch überzeugt. Damit im 300 Jahre alten «Rössli»-Bau im Ortskern an der Dorfstrasse 6 wieder Leben einkehrt, hat sich der Gemeinderat auf eine besondere Idee verlegt, die darauf hinausläuft, mit dem Kauf von Parkplätzen und deren Vermietung einen Restaurationsbetrieb in der Liegenschaft zu subventionieren. Bei der Gemeindeversammlung am kommenden Mittwoch soll nun das Stimmvolk über das interessante Vorhaben befinden.

Die Rettung des Traditionslokals beschäftigt den Gemeinderat schon seit neun Jahren. Damals schloss das «Rössli» seine Pforten. Danach war das Gebäude längere Zeit zum Verkauf ausgeschrieben. Der Kauf durch die Gemeinde wurde genauso verworfen wie die Gründung einer Genossenschaft, die das Ziel hatte, den Lokalbetrieb zu sichern.

Mehr als eine Beiz

Im Mai trat in Urs Räbsamen ein neuer Kaufinteressent mit Erfahrung in Restaurationsbetrieben auf den Plan. Er beabsichtigt nicht nur, im früheren «Rössli» eine Wirtschaft zu betreiben, sondern plant auch, Wohnungen und Gewerberäume zu bauen und zu vermieten. Für diese Nutzungen braucht es zahlreiche Parkiermöglichkeiten.

Auf Räbsamen, der noch nicht Eigentümer der Liegenschaft ist, kommen grosse Investitionen für das gesamte Bauvorhaben zu. In der Information zur Gemeindeversammlung heisst es: «Auch wenn der Restaurantbetrieb durch Mietzinseinnahmen der Wohnungen quersubventioniert wird, wird die Betriebsrechnung der ganzen Liegenschaft zumindest zu Beginn eher rote Zahlen ausweisen.»

Sicherung des Vorkaufsrechts

Mit einem Unterstützungskonzept will die Gemeinde Räbsamen unter die Arme greifen und so dem neuen Restaurant zu einem dauerhaften Erfolg verhelfen. Es beinhaltet, dass die Gemeinde bis zu 16 Parkplätze in der Unterniveaugarage an der Eichacherstrasse für bis zu 480 000 Franken kauft und an Räbsamen für die Wohnungsmieter und Gewerbetreibenden in der Liegenschaft vermietet.

Allerdings verzichtet die Gemeinde zumindest in den ersten zehn Betriebsjahren auf die Mieteinnahmen in Höhe von bis zu 25 000 Franken. «Effektiv bedeutet der Kauf der Parkplätze eine Investition ins Finanzvermögen der Gemeinde», so die Gemeindeinformation. Die Gemeinde kauft also Parkplätze, die sie im öffentlichen Interesse verwendet, welches derzeit eben der Restaurationsbetrieb ist. Sollte dieser Zweck entfallen, kann sie die Plätze anderweitig vergeben.

In einer «Zusammenarbeitsvereinbarung» legt die Gemeinde nicht nur die Rahmenbedingungen fest, sie sichert sich auch noch das Vorkaufsrecht über 25 Jahre, sollte Räbsamen die Liegenschaft wieder veräussern wollen. Fazit der Gemeinde: «Die Kombination von Zurverfügungstellung von Parkplätzen und Erlass des Mietzinses sichert die grösstmögliche Einflussnahme auf die Nutzung des ‹Rössli› und generiert wenig Kosten.»