Wer zuletzt lacht...

Panik statt Mitgefühl: Deshalb zelebriert unser Kolumnist seinen Heuschnupfen nicht mehr

«Wer zuletzt lacht...» lautet der Titel der Kolumne von Martin von Aesch. In dieser Folge geht es um Heuschnupfen während der Corona-Zeit. (Symbolbild)

«Wer zuletzt lacht...» lautet der Titel der Kolumne von Martin von Aesch. In dieser Folge geht es um Heuschnupfen während der Corona-Zeit. (Symbolbild)

Mit der neuen Kolumne von Martin von Aesch versucht er, etwas Humor in die Coronakrise zu bringen. In diesem Teil seiner neuen Coronakolumne erzählt er, weshalb Heuschnupfen in der Corona-Zeit ein schwieriges Unterfangen ist.

Der menschliche Körper, ein riesiges Mysterium! Oder verstehen Sie wirklich, was in Ihnen abläuft? Ich behaupte mal, dass auch Sie nicht wirklich eine Ahnung haben. Was aber vollkommen verständlich ist, wenn nicht einmal Ärzte alle Phänomene erklären können. Und die sollten es doch eigentlich wissen.

Als ich vor gut zehn Jahren erstmals auf Pollen zu ­reagieren begann, konnte ich nur ganz banal feststellen: Okay. So ist es jetzt halt. Das Warum hingegen blieb mir verborgen. Auch nach Gesprächen mit etlichen Fachleuten. Das einzige, was mir blieb, war, mich damit abzufinden. Etwas später habe ich dann gemerkt, dass das Niesen, das einer Explosion gleicht, auch etwas Wunderbares, etwas Befreiendes sein kann. Und heute? Heute geniesse ich meinen Heuschnupfen regelrecht. Ich zelebriere ihn, was bis vor kurzem überhaupt keine negativen Reaktionen her­vorgerufen hat. Ganz im Gegenteil. Die meisten An­wesenden zeigten grosses Mitleid. Andere aber, und das war mir wesentlich lieber, reagierten mit einem mit­fühlenden «Gesundheit».

Es ist deshalb nicht erstaunlich, dass ich während der Wintermonate beinahe die Tage zählte, bis die ersten Pflanzen zu blühen begannen. Dieses Jahr war erstaunlich. Denn zum einen war wegen des günstigen Klimas alles viel früher dran. Was mir eigentlich extrem entgegenkam. Das andere hingegen schränkt ein. Schränkt massiv ein. Denn gemäss den Richtlinien des Bundes­rates dürfen wir Heuschnüpfler uns nicht mehr einfach ­genüsslich unserem Leiden hingeben. Wir müssen in Windeseile unsere Ellbogenkehle vors Gesicht halten, um den Flug unserer Viren zu verhindern.

Ein schwieriges Unterfangen! Vor allem setzt es eine immense Reaktionsfähigkeit voraus.

Vor kurzem ist es dann halt doch passiert. Und weil das Niesen so unvermittelt kam, schaffte ich es nicht mehr, Mund und Nase gemäss Anweisungen zu schützen. Obwohl die Umstehenden den entsprechenden Abstand hielten, reagierten sie nicht mehr mit Mitleid oder Mitgefühl wir früher. Sondern nur noch mit Panik.

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