Die Meldung kam überraschend. Die Gamag AG, die das Hotel Geroldswil und die Pizzeria am Dorfplatz führt, kündet den Pachtvertrag mit der Gemeinde Geroldswil auf Juni 2017. Ursprünglich war eine Weiterführung der Hotellerie in Geroldswil bis ins Jahr 2022 vorgesehen. «Wir bedauern, dass die Verhandlungen für eine Pachtverlängerung nicht gefruchtet haben», sagt Gemeindeschreiber Beat Meier auf Anfrage. Die beiden Parteien hätten unterschiedliche Vorstellungen in Bezug auf den Mietzins gehabt, wie er ausführt. Genaue Zahlen will er zwar keine nennen, doch sei der Gamag AG eine Reduktion des aktuellen Pachtzinses von rund 75 Prozent vorgeschwebt. «Wir hätten den Vertrag gerne verlängert, doch unter diesen Umständen konnten wir uns nicht darauf einlassen», so Meier weiter.

«Viele Gäste verärgert»

Anders hat Peter Eltschinger, Verwaltungsratspräsident der Remimag AG, welche die Gamag Ende März gekauft hat, die Verhandlungen in Erinnerung. «Uns erschien eine Reduktion des Pachtzinses mehr als gerechtfertigt», sagt er. Denn einerseits hätten die «extrem lärmintensiven» Bauarbeiten am Hallenbad, das neben dem Hotel liegt, länger gedauert als prognostiziert. «Dies hat viele Gäste verärgert.» Und andererseits habe die Gemeinde ihre Unterhaltspflicht für die Liegenschaft «schändlich» vernachlässigt. «Darum haben wir mit dem Hotel Geroldswil in den beiden vergangenen Jahren herbe Verluste eingefahren», so Eltschinger. Aus diesem Grund habe man sich ein Entgegenkommen in Bezug auf den Pachtzins erhofft, woraufhin man auch bereit gewesen wäre, das Hotel bis zu seiner geplanten Umnutzung weiterzuführen. Vergeblich.

Beat Meier überraschen diese Vorwürfe. Er verweist darauf, dass man dem Hotel aufgrund der Bauarbeiten eine grosszügige Ertragsausfallentschädigung bezahlt habe. Und auch der Unterhalt der Liegenschaft sei keineswegs vernachlässigt worden. «Notwendige Arbeiten liessen wir stets verrichten», so Meier.

Peter Eltschinger richtet jedoch noch mehr Kritik an die Adresse der Gemeinde. So seien die Verhandlungen am Montag vor einer Woche beendet gewesen, woraufhin die Gemeinde Mitte Woche eine Mitteilung versandte – ohne dies vorgängig mit Eltschinger abzusprechen. «Unsere Mitarbeiter haben aus der Zeitung davon erfahren, dass der Hotelbetrieb im Juni 2017 endet», sagt er. Dies sei «ein kommunikativer Supergau.»

Laut Beat Meier handle es sich bei der weiteren Entwicklung rund um das Hotel Geroldswil um ein für die Gemeinde derart wichtiges Geschäft, dass so schnell wie möglich kommuniziert werden musste. «Aus dem Umfeld des Hotels Geroldswil wurden wir auf den Ausgang der Verhandlungen angesprochen, worauf wir annahmen, dass intern bereits kommuniziert wurde.» Dass dies noch nicht geschehen war, sei der Gemeinde nicht klar gewesen.

Kiesplatz noch immer Priorität

Wie geht es nun weiter mit der Liegenschaft am Dorfplatz? Bereits im Herbst 2014 empfahl die dem Gemeinderat zur Seite gestellte Begleitkommission zur Entwicklung des Geroldswiler Zentrums, künftig auf den Hotelbetrieb zu verzichten. Grund für diese Empfehlung war das grosse Investitionsvolumen von rund
10 Millionen Franken, das sich angesichts der unterdurchschnittlichen Auslastung nicht rechtfertigen liesse. Stattdessen plädierte die Kommission für die Erstellung von gemeindeeigenen Alterswohnungen im Gebäude des heutigen Hotels.

Die geplante Überbauung des Kiesplatzes mit einem Gebäude, das einen Grossverteiler sowie 20 bis 30 Wohnungen beherbergen soll, geniesst auch nach dem Rückzug der Gamag AG weiterhin Priorität im Zeitplan der Geroldswiler Zentrumsentwicklung. Das Kiesplatz-Projekt ist schon weit fortgeschritten. Das Siegerprojekt aus dem Studienauftrag präsentiert die Gemeinde bereits Anfang Juni. Über die Etappierung und die finanziellen Möglichkeiten werde der Gemeinderat dann nochmals beraten.

Gastwirtschaft weiter erwünscht

Was die Zukunft der Pizzeria sowie des Hotelrestaurants angeht, machte sich die Begleitkommission Zentrumsplanung ebenfalls Gedanken. So sollen weiterhin ein bis zwei Gastrobetriebe am Dorfplatz geführt werden und der Gemeindesaal mit rund 300 Plätzen ebenfalls weiterhin dort angesiedelt sein. «Dies ist von der Gemeinde auch so geplant», so Meier. Dass die Gamag AG eines oder gar beide Restaurants weiterführt, ist für Peter Eltschinger aber undenkbar. «Für uns lassen sich diese beiden Gastrolokalitäten nicht gewinnbringend führen», sagt er.

Dass die Gemeinde die Umnutzung des Hotels Geroldswil nun bereits für Mitte 2017 anstatt 2022 angehen muss, bedingt einen sportlichen Zeitplan. Beat Meier glaubt aber, dass dies machbar ist. Spätestens an der Gemeindeversammlung vom kommenden Dezember möchte der Gemeinderat einen Planungskredit beantragen. Ob die Zeit für die Ausgestaltung eines Projektes bis zur Baureife auf Mitte Juni 2017 reicht, sei denkbar. Falls nicht, hat sich die Gemeinde bereits erste Gedanken für mögliche Zwischennutzungen der Liegenschaft gemacht. Diese seien zum heutigen Zeitpunkt jedoch noch nicht spruchreif, so Meier.