Zürich
Pacht wird zum Zürcher Politikum

Alle acht Jahre werden durch das Amt für Fischerei die Fischereipachten versteigert. Nun könnten die Vereine ihre Reviere verlieren. Hunderte Fischer im Kanton Zürich wären davon betroffen.

Martin Steinegger
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Limmattaler Zeitung

Jürg Schneider, Präsident des 150 Mitglieder zählenden Fischervereins Zürcher Unterland (FVZU), ist wütend. «Wir haben die Nase voll von diesem Theater», sagt er. Ins selbe Horn bläst Rolf Schatz vom Fischereiverein Thalwil (FVT): «Ich sehe eine sehr schwierige Zeit auf uns zukommen.»

Die Vertreter der Fischereivereine haben allen Grund zur Besorgnis: Im schlimmsten Fall droht ihnen in diesem Jahr nämlich der Verlust der Reviere, in denen ihre Mitglieder die Angelruten auswerfen können. Hunderte Fischer im Kanton Zürich wären davon betroffen.

Die Fischereipachten – sie betreffen viele kleine und grössere Gewässerabschnitte im ganzen Kanton – werden alle acht Jahre durch das Amt für Jagd und Fischerei versteigert. Wer den Zuschlag erhält, ist für die Pflege des Reviers zuständig und muss durch die Abgabe von kostenpflichtigen Fischereikarten den Fischern Zugang zum Revier verschaffen.

Gericht düpiert Kanton

Bei der letzten Pachtvergabe im Herbst 2009 waren – nach jahrelangem Kampf – erstmals Vereine als Pächter zugelassen worden. Diverse Vereine steigerten mit. Es kam zu 30 Kampfsteigerungen, oft zwischen Vereinen und Einzelpächtern.

Mehrere Vereine erhielten schliesslich Reviere zugesprochen, darunter der stark in der Jugendförderung tätige FVT (3 Reviere) und der FVZU (4 Reviere). Die Freude darüber währte aber nicht lange. Die ehemaligen Pächter jener Reviere, die neu dem Fischereiverein Thalwil zugesprochen wurden, leiteten juristische Schritte gegen die Vergabe ein. Die Einsprecher kritisierten, die gesetzlichen Grundlagen würden fehlen.

Geld zurück?

Und sie bekamen recht. Das Verwaltungsgericht des Kantons Zürich teilt diese Ansicht und erklärte die Pachtvergabe Ende letzten Jahres für null und nichtig. Die Zürcher Fischerei- und Jagdverwaltung hatte zwar vor der Pacht im Herbst 2009 die Fischerei-Verordnung geändert, dass Vereine mitbieten können – der entsprechende Gesetzesartikel wurde aber nicht angepasst.

Folge: Die Reviere müssen neu ausgeschrieben werden. Das kann dauern. Bis dahin liegen die Reviere brach. Von dem Urteil des Verwaltungsgerichts ist nicht nur der Verein in Thalwil betroffen. Da Gerichtsentscheide allgemeingültigen Charakter haben, sind kantonsweit alle Pachten in Gefahr, die im Herbst 2009 an Vereine abgegeben wurden. Die Bewerbungen der Vereine wären alle ungültig, die Reviere würden neu ausgeschrieben.

Für die Vereine hätte der Verlust ihrer Reviere drastische Konsequenzen. Schliesslich bezahlen die Mitglieder Jahresbeiträge, um an bestimmten Gewässerabschnitten fischen zu können. Die Fischereikarten sind bereits verteilt. Kann nicht gefischt werden, müssten die Vereine den Mitgliederbeitrag zurückerstatten. «In diesem Fall kämen wohl viele Vereine in existenzielle Nöte», sagt Rolf Schatz. Kritische Fragen muss sich bei diesem drohenden Fiasko die Fischerei- und Jagdverwaltung gefallen lassen, namentlich Amtsleiter Urs Philipp.

Trotz Warnhinweisen von Vereinsvertretern unterliess es das Amt, die Vergabekriterien bei der Pacht gesetzlich zu definieren. Dies deshalb, weil das auf politischem Weg, also im Kantonsrat, hätte geschehen müssen. Man wollte die Vereine unbedingt noch bei der Pachtvergabe 2009 zulassen. Das entpuppt sich nun als Fehler. «Wäre das damals juristisch sauber gemacht worden, gäbe es diese Probleme nicht», sagt Rolf Schatz. In dieser Sache sei nun auch der zuständige Regierungsrat Markus Kägi (SVP) gefordert. Amtsleiter Philipp war für eine Stellungnahme nicht erreichbar.

Heute im Kantonsrat

Wegen der Pachtprobleme ist die Fischerei im Kanton Zürich zum Politikum geworden. Andreas Federer (CVP, Thalwil) reichte kürzlich im Kantonsrat ein Postulat ein, unterzeichnet von den Fraktionen von CVP, GLP und SP. Darin wird Klarheit über das Pachtsystem verlangt – und eine Offenlegung der Resultate der Pachtvergaberunde 2009. Das Postulat dürfte heute im Rat zur Diskussion kommen.