Als die Flüchtlinge 2015 in der Schweiz kamen, war die Bereitschaft der Bevölkerung vielerorts gross, sich für die Neuankömmlinge einzusetzen. Doch beinahe ebenso gross war die Unwissenheit, wie das genau anzustellen sei. Das «Fokusnetzwerk» wurde letzten November als Vernetzungsplattform gegründet. Auf der Plattform erstellen beide Parteien, der Anwohner und der Flüchtling, ein Profil. In diesem beschreibt die Person ihren beruflichen Hintergrund, ihre Sprachfähigkeit und die persönlichen Interessen.

Das Ziel ist, dass sich so passende Paare finden und die Flüchtlinge die Möglichkeit haben, an der Gesellschaft teilzuhaben. «Die grösste Herausforderung für die Flüchtlinge ist, Kontakt zur hiesigen Bevölkerung aufzunehmen», sagt Eliya Devay, Projektleiter vom Fokusnetzwerk. Um diese Begegnung zu ermöglichen, fährt er von Veranstaltung zu Veranstaltung und wirbt um neue Mentoren. Viele der Besucher seien nach den Veranstaltungen sehr interessiert. «Doch nur wenige wagen den Schritt und starten wirklich», sagt Devay. Um dem Team zu einem möglichst guten Start zu verhelfen, begleitet das Fokusnetzwerk die Mentoren mit Schulungen, Gesprächen und Intervisionen.

Alle Mentoren blieben dabei

Jeder kann Mentor sein: Die Altersspanne reicht momentan von 19 bis 75 Jahren. Auch beruflich haben die Mentore sehr unterschiedliche Ausrichtungen. Handwerker, Dienstleister und soziale Berufe sind zur Zeit vertreten. Diese Durchmischung ist laut Devay gewollt: «So finden sich möglichst passende Paare», sagt er. Sobald sich zwei gefunden haben, starte der Probemonat. In diesem treffen sich die beiden und unternehmen etwas gemeinsam. Nach dem Probemonat evaluieren die Mitarbeiter vom Fokusnetzwerk gemeinsam mit dem Mentor und dem Flüchtling die Partnerschaft. «Dabei ist es wichtig, dass die beiden harmonieren: Denn eine solche Partnerschaft ist nichts Geschäftliches, sondern kann sehr persönlich sein», sagt Devay. In den vergangenen Monaten konnte das Team erste Erfahrungen sammeln. Ende Mai schloss es die Pilotphase ab. «Aktuell konnten wir 25 Flüchtlinge mit Mentoren verbinden, weitere fünf sind im Prozess», sagt Devay.

Der bisherige Erfolg zeigt den Organisatoren, dass sie auf dem richtigen Weg sind: «Keiner der bisherigen Mentoren sprang ab», sagt Devay. Doch auch die Mentoren und Flüchtlinge gaben nach der Pilotphase positive Feedbacks. So wollte beispielsweise ein junger Flüchtling lernen zu schwimmen. Er konnte tatsächlich mit einer älteren Schwimmlehrerin vernetzt werden. Die Treffen waren ihrerseits eine Gelegenheit, mit dem Velo zum Flüchtlingsheim zu fahren und sich so sportlich zu betätigen.

Es gab auch berufliche Erfolge: Ein Schweizer Unternehmer wurde mit einem Unternehmer aus Syrien vernetzt. Es dauerte nicht lange, da konnte der Flüchtling Fuss in einem Start-up fassen.

Projekt freut die Stadt

Finanziert wird das Projekt momentan von Fokusarbeit, der Dachorganisation von Fokusnetzwerk. Die Pauschale für die Mentorensuche zahlen die Gemeinden und Fokusarbeit gemeinsam.

Das Projekt startete in Zürich und zehn umliegenden Gemeinden, unter anderem Dietikon. Bei der Sozialarbeit der Gemeinde stösst das Netzwerk auf offene Ohren. «Wir begrüssen das Programm, es ist aber wichtig, dass die Aufgaben für die Freiwilligen klar definiert werden», heisst es vonseiten der Stadt. In den letzten Monaten kamen zusätzliche Gemeinden dazu. Der Projektleiter möchte das Netzwerk weiter ausbauen. «Flüchtlinge hat es genug. Wir wollen aber nicht, dass die Anfrage auf einmal explodiert, deshalb erweitern wir schrittweise», sagt Devay. Die Angemeldeten sollen laufend vermittelt werden. Um das zu ermöglichen, wirbt Devay weiter um Mentoren. «Denn ohne Mentoren geht es nicht», sagt er. Sie seien quasi das Herzstück des gesamten Projekts.